Rauchwolke nach einem Angriff im südlichen Libanon Rauchwolke nach einem Angriff im südlichen Libanon 

Libanon: Helferin berichtet von neuer Fluchtwelle und Angst

Die Lage im Libanon hat sich in den vergangenen Tagen weiter verschärft. Das berichtet die Wienerin Torossian-Brigasky, die als Helferin mit lokalen Behörden und Hilfsorganisationen die Versorgung der Vertriebenen im ostlibanesischen Ort Anjar unterstützt. Weitere Menschen wurden aus den umkämpften Gebieten vertrieben und erreichten das armenische Dorf in der Bekaa-Ebene.

Die Österreicherin Waltraud Torossian-Brigasky berichtet von einem neuem „Flüchtlingsstrom in Richtung Beirut“. Die Binnenvertriebenen kommen demnach aus den umkämpften Gebieten im Süden des Libanons. Besonders betroffen seien die Regionen um Nabatieh, Tyrus und Sidon. Dort würden die Kämpfe und Luftangriffe an Intensität zunehmen. Torossian-Brigasky sprach von schweren Bombardierungen und schilderte der österreichischen katholischen Agentur Kathpress eine wachsende Belastung der Zivilbevölkerung. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Dienstagabend vier Tote und 127 Verletzte bei einem Angriff nahe eines Krankenhauses in Tyrus, das dabei schwer beschädigt wurde.

Millionen Binnenvertriebene

Die militärische Lage hat sich zuletzt verändert. Die israelische Armee weitete ihren Einsatz im Südlibanon aus und überschritt nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu vergangenes Wochenende den Litani-Fluss. Große Gebiete südlich des Flusses wurden zur Kampfzone erklärt. Die Entwicklungen lösten eine neue Fluchtbewegung aus, wobei es nach Angaben österreichischer Hilfswerke inzwischen über 1,5 Millionen Menschen Binnenvertriebene allein durch die Kämpfe der letzten Monate gab.

„Der Flüchtlingszuwachs ist von der Regierung nicht mehr alleine zu bewältigen“


Bereits Ende Mai hatte sich das libanesische Sozialministerium mit einem Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gewandt. „Der Flüchtlingszuwachs ist von der Regierung nicht mehr alleine zu bewältigen“, so Torossian-Brigasky. Das gelte auch in Anjar, einem mehrheitlich von Armeniern bewohnten Ort in der Bekaa-Ebene. Dort werden neu ankommende Familien in Schulen, kirchlichen Einrichtungen und anderen Notquartieren untergebracht.

Versorgung der Vertriebenen

Obwohl die Sicherheitslage in Anjar selbst vergleichsweise ruhig sei, präge der Krieg den Alltag. „An die 24-stündige Drohnenüberwachung kann man sich nur schwer gewöhnen“, schrieb die Helferin. In der Nacht auf Montag hätten zwei heftige Explosionen in unmittelbarer Nähe Panik ausgelöst. „Alles hat gescheppert. Ich habe so etwas noch nie erlebt.“ Angst habe sie in diesem Moment dennoch nicht verspürt. Derzeit sei die Lage unklar, widersprüchliche Meldungen über einen eventuellen Waffenstillstand hätten zuletzt die Gerüchteküche angeheizt. Mit einer raschen Lösung des Konflikts rechne zwar niemand, dennoch gäben die Menschen die Hoffnung auf Frieden nicht auf, so die Wienerin.

„Alles hat gescheppert. Ich habe so etwas noch nie erlebt“

Gemeinsam mit lokalen Behörden und Hilfsorganisationen unterstützt Torossian-Brigasky die Versorgung der Vertriebenen. Am 2. Juni übergab sie nach eigenen Angaben Spendengelder in Höhe von 10.000 US-Dollar an vier Einrichtungen in Anjar, darunter medizinische Hilfsdienste, eine Kinderklinik, die Armenische Evangelische Kirche sowie die Gemeindeverwaltung. Die Mittel sollen für medizinische Versorgung, Unterbringung und soziale Unterstützung von Flüchtlingsfamilien verwendet werden. Die Not bleibe groß, betonte die Helferin. In den kommenden Tagen will sie mehrere Unterkünfte besuchen, darunter eine katholische Schule, in der zahlreiche Vertriebene untergebracht sind.

(kathpress – nm)

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03. Juni 2026, 13:59