Katholische Gläubige, darunter eine Mutter Teresa-Schwester, auf einem Friedhof in der Hauptstadt von Bangladesch Katholische Gläubige, darunter eine Mutter Teresa-Schwester, auf einem Friedhof in der Hauptstadt von Bangladesch  (ANSA)

Bangladesch: Katholiken setzen trotz Ausgrenzung auf Glaubenszeugnis

Die katholische Kirche in Bangladesch sieht sich trotz Armut, Auswanderung und gesellschaftlicher Benachteiligung als lebendige Glaubensgemeinschaft. Das betonte der Erzbischof von Dhaka Bejoy Nicephorus D'Cruze nach dem Ad-limina-Besuch der Bischöfe aus dem südostasiatischen Land bei Papst Leo XIV. in Rom.


Nach Angaben des Erzbischofs, der auch an der Spitze der lokalen Bischofskonferenz steht, leben in dem überwiegend muslimischen Land mit rund 170 Millionen Einwohnern etwa 433.000 Katholiken. Damit stellen sie nur rund 0,3 Prozent der Bevölkerung. Dennoch unterhält die Kirche ein weit verzweigtes Netz aus Schulen, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen. Mehr als 700 Bildungseinrichtungen enschließlich der katholischen Notre Dame-Universität in Dhaka stünden Menschen aller Religionsgemeinschaften offen. „Jedes Jahr besuchen Tausende muslimischer, hinduistischer, buddhistischer und christlicher Schüler und Studierende diese Einrichtungen, die zu den renommiertesten des Landes zählen“, bekräftigte der Erzbischof gegenüber dem vatikanischen Fidesdienst.

D'Cruze bezeichnete die wirtschaftliche Lage vieler Gläubiger als schwierig. Die meisten Katholiken gehörten indigenen Volksgruppen oder sozial benachteiligten Gemeinschaften an. Vor allem fehlende Arbeitsplätze führten dazu, dass viele junge Menschen das Land verlassen wollten. Dieses Problem müsse politisch angegangen werden.

Mit Blick auf die politische Entwicklung äußerte sich der Erzbischof vorsichtig optimistisch. Nach einer Phase der Instabilität gebe es unter Führung der Bangladesh Nationalist Party (BNP) und Tarique Rahman wieder eine stabile Regierung, mit der die katholische Ortskirche „positive Beziehungen“ pflege und Dialog führe.

Religionsfreiheit: Lage komplex

Die Religionsfreiheit bleibt jedoch ein komplexeres Thema in dem mehrheitlich muslimischen Land, erklärte der Erzbischof. „Die Regierung sagt, sie wolle uns nicht als ‚Minderheit‘, sondern als Bürger Bangladeschs definieren, und das ist ein positiver Ansatz“, so D'Cruze. „Dennoch gibt es weiterhin reale Formen der Diskriminierung zwischen muslimischen Bürgern und Angehörigen anderer Religionen. Die Verfassung garantiert allen gleiche Rechte, aber die soziale und politische Realität spiegelt dies nicht immer wider.“

„Deshalb handeln wir umsichtig, um sowohl unsere Seelsorge als auch das Leben unserer Gläubigen zu schützen“

Die Freiheit, das Evangelium öffentlich zu verkünden, sei weiterhin stark eingeschränkt. Bangladesch erlaube eine Evangelisierung nur innerhalb der Kirchengebäude, aber nicht außerhalb. „Deshalb handeln wir umsichtig, um sowohl unsere Seelsorge als auch das Leben unserer Gläubigen zu schützen.“

Die Beziehungen zu vielen muslimischen Religionsführern bezeichnete der Erzbischof als konstruktiv. „Es gibt Muslime, die uns helfen und unterstützen“, stellte D’Cruze klar. Zugleich seien auch fundamentalistische islamische Gruppen unterwegs, deren Propaganda mitunter zu Gewalt gegen Nichtmuslime wie Hindus und Christen führt.

Allerdings bestehe aufgrund der Bildungsarbeit der katholischen Kirche in Bangladesch ein gutes Verhältnis zu einflussreichen Persönlichkeiten im Land. „Viele Politiker, Amtsträger und muslimische Führungspersönlichkeiten, die unsere Schulen besucht haben, pflegen positive Beziehungen zur Kirche, hören sich unsere Anliegen an und stehen uns nahe. Das gibt uns Hoffnung.“

(fides – gs)

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26. Juni 2026, 15:15