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Osterfeier in der Kirche Notre-Dame in Damaskus (Syrien) am 5. April 2026. Osterfeier in der Kirche Notre-Dame in Damaskus (Syrien) am 5. April 2026. 

L’Œuvre d’Orient: Brückenbauer in einer zerbrechenden Welt

Seit fast zwei Jahrhunderten begleitet die Organisation L’Œuvre d’Orient die katholischen Ostkirchen in der festen Überzeugung, dass die christlichen Gemeinschaften wesentliche Akteure für den sozialen Zusammenhalt und den Frieden in Ländern sind, die von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Krisen erschüttert werden. Vom 9. bis 11. Mai lud L’Œuvre d’Orient anlässlich ihres 170. Jubiläums 150 Persönlichkeiten der orientalischen Christenheit nach Paris ein.

Ein besonders eindringliches Beispiel für diese Realität ist Syrien. Georges Sabé, ein Maristenbruder aus Aleppo, zeichnet ein ernüchterndes Bild der aktuellen Lage. „Wir haben enorm viel verloren“, erklärt er und schätzt, dass die christliche Gemeinschaft heute nur noch etwa zehn Prozent dessen ausmacht, was sie vor dem Krieg war. Obwohl die Region zu den historischen Kernlanden des Christentums gehört, sieht sich die Gemeinschaft mit einer alternden Bevölkerung konfrontiert. Junge Menschen und ganze Familien verlassen das Land und die gesamte Region mit der schmerzhaften Gewissheit, dass sie nicht zurückkehren werden.

Zum Nachhören - die Lage in Syrien

Der Kampf gegen die Abwanderung

Um diesen Exodus aufzuhalten, bedarf es laut Sabé mehr als nur guter Absichten. Er fordert ein gemeinsames christliches Projekt, das die Realität der Jugend in den Blick nimmt. Dies müsse auf einer genauen Analyse der verbliebenen Gläubigen basieren und konkrete gemeinsame Aktionen fördern, die von der Schaffung von Arbeitsplätzen über die medizinische Versorgung bis hin zur Sicherung der nationalen Zukunft reichen.

„Wir haben darum gekämpft, auf dieser Erde zu bleiben, und wir haben uns verpflichtet, mit der muslimischen Welt zusammenzuleben“, betont Sabé. Doch er warnt auch davor, dass diese Tradition des Miteinanders langsam verloren gehe, wenn keine neuen Perspektiven geschaffen werden.

Bildung als spirituelles Fundament

Neben der materiellen Unterstützung sieht Georges Sabé die wichtigste Aufgabe in der pastoralen und pädagogischen Arbeit. Es gehe darum, die Christen im Glauben zu stärken und sie zu lehren, ihr eigenes Leben angesichts der erlebten Schwierigkeiten durch das Evangelium zu deuten.

Ein zentrales Thema sei dabei die Mission inmitten der muslimischen Welt. „Es geht um die Frage der Offenheit gegenüber dem Anderen, der geteilten Nächstenliebe und des Dialogs im täglichen Erleben“, so Sabé. Ziel sei es, eine Zivilisation der Liebe und des Dienstes aufzubauen, unabhängig davon, ob die jungen Menschen in Syrien bleiben oder ihre Zukunft außerhalb der Landesgrenzen suchen.

Mehr als nur Freundschaft

Die Verbindung zwischen den Christen des Westens und des Orients, wie sie durch L’Œuvre d’Orient gepflegt wird, beschreibt Sabé nicht als reine Freundschaft, sondern als ein „evangeliumsgemäßes Band der Solidarität“. Es handele sich um eine tiefe Gemeinschaft zwischen den orientalischen Kirchen und der Kirche in Frankreich.

In seinen Augen geht das Engagement der Unterstützer weit über materielle Hilfe oder freundschaftliche Aufmerksamkeit hinaus. Es sei eine tiefe Verpflichtung, gemeinsam die Hoffnung in jener Region auszusäen, die als das Land gilt, das Jesus geliebt hat. „Ich danke ihnen dafür und sage ihnen zugleich: Wir säen weiter“, schließt Georges Sabé seine Ausführungen ab.

(vatican news - mg)

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12. Mai 2026, 10:33