Libanon: Trauer über den Abriss einer christlichen Schule
Der Schock kam plötzlich und heftig. „Es handelte sich nicht nur um eine Schule, sondern um ein Symbol, das tief im Leben der Menschen verwurzelt war. Die Schwestern hatten das Gefühl, dass nicht nur ein Gebäude eingestürzt war, sondern auch ein Teil ihrer Mission.“ Mutter Gladis Sabbagh, Generaloberin der Kongregation der Salvatorianerinnen Unserer Lieben Frau von der Verkündigung, hat auf ihrem Handy ein etwas unscharfes Foto gespeichert. In der Ferne zeigt es eine Silhouette, die wie ein israelischer Bagger aussieht, der gerade ein bereits teilweise verfallenes Gebäude abreißt: „Das ist unsere christliche Schule im Dorf Yaroun. Das Foto hat mir ein nahegelegener Bewohner geschickt...“.
Das Schicksal der Schule
Die Schule in Yaroun hieß Saint-George; sie war 1972 von den Salvatorianerinnen gegründet worden und hatte sich mit ihren 500 Schülern zu einem echten Bezugspunkt im gesamten Bezirk Bint Dschubail im Süden des Libanon entwickelt. „Sie hat dazu beigetragen, die Grundbildung in einer ressourcenarmen Region zu stärken, eine gemeinsame Identität unter den Einwohnern zu schaffen und sie zu einem Zentrum für soziale und kulturelle Aktivitäten zu machen“, erinnert sich die Ordensschwester gegenüber den vatikanischen Medien.
Im Laufe der Zeit hatte die Unsicherheit, die sich über die gesamte Region ausgebreitet hat, die Bevölkerung dazu veranlasst, in sicherere Gebiete zu fliehen. Somit war die Schule 2010 geschlossen worden. Doch keiner der Einwohner von Yaroun hätte sich jemals vorstellen können, dass sie von den Israelis mit Baggern endgültig abgerissen werden würde. „Es herrschte ein Gefühl des kollektiven Verlusts: Die Schule war die Erinnerung an die Kindheit, an eine ganze Generation. Wir empfanden nicht nur Trauer über den Verlust eines Gebäudes, sondern auch über die Bedeutung, die Identität und die Rolle, die diese Schule im Leben der Menschen eingenommen hatte.“
Geisterdörfer
Yaroun ist mittlerweile zu einem Geisterdorf geworden: Auf seinen verlassenen und gespenstischen Straßen scheinen sich nur noch die Bagger zu bewegen, berichten Zeugen aus der Umgebung. Die Schäden durch die israelischen Raketen, sagt Schwester Sabbagh, betrafen jedoch nicht nur die christliche Schule: „Sie betrafen Wohnhäuser, öffentliche Infrastruktur wie Straßen, Wasser- und Stromnetze, die vollständig zerstört wurden. Und dann religiöse und soziale Gebäude, die beschädigt wurden, wie Kirchen, Pfarrräume, Heiligtümer und Moscheen.“
Das gleiche Schicksal ereilte auch viele andere Dörfer im Süden, aus denen die Bevölkerung floh. Sie wollten Ziele erreichen, die noch nicht im Visier der Luftangriffe standen: vor allem den Norden von Beirut, Saida und Tyros. „Ein Teil dieser armen Menschen hat bei Verwandten oder in vom Staat zur Verfügung gestellten Einrichtungen Aufnahme gefunden.“
Bildung in Gefahr
Mutter Gladis Sabbagh sieht in den Bildern ihrer dem Erdboden gleichgemachten Schule eine tiefgreifende Metapher für den Krieg, der auch die Bildung trifft: „Konflikte betreffen nicht nur die Gegenwart, sondern verändern die Zukunft einer ganzen Generation. Der Schutz der Bildung in Kriegszeiten ist kein Luxus, sondern ein grundlegendes humanitäres Gebot, um sicherzustellen, dass Kinder nicht für etwas bezahlen müssen, das sie absolut nichts angeht.“
(vatican news – nm)
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