Kolumbien: Dramatischer Ausbruch bewaffneter Gewalt
Wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen sieht sich Kolumbien erneut mit der Bedrohung durch einen internen Aufstand und einen neuen, dramatischen Ausbruch bewaffneter Gewalt konfrontiert. Mindestens 50 Menschen sind bei Feuergefechten ums Leben gekommen. Die Zusammenstöße fanden zwischen zwei abtrünnigen Gruppen der ehemaligen Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) im Departamento Guaviare im Zentrum des südamerikanischen Landes statt.
Rückkehr zu den blutigsten Jahren
Die Ereignisse haben die Befürchtung vor einer Rückkehr zu den blutigsten Jahren des kolumbianischen Konflikts neu entfacht. Besonders kritisch sind die Unruhen mit Blick auf die bevorstehende, entscheidende Präsdientschaftswahl am 31. Mai. Die politische Lage ist ohnehin angespannt und es bestehen wachsende Sicherheitsbedenken. Laut lokalen Behörden handelt es sich um eine der schlimmsten Gewaltwellen des letzten Jahrzehnts.
Die Auseinandersetzungen sind das Ergebnis eines erbitterten Kampfes bewaffneter Gruppen um die Kontrolle über Guaviare, eine strategisch wichtige Region für Drogenhandel und illegalen Bergbau. Dieses Gebiet, bedeckt von ausgedehnten Amazonas-Regenwaldflächen und historisch eine Hochburg der Guerilla, ist erneut zum Brennpunkt eines Untergrundkrieges geworden. Diese Konflikte werden von Fraktionen geführt, die aus der Zersplitterung der ehemaligen FARC hervorgegangen sind. Dabei geht es um Kokainrouten, geheime Minen und die territoriale Kontrolle – eine Spirale der Gewalt, die zunehmend außer Kontrolle zu geraten scheint.
„Die Leichen liegen aufgestapelt da; sie müssen weggebracht werden“, erklärte Bürgermeister von San José del Guaviare, Willy Rodríguez. Er beschrieb eindringlich die Brutalität der Lage vor Ort. Die Welle der Gewalt wird als eine der schlimmsten der letzten zehn Jahre beschrieben. Er stellt einen schweren Schlag für den fragilen Friedensprozess dar, der nach dem 2016 zwischen Bogotá und der FARC unterzeichneten Abkommen eingeleitet wurde.
Die Wahl steht noch aus
Trotz der Unterzeichnung des Abkommens unterliegen viele Randgebiete Kolumbiens weiterhin keiner effektiven staatlichen Kontrolle. Dies ermöglicht es bewaffneten Gruppen, Drogenhändlern und kriminellen Banden, sich neu zu organisieren und ihre Macht zu festigen. Das Blutbad im Departamento Guaviare droht jedoch zum dramatischsten Symbol für ein Kolumbien zu werden, das nach wie vor zwischen unerfüllten Friedensversprechen, der Herrschaft des organisierten Verbrechens und weit verbreiteter Gewalt gefangen ist.
(vatican news – nm)
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