Australien: Kardinal Bo berichtet über „Multikrise“ in Myanmar
Nach dem Militärputsch vom Februar 2021 ist Myanmar nicht mehr zur Ruhe gekommen: Als Eskalation von Tragödien beschrieb Kardinal Charles Maung Bo die Lage in diesen Tagen bei der Vollversammlung der Australischen Bischofskonferenz. Putsch und Bürgerkrieg führten zum wirtschaftlichen Zusammenbruch und zur Massenflucht, Schulen und Gesundheitssysteme sind zerstört, außerdem setzte im März 2025 ein verheerendes Erdbeben der Bevölkerung zu
In Myanmar überlagerten sich verschiedene Krisen, führte der Erzbischof von Yangon am 8. Mai vor Australiens Bischöfen aus, die „Multikrise“ sei mittlerweile eine Art „Markenzeichen“ des Landes. Derzeit gebe es über 3,5 Millionen Vertriebene, immer mehr Zivilisten würden gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben. In weiten Teilen des Landes seien das Gesundheits- und Bildungssystem weitgehend zerstört. Außerdem stiegen die Preise rapide und Arbeitslosigkeit greife um sich. Die jahrelangen Konflikte, die Militärherrschaft und der wirtschaftliche Zusammenbruch hätten „Strukturen, die einst das tägliche Leben zusammenhielten, zerstört“.
Traumatisierte Generationen
Besonders besorgt zeigte sich der Kardinal über die Lage der Jugend in Myanmar, deren Alltag durch „Unsicherheit, psychischem Stress und Zukunftsangst“ geprägt sei. Es handele sich um eine Generation, die den Staatsstreich von 2021, die Unterdrückung, den bewaffneten Widerstand und nun eine vielschichtige humanitäre Notlage miterlebt habe. „Viele haben Jahre ihrer Ausbildung verloren. Viele haben miterlebt, wie ihre Familienangehörigen getötet, verhaftet oder zur Flucht gezwungen wurden. Die psychologischen Auswirkungen all dessen sind schwerwiegend und nachhaltig“, so Kardinal Bo.
Dankbar zeigte sich der Erzbischof von Yangon über die konkrete Hilfe des internationalen Missionswerkes der katholischen Kirche in Australien „Catholic Mission“. Diese Solidarität sei „keine abstrakte Idee“, sondern „ein Licht in der Dunkelheit und erinnert unser leidendes Volk daran, dass es von der Weltkirche nicht vergessen wurde“, so der Kardinal. Trotz aller Schwierigkeiten bekräftigte der Kirchenmann, dass Myanmars Kirche die Hoffnung nicht aufgebe: „Wir bleiben ein Volk der Hoffnung“.
Unterstützung aus den USA
Unterdessen habe auch das US-Außenministerium die Verfolgungen und Gewalttaten formell anerkannt, die die Militärjunta in Myanmar gegen Christen begangen hat, berichtete UCA News. Zudem würden konkrete Empfehlungen einer Koalition christlicher Führungskräfte und Organisationen geprüft, um den Schutz der Gläubigen in dem Land zu fördern. Das Burma Research Institute (BRI) hatte zuvor eine Dokumentation über Angriffe der Armee auf Christen in ganz Myanmar eingereicht. Die USA verhängen etwa Visabeschränkungen und finanzielle Sanktionen gegen diejenigen, die für Menschenrechtsverletzungen in Myanmar verantwortlich sind.
Allein im Bundesstaat Chin wurden laut Angaben der „Chin Human Rights Organization“ seit dem Staatsstreich von 2021 mindestens 107 religiöse Gebäude, darunter 67 Kirchen, durch militärische Luftangriffe zerstört. Es handelt sich um den einzigen mehrheitlich christlichen Bundesstaat in ganz Myanmar.
(ucan – pr)
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