Christliche Kirchen in Indien: Gemeinsam gegen die Christenverfolgung
Kirchenführer verschiedener Konfessionen haben die Nationale Kirchenvereinigung Indiens (NFCI) ins Leben gerufen. Grund der Vereinigung sei das Vorgehen gegen die zunehmende Christenverfolgung im ganzen Land. Der Verband wurde auf dem vierten nationalen Treffen der Ökumenischen Bischofsgemeinschaft in Bengaluru, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaates Karnataka, gegründet.
Insgesamt nahmen fünfundvierzig Bischöfe, Kirchenoberhäupter und Delegierte aus den katholischen, protestantischen, evangelikalen und anderen christlichen Konfessionen an diesem Treffen teil. Kardinal Anthony Poola aus Hyderabad, der Präsident der Katholischen Bischofskonferenz Indiens (CBCI), wird den Vorsitz der neu gegründeten NFCI übernehmen.
„Der Verband ist das erste ökumenische Forum seiner Art in Indien, das sich gegen die eskalierende Verfolgung von Christen einsetzt“, erklärte Erzbischof Joseph D’Souza am 10. Mai gegenüber UCA News.
Angriffe auf Christen
In Indien leben etwa 28 Millionen Christen, was etwa 2,3 Prozent der Bevölkerung entspricht. Christliche Gruppen äußern allerdings ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Angriffe auf die Gemeinschaft. Die Verfolgung habe seit 2014 zugenommen, als Narendra Modi, der der pro-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) angehört, Premierminister wurde.
Nach Angaben des United Christian Forum (UCF) kommt es durchschnittlich zu mindestens zwei Angriffen auf Christen pro Tag, darunter körperliche Gewalt, Mord, Drohungen, Beschädigung religiösen Eigentums oder Störung von Gottesdiensten. Dazu wurde eine Datenanalyse von registrierten Vorfällen von Gewalt gegen Christen verwendet. Aus dieser geht unter anderem hervor, dass bis November 2025 etwa 706 Vorfälle dokumentiert worden seien, wobei die Zahl für das gesamte Jahr auf fast 900 geschätzt werde, so das UCF.
Die ökumenische Inititative
Erzbischof D’Souza sagte, es sei höchste Zeit, alle Kirchen in Indien im Rahmen einer solchen ökumenischen Initiative der CBCI zusammenzubringen. „Wir können nicht einfach nur dasitzen und beten“, sagte er. In einer Erklärung der CBCI hieß es, der Verband sei „als nationale ökumenische Einrichtung und Dachorganisation konzipiert worden, die Kirchen in ganz Indien vertritt“.
Pater Antony Raj Thumma, nationaler Sekretär des CBCI-Büros für Dialog und Ökumene, erklärte, dass es zwar einige Foren auf nationaler Ebene gebe, es jedoch bisher keine gesammelte Plattform gebe, die alle Bischöfe und Kirchenoberhäupter in Indien zusammenbringe.
„Der Verband soll ein einheitliches Gesicht des Christentums präsentieren, als einheitliche Stimme der Gemeinschaft fungieren und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedskirchen fördern, wobei deren individuelle Identitäten, Traditionen und Strukturen respektiert werden“, so der Priester.
(ucanews – nm)
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