Demokratische Republik Kongo: Gesundheitskrise in Süd-Kivu
Dringender Handlungsbedarf besteht laut „Ärzte ohne Grenzen“ beim Zugang zu medizinischer Versorgung in der Provinz Süd-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Das Umfeld vor Ort ist von einem langwierigen Konflikt und dem Wegbrechen internationaler Hilfsgelder geprägt.
Mangel in Erstversorgungszentren
Der Mangel an Medikamenten, Impfstoffen und Lebensmitteln betrifft mittlerweile den Großteil der Provinz. Gleichzeitig besteht ein hohes Epidemierisiko in Bezug auf Masern, Pocken und Cholera. Im Jahr 2025 waren Masernimpfstoffe mehrere Monate lang nicht verfügbar, obwohl in 24 der 34 Gesundheitszonen aktive Ausbrüche herrschten.
„Aufgrund von Sicherheits- und Logistikproblemen funktionieren die nationalen Gesundheitsprogramme in vielen Gebieten nicht effektiv. Den Erstversorgungszentren fehlt es an lebenswichtigen Medikamenten, der Bedarf wird nicht gedeckt“, so Issa Moussa, Landeskoordinator in Süd-Kivu.
Zusammenbruch des Gesundheitssystems
Das Einstellen der Finanzmittel der Weltbank im Rahmen des Multisektoralen Ernährungs- und Gesundheitsprojekts (PMNS) hat unmittelbare Auswirkungen auf den Zugang zu grundlegender medizinischer Versorgung. Dies gilt insbesondere für Schwangere und Neugeborene: Das allgemeine Krankenhaus von Minova hat neue Gebühren für die Geburtshilfe und Neugeborenenversorgung eingeführt.
Die Folgen sind besorgniserregend. Frauen, die die Kosten nicht aufbringen können, bleiben mehrere Tage oder Wochen im Krankenhaus, bis sie ihre Rechnungen begleichen können. Andere verzichten ganz auf eine medizinische Versorgung und entscheiden sich für eine risikoreiche Hausgeburt. Auch die anhaltende Unterernährung und das extreme Ausmaß an sexueller Gewalt sind alamierend.
„Wir sind verzweifelt […] und haben keine Hoffnung mehr. Ich kann einfach nicht bezahlen“, sagt eine Patientin im Krankenhaus von Minova.
Die Hilfe von „Ärzte ohne Grenzen“
Seit Anfang 2024 sind Teams in der Region im Einsatz und hatten für Anfang 2026 eine Verlegung auf das Numbi-Hochland geplant. Angesichts der sich verschlechternden Lage wurde beschlossen, das Krankenhaus von Minova weiterhin zu unterstützen, um eine plötzliche Unterbrechung der Versorgung zu vermeiden.
„Wir können jedoch nicht dauerhaft die Gesundheitsbehörden, humanitäre Partner oder Entwicklungspartner ersetzen. Ohne rasche finanzielle und operative Hilfen wird die grundlegenden Gesundheitsversorgung zusammenbrechen. Das wird sich ganz konkret auf die Mütter- und Kindersterblichkeit in Süd-Kivu auswirken“, führt Issa Moussa weiter aus.
(pm - nm)
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