Chile: Bischöfe warnen vor Hassrede und Spaltung in der Politik
Besonders scharf kritisieren die Bischöfe den Ton in der politischen Debatte. Für die Bürger und vor allem für junge Menschen sei es „schmerzhaft und skandalös“, führende Persönlichkeiten Chiles in dauernden Streitigkeiten, persönlichen Herabsetzungen und sogar vulgärer Sprache zu erleben. Wer das Niveau der öffentlichen Debatte herabsetze, schade nicht nur sich selbst, sondern auch den demokratischen Institutionen.
Auch vor gezielten Falschinformationen durch Politiker und Politikerinnen warnten die Bischöfe: „Jedes öffentliche Amt sollte ein Dienst sein, der der Wahrheit dient.“ Kein Land könne sich authentisch entwickeln, wenn das zivile Zusammenleben durch ständige Konflikte und Feindseligkeit ausgehöhlt werde. Papst Leo XIV. habe in seiner Rede an die Diplomatie daran erinnert, dass der Frieden zwischen den Nationen und innerhalb derselben eine „Rückkehr zur Sprache der Vernunft, des Rechts und der Wahrheit“ erfordere.
Politik müsse dem Gemeinwohl dienen und brauche deshalb eine „höhere Ethik des Dialogs“. Die Suche nach Konsens sei kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck politischer Reife und Liebe zum Land, unterstrich das Bischofsgremium.
Neuer Präsident Kast: Politiker der harten Hand
Chile leidet seit Jahren unter einer starken politischen Polarisierung. Nach den sozialen Massenprotesten von 2019 scheiterten zwei Verfassungsreformen, während das Vertrauen in Parteien und Institutionen weiter sank. Zugleich wächst die Sorge über organisierte Kriminalität und Gewalt im öffentlichen Raum.
Der neue Präsident José Antonio Kast, der sein Amt im März antrat, hatte die Wahlen mit dem Versprechen gewonnen, entschieden gegen Migration und Kriminalität vorzugehen und die Probleme von Recht und Ordnung zu lösen. Seine Sparpolitik im Bildungsbereich löste derzeit anhaltende Studentendemonstrationen aus, die sich auch gegen die steigenden Lebenshaltungskosten richten. Die deutsche „Stiftung Wissenschaft und Politik“ ordnet Kast der globalen radikalen Rechten zu. Er gehört überdies der Schönstatt-Bewegung an.
Die Erklärung des Ständigen Rats der Bischofskonferenz endet mit einem Gebetsaufruf für Frieden und Zusammenhalt in Chile. Unterzeichnet wurde sie vom Vorsitzenden der chilenischen Bischofskonferenz, Erzbischof René Rebolledo Salinas, sowie weiteren vier Mitgliedern des Ständigen Rats, darunter Kardinal Fernando Chomali Garib, Erzbischof von Santiago.
(pm – gs)
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