Sri Lanka: Inselkirche nach Minenräumung wieder zugänglich
Francesca Merlo und Birgit Pottler
Der 4. April ist weltweit der Aufklärung über die Minengefahr und die Unterstützung von Minenräummaßnahmen gewidmet. Die Geschichte der Insel zeigt, welche Folgen nicht explodierte Munition hinterlassen hat, und wie aufwendig es ist, Land wieder sicher und nutzbar zu machen.
Am 14. März 2026 erreichten rund 150 Menschen mit Booten die Insel Puvaransanthivu in der Jaffna-Lagune. Ihr Ziel war die Kirche Unserer Lieben Frau von Velankanni, die seit Jahren nicht sicher zugänglich war. „Es war eine sehr emotionale Szene“, sagt Pfarrer Jero Selvanayagam, der die Messe feierte. „Menschen aus den Küstengebieten kamen mit ihren Familien. Normalerweise gehen die Männer allein zum Fischen, aber dieses Mal kamen die Familien gemeinsam.“
Vom Alltag zur Sperrzone
Vor dem Bürgerkrieg gehörte die Insel zum Alltag der Küstengemeinden. Fischer nutzten sie als Rastplatz und errichteten dort in den 1970er Jahren eine kleine Kirche. „Sie wurde als Schutzraum für die Fischer genutzt und auch als Ort des Gottesdienstes“, erklärt Matthieu Guillier vom HALO Trust.
Während des Krieges wurde die Insel strategisch wichtig. Minen wurden gelegt, der Zugang blockiert. „Am Ende des Krieges war Sri Lanka praktisch mit Minen übersät“, so Guillier. Neben Minen gebe es auch Bomben, Granaten, Mörser und improvisierte Sprengsätze, deren Zustand oft unklar sei.
„Solange ihr Land kontaminiert ist, können sie sich nicht wieder ansiedeln“, sagt Guillier. Dennoch nutzten Fischer die Insel weiter – im Wissen um das Risiko.
Pfarrer Selvanayagam erinnert sich an zahlreiche Opfer. „Ich habe persönlich an vielen Beerdigungen teilgenommen“, sagt er. Ein Gemeindemitglied habe nach dem Krieg beim Betreten der Insel betreten ein Bein verloren.
Räumung unter schwierigen Bedingungen
Die Minen waren gezielt so gelegt worden, dass eine Landung auf der Insel verhindert wurde. Die Teams arbeiteten zunächst von Booten aus kartierten die Küstenlinie, bevor schrittweise sichere Zugänge geschaffen werden konnten. HALO setzte auch lokale Kräfte ein. „Jedes lokale Teammitglied wurde durch den Krieg vertrieben“, erklärt Guillier.
Die Räumung erfolgte unter schwierigen Bedingungen: Überschwemmungen, Salzwasser, das die Geräte beeinträchtigt, dichte Vegetation sowie giftige Pflanzen und Tiere erschwerten die Arbeit. „Es ist äußerst schwierig“, sagt Guillier. Gleichzeitig schafft die Räumung die Grundlage dafür, dass Menschen zurückkehren und ihren Lebensunterhalt wieder aufbauen können.
Rückkehr und Bedeutung für die Gemeinden
Viele nahmen die beschwerliche Reise zum Patronatsfest bewusst auf sich. „Diese Feste sind Fastenpilgerfahrten“, sagt Pfarrer Selvanayagam. „Die Menschen verlassen ihre Häuser, reisen übers Meer und nehmen schwierige Bedingungen auf sich … es ist eine Form von Opfer und Hingabe.“
Nach Jahren der Gefahr sei die Insel kurz vor Ostern wieder ein Ort des Gebets. „Sie fühlen, dass keine Gefahr mehr besteht“, so der Pfarrer. Die Räumung stelle nicht nur Sicherheit her, sondern ermögliche auch die Rückkehr zu Lebensgrundlagen und zu Orten mit sozialer und religiöser Bedeutung. Minen seien „Erinnerungen an vergangene Traumata, Feindschaften und Hass“, sagt Guillier. Ihre Beseitigung helfe, „diese Vergangenheit hinter sich zu lassen“.
Hoffnung und offene Fragen
Während Ostern näher rückt, erinnert Sri Lanka zugleich an die Anschläge von 2019. „Es gibt noch keine vollständige Aufarbeitung“, sagt Selvanayagam. Viele warteten weiterhin auf Gerechtigkeit. Der Heilungsprozess betreffe auch die Opfer des Bürgerkriegs, darunter Menschen, die in Kirchen Zuflucht gesucht hatten.
Dennoch bleibt Hoffnung. „Wir sind nicht ohne Hoffnung. Gott verlässt sein Volk niemals“, sagt der Pfarrer. Die Fastenzeit und die Karwoche helfen den Menschen, „gegen die Hoffnungslosigkeit zu hoffen“.
(vatican news)
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