Priesterausbilder: Seminare tun sich schwer, „das 20. Jahrhundert zu verlassen“
Rui Saraiva – Portugal
Bei einer Neuausrichtung der Ausbildung gehe es nicht nur um eine - schon in der Vergangenheit genutze - Präsenz von Frauen im Ausbildungsverlauf, sondern um echte Integration: „Was wir brauchen, ist nicht nur, Frauen einzubringen oder über die Rolle der Frauen im Ausbildungsprozess der Seminaristen nachzudenken - sondern welche Relevanz es hat, sie auf der ersten Ebene der Ausbildung zu haben und nicht in einem Anhang oder auf einer zweiten Ebene der Ausbildung.“
Ausgangspunkt seiner Überlegungen war der Bericht der aus der Synode ausgelagerte Studiengruppe Nr. 4, welche die „Ratio Fundamentalis Sacerdotalis“ aus synodaler Perspektive überprüfte und eine stärkere Beteiligung von Frauen in der Ausbildung in den Seminaren vorschlägt. Er halte das Dokument für sehr gelungen, so Santos: „Es stellt die Frage an den richtigen Ort, nämlich in die Welt der Beziehungen, und setzt den Fokus an den richtigen Platz, nämlich auf die Mission."
Als weiteren zentralen Punkt identifiziert Santos die Bedeutung der Gemeinschaft. Er unterstreicht, dass „Priester in der Gemeinschaft entstehen und sich darauf vorbereiten, der Gemeinschaft zu dienen“, und warnt davor, diese Dimension zu vernachlässigen: „Immer dann, wenn wir die Gemeinschaft aus der Ausbildung ausschließen, verlieren wir eine entscheidende Dimension der Formung.“ Diese Verbindung sei für beide Seiten bereichernd und unverzichtbar.
Keine Supermenschen
Besonders kritisch sieht er in diesem Zusammenhang das traditionelle Rollenbild des Priesters, das häufig mit übersteigerten Erwartungen verbunden sei: „Oft werden wir so ausgebildet, als müsse der Priester alles können, alles wissen, immer stark sein, immer eine Antwort haben – eine Art Supermensch. Doch genau dieses Bild ist der Anfang der Selbstzerstörung.“ Eine Selbstzerstörung, die in extremen Fällen auch in Suizid münden könne, gibt der Rektor zu bedenken. Stattdessen brauche es eine Ausbildung, die auch den Umgang mit Grenzen, Scheitern und Hilfsbedürftigkeit einschließe: „Wir müssen lernen zu sagen: Ich kann das nicht, ich brauche Hilfe – und diese inneren Warnsignale ernst zu nehmen.“
Im Kern gehe es um eine Verschiebung des Fokus innerhalb der Kirche: weg von Macht und Funktion, hin zu Beziehung und gemeinsamer Mission - ein Aspekt, der in dem Dokument der Studiengruppe gut herausgearbeitet worden sei: „Die Frage darf nicht Macht oder Rolle sein, sondern Mission und Dienst – und die Stärke, die daraus entsteht, dass wir eine gemeinsame Aufgabe teilen.“ In diesem Zusammenhang hebt er auch die Bedeutung von Zusammenarbeit hervor: „Ich habe gelernt, dass ich immer ärmer bin, wenn ich versuche, alles allein zu machen.“
Engagement sollte Erfüllung bringen
Abschließend betont er die Bedeutung von Netzwerken und Gemeinschaft für die Zukunft: „Die große Frage ist, ob wir ein Netzwerk haben oder nicht. Wenn wir es haben, bekommt alles andere – auch Tiefe und Spiritualität – eine neue Bedeutung.“ Gleichzeitig erinnert er daran, dass Engagement nicht nur Last sein dürfe, sondern auch Erfüllung bringen sollte: „Am Ende des Tages müde und glücklich zu sein, ist etwas völlig anderes, als frustriert zu sein.“
Initiave des Synodalen Netwerkes Red Sinodal
Nuno Santos war zu Gast bei der 12. Folge der Podcast-Initiative des Synodalen Netzwerks in Portugal, die den Titel „Im Herzen der Hoffnung“ trägt. An der innovativen Kommunikationspartnerschaft sind Diário do Minho, Voz Portucalense, Correio do Vouga, Correio de Coimbra, A Guarda, 7Margens, das Weltweite Gebetsnetzwerk des Papstes und Folha do Domingo beteiligt.
(vatican news - cs)
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