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Kamerun: Hoffnung auf Frieden in einem gespaltenen Land

Kamerun empfängt Papst Leo XIV. in einer angespannten Lage zwischen wirtschaftlicher Krise, politischen Spannungen und anhaltender Gewalt. Missionare und Seelsorger vor Ort erwarten von seinem Besuch konkrete Impulse für Frieden, Dialog und nationale Versöhnung – besonders in den von Konflikten geprägten Regionen.

Francesca Sabatinelli – Yaoundé

Ein junges Land, reich an Traditionen und Kulturen, geprägt von einem starken Gemeinschaftssinn – und zugleich gezeichnet von einer schweren wirtschaftlichen Krise, politischer Instabilität und Gewalt: Seit Jahren dauern die Kämpfe zwischen Armee und anglophonen Separatistengruppen im Nordwesten und Südwesten an; im Norden terrorisieren Angriffe von Boko Haram die Bevölkerung.

Warten auf Leo XIV.
Warten auf Leo XIV.

Kamerun will sich dennoch als „Akteur des Friedens“ zeigen, fähig zu „Glauben und Versöhnung der Herzen“, die „Nationen heilen“ können. So lauten die Botschaften auf den Willkommensplakaten in der Hauptstadt Yaoundé, die Leo XIV. bei seiner Ankunft aus Algerien begrüßen – als Zeichen des Willens, Spaltungen zu überwinden. Ein Wunsch, der das ganze Land verbindet, denn Kamerun sei, wie viele betonen, „ein einziges Volk“.  Für das Land ist es nach den Reisen von Johannes Paul II. (1985 und 1995) und Benedikt XVI. (2009) der vierte Papstbesuch.

Begegnung mit einem jungen Land

„Der Papst trifft auf die Jugend, die nach einem Weg sucht“, sagt Pater Luca Galimberti, Missionar der Päpstlichen Missionswerke (PIME) in Yaoundé. An die Begegnung mit dem Pontifex knüpften sich viele Erwartungen und Hoffnungen – aber auch die Schwierigkeiten vieler junger Menschen, die kaum Chancen auf Arbeit haben und oft davon träumen, das Land zu verlassen, spielten ein Rolle.

Plakate in der Hauptstadt Yaoundé
Plakate in der Hauptstadt Yaoundé

Die Lage wird zusätzlich durch rund 500.000 Flüchtlinge und Asylsuchende aus Nachbarländern wie dem Sudan oder der Demokratischen Republik Kongo belastet. Auch Tribalismus, Unsicherheit und Zukunftsängste schürten Spannungen und förderten Kräfte, die zu neuer Spaltung führen können: „Jeder kämpft um das eigene Überleben“, so Galimberti.

Ein Weckruf

Der Besuch des Papstes sei besonders für jene wichtig, die sich verlassen fühlten: für die Kinder des Waisenhauses Ngul Zamba in Yaoundé oder die Patienten des katholischen Krankenhauses Saint Paul in Douala. „Er wird ihnen Hoffnung und Freude bringen“, erklärt Pater Charles Marie Houngbo, Franziskaner der Immakulata, und Bischofsvikar in der Erzdiözese Douala.

„Die Zukunft erscheint noch nicht einmal am Horizont“

Der Besuch Leos an diesen Orten sei „ein Weckruf", der die Verantwortlichen – ob zivil oder religiös – dazu bringen solle, sich mehr um die das Wohl der leidenden Menschen zu kümmern. Die Präsidentschaftswahlen im vergangenen Oktober, die Präsident Paul Biya eine achte Amtszeit sicherten, haben erhebliche Spannungen ausgelöst, da viele Erwartungen unerfüllt blieben. Proteste, die zwar nicht in bewaffnete Aktionen mündeten, wurden dennoch hart unterdrückt.

Zurück blieb Enttäuschung, ergänzt auch Galimberti: „Es gab große Erwartungen an die Zukunft, die jedoch nicht einmal am Horizont erscheint. Die Projekte überzeugen nicht, die Menschen sind desillusioniert – und das nährt Spannungen.“ Umso dringlicher sei ein Weg zu jenem „so sehr ersehnten Frieden“.

Kirche steht für Einheit

Die junge katholische Kirche des Landes, deren Mission 1890 mit den deutschen Pallottinern begann, gilt heute als tragende Säule der Gesellschaft. Sie fördert den Dialog zwischen den verschiedenen kirchlichen Provinzen, wirkt als wichtiger sozialer Vermittler und unterstützt entschlossen jene, die unter der Gewalt der inneren Konflikte leiden.

In einer Kirche
In einer Kirche

Zugleich wächst sie stark und begleitet die zunehmende Zahl von Gläubigen auf ihrem Weg der Suche nach sozialer Gerechtigkeit und stabilen staatlichen Strukturen. Während des Besuchs von Leo XIV. wird die Kirche dem Papst ihre wichtige Arbeit für die Einheit zeigen – sichtbar etwa in der Begegnung mit Gläubigen unterschiedlicher Sprache und ethnischer Zugehörigkeit, die „mit derselben Freude, mit Respekt und Verständnis“ zusammenkommen werden.

Die Stationen von Leo XIV.

Leo XIV. wird, anders als seine Vorgänger, drei Städte besuchen: neben der Hauptstadt Yaoundé auch Douala, den wichtigsten Hafen am Golf von Guinea, sowie Bamenda. Die Region im Nordwesten ist von Gewalt geprägt und Zetrum des Konflikts zwischen Regierungstruppen und separatistischen Gruppen, die gegen eine als marginalisierend empfundene Politik der frankophonen Zentralregierung kämpfen.

Die Worte des Papstes könnten dort „eine starke Wirkung entfalten“, hofft der PIME-Missionar. Seine Präsenz sei „ein Segen“ an einem Ort, an dem Leid und Spannungen sichtbar sind – und könnte den Dialog neu beleben. Viele hoffen, dass der Papst zur Stimme der Vergessenen wird und dazu beiträgt, eine gemeinsame Identität jenseits politischer und ethnischer Spaltungen wiederzuentdecken.

Die Kathedrale in Yaoundé
Die Kathedrale in Yaoundé

Appell an die Jugend

Der Aufruf des Papstes werde sich besonders an junge Menschen richten, sagt Pater Charles Marie Houngbo – an jene, „die Waffen in der Hand halten“, mit der Bitte, sie niederzulegen und andere Wege zur Lösung der Konflikte zu suchen.

Zugleich sei es ein Appell an alle, zu beten, aber auch den Dialog zu suchen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen: „Wir hoffen, dass seine Botschaft bleibt und dazu beiträgt, dass alle verstehen, dass Veränderung notwendig ist – für ein neues Leben aller Kameruner.“

Ein schwieriger Weg

In den von Gewalt betroffenen Regionen prägt Unsicherheit den Alltag. Auch hier spielt die Kirche eine wichtige Rolle als Vermittlerin von Versöhnung und Zusammenhalt.

„Wir warten auf neues Leben für alle Kameruner“

Sie hat sich etwa vor den Wahlen für eine stärkere Beteiligung eingesetzt und die Bedeutung des Wahlrechts als Instrument des Wandels betont. „Die Kirche – so Galimberti – war stets eine Quelle der Orientierung und Bewusstseinsbildung, damit sich Menschlichkeit in jener Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit zeigt, die alle einfordern.“ Dennoch bleibe der Weg schwierig: Die Zukunft des Landes hängt nicht allein von der Kirche ab, sondern auch von internationalen Entwicklungen und den Auswirkungen globaler Konflikte. Durch steigende Militärausgaben fehlen im Alltag dringend benötigte Mittel.

Kirchliche Mitarbeitende
Kirchliche Mitarbeitende   (© Lusofonias)

Ein Zeugnis der Nächstenliebe

Die Auswirkungen internationaler Krisen sind auch in Kamerun deutlich spürbar. Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit haben zahlreiche Hilfsprojekte zum Erliegen gebracht.

Umso wichtiger bleibe die Rolle der Kirche, die im Land fest verankert und Teil des Volkes sei: „eine Kirche,, die Jesus bezeugt und die Kraft seines Evangeliums lebt, die Beziehungen verändert und innere Freiheit schenkt“, unterstreicht Gamberti. Vom Papstbesuch erhoffe sie „Gelegenheit zum Austausch und Bestärkung im Dienst“. 

Der Text wurde von Birgit Pottler überarbeitet.

(vatican news)

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15. April 2026, 09:20