Haiti: Osterfest zwischen Bandengewalt und der Hoffnung
Federico Piana und Mario Galgano - Vatikanstadt
Pater Massimo Miraglio, ein kamillianischer Missionar, der in der bergigen Region Grand'Anse tätig ist, beschreibt Haiti als ein zweigeteiltes Land. Während im sogenannten „Großen Süden“ die kirchlichen Aktivitäten weitgehend normal verlaufen, sind der Norden, das Zentrum und die Hauptstadt Schauplatz extremer Instabilität. Erst vor kurzem wurde ein Priester entführt und nach einer Woche wieder freigelassen.
Trotz der Gefahr nehmen viele Gläubige an den Feierlichkeiten teil. Pater Miraglio erklärt:
„Für den Volksglauben ist der Karfreitag, der Moment, in dem Jesus am Kreuz stirbt, der Höhepunkt, weil er auch die Erfahrung des Schmerzes darstellt, den das Volk jeden Tag durchlebt.“
Das Leiden werde so zu einem „notwendigen Durchgang“, um auf eine nationale Auferstehung zu hoffen, die für viele Haitianer schlicht in der Rückkehr zu einem geregelten Alltag besteht.
Gefühl der Isolation
Ein zentraler Aspekt der aktuellen Krise ist laut Miraglio das Empfinden der sozialen und internationalen Isolation. Viele Menschen fühlten sich von der Weltgemeinschaft und den USA verlassen.
„Die Einsamkeit ist das schlimmste Gefühl. Ostern wird daher zum Anlass, sich daran zu erinnern, dass Gott sie nicht vergisst. Die internationale Gemeinschaft mag es tun, aber Gott nicht.“
Expansion der Banden und humanitäre Folgen
Die kriminellen Gruppen dehnen ihren Einfluss zunehmend auf ländliche Gebiete aus. Die Zahl der Rekruten, zumeist junge Männer, steige kontinuierlich. Dies zwingt die Landbevölkerung, ihre Felder zu verlassen und in den Süden zu fliehen. In den entstehenden Lagern für Binnenvertriebene fehle es an grundlegender Versorgung und medizinischer Infrastruktur.
In der Hauptstadt Port-au-Prince kontrollieren die Banden schätzungsweise über 80 Prozent des Stadtgebiets. Sie beeinflussen dort das soziale Leben zulasten öffentlicher Ämter, Schulen und Krankenhäuser, deren Versorgung mit Medikamenten kaum noch gewährleistet werden kann.
Politische Ungewissheit vor den Wahlen 2026
Die Sicherheitslage gefährdet auch den demokratischen Prozess. Noch in diesem Jahr sollen in Haiti Wahlen stattfinden, um das Amt des Präsidenten sowie das Parlament und lokale Behörden neu zu besetzen.
Pater Miraglio äußert Bedenken hinsichtlich der Durchführung: Mit 320 registrierten Parteien zeige sich ein Bild politischer Zersplitterung. Zudem stelle die Kontrolle der Banden über weite Landesteile die Legitimität der Wahlen infrage, da viele Bürger ihre Stimme nicht sicher abgeben könnten. Dennoch betont der Missionar die Notwendigkeit dieses Schrittes: Haiti müsse seine demokratische Dimension zurückgewinnen, um die Ursachen des täglichen Leidens langfristig bekämpfen zu können.
(vatican news)
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