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Folgen eines israelisch-amerikanischen Angriffs auf eine Polizeistation in Teheran Folgen eines israelisch-amerikanischen Angriffs auf eine Polizeistation in Teheran  (KHAHI)

USA: Kardinal Cupich mahnt zur moralischen Verantwortung

In einem ausführlichen Interview mit den vatikanischen Medien hat der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase Cupich, eindringlich vor einer weiteren militärischen Eskalation im Nahen Osten gewarnt. Angesichts der jüngsten gegenseitigen Schläge zwischen den USA, Israel und dem Iran betonte Cupich, dass Gewalt eine Eigendynamik entwickle, die „sehr schnell außer Kontrolle“ geraten könne.

Deborah Castellano Lubov und Mario Galgano - Vatikanstadt

Der Kardinal reagierte damit auf die dramatischen Ereignisse vom vergangenen Wochenende, als iranische Vergeltungsschläge zahlreiche Städte in der Golfregion trafen. Papst Leo XIV. hatte bereits am Sonntag beim Angelus-Gebet von der Gefahr einer „Tragödie von enormen Ausmaßen“ gesprochen. Cupich sieht die Rolle des Papstes darin, die Welt an den schwindenden Konsens über Menschenrechte und die Souveränität von Nationen zu erinnern.

Zum Nachhören - was der Kardinal sagte

Die Lehren der Geschichte

Cupich zog eine historische Parallele zum Ersten Weltkrieg, der mit einem Attentat in Sarajevo begann und in einen jahrelangen Konflikt mit Millionen Toten mündete. „Wenn man diese Tür erst einmal öffnet, ist es sehr schwer, sie wieder zu schließen“, so der Kardinal. Er stellte die Legitimität militärischer Angriffe gegen souveräne Staaten infrage, sofern keine unmittelbare Bedrohung vorliege.

„Wenn man diese Tür erst einmal öffnet, ist es sehr schwer, sie wieder zu schließen.“

Zusammen mit den US-Kardinälen Tobin und McElroy hatte Cupich bereits zuvor die US-Außenpolitik kritisiert und eine stärkere Orientierung an Frieden, Menschenwürde und Religionsfreiheit gefordert. Er warnte davor, dass Wahrheit in der heutigen Politik oft zur bloßen Meinung reduziert werde – ein „Relativismus“, dem der Heilige Stuhl durch faktengestützte Diplomatie entgegenwirken müsse.

Polarisierung und Migration in den USA

Auch zur innenpolitischen Lage in den USA äußerte sich der Erzbischof kritisch. Besonders die Migrationspolitik sei ein Feld, auf dem die menschliche Würde oft missachtet werde. „Menschenwürde wird verletzt, wenn man Familien auseinanderreißt oder Menschen durch eine Sprache entmenschlicht“, erklärte Cupich. Die Kirche lehne „wahllose Massendeportationen“ ab und fordere stattdessen eine umfassende Reform der Einwanderungsgesetze.

Dabei betonte er, dass das Recht eines Staates auf sichere Grenzen und der Schutz der Rechte von Einzelpersonen keine Gegensätze seien: „Diese beiden können zusammengehalten werden. Sie sind nicht gegensätzlich, sondern bilden eine Einheit.“

Hoffnungsträger „Papst aus Chicago“

Ein Jahr nach der Wahl von Papst Leo XIV., dem ersten Papst aus der „Windy City“ Chicago, zog Cupich eine positive Bilanz für seine Diözese. Die Herkunft des Papstes aus einer Kultur harter Arbeit und internationaler Vielfalt habe in Chicago großen Stolz ausgelöst.

Besonders bemerkenswert sei der Effekt auf die junge Generation: Cupich berichtete von einem 20-prozentigen Anstieg bei jungen Menschen zwischen 20 und 35 Jahren, die in die Kirche eintreten wollen. „Etwas regt sich in den Menschen“, so der Kardinal. „Es ist der Heilige Geist, aber ich denke, es ist auch die Wahl des Heiligen Vaters.“

Das Evangelium als Kompass

Für die Zukunft mahnte Cupich Katholiken weltweit, sich nicht von parteipolitischer Rhetorik vereinnahmen zu lassen. Das Evangelium müsse die Linse sein, durch die politische Fragen betrachtet werden. „Wir dürfen das Evangelium nicht für eine parteipolitische Sichtweise opfern“, schloss Cupich. In turbulenten Zeiten sei Jesus der Weg, nicht die Agenda eines Landes oder einer Partei.

(vatican news)

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05. März 2026, 10:49