UNO: Notfallpläne für den gesamten Nahen Osten aktiviert
„Zu viele Warnlichter blinken“, konstatierte der Chef des Büros für Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) angesichts der aktuellen Entwicklungen. Besonders besorgniserregend seien die „Dominoeffekte“: Länder wie Afghanistan und Pakistan, die bereits Millionen Unterversorgte beherbergen, stießen bei der Aufnahme neuer Flüchtlinge an ihre Grenzen. Zudem behinderten Luftraumsperrungen die Logistik und die notwendige Rotation von Hilfspersonal massiv.
Blockaden in Gaza und dem Westjordanland
Im Gazastreifen habe die jüngste Eskalation die Hilfsoperationen fast zum Stillstand gebracht. Bis auf den Übergang Kerem Schalom blieben alle Grenzübergänge geschlossen. Dies habe zur Folge, dass lebensnotwendige Güter nur noch in minimalen Mengen eintreffen und der lebenswichtige Transport von Patienten in Kliniken außerhalb des Küstenstreifens eingestellt werden musste. Auch im Westjordanland schränke die weitgehende Abriegelung den Zugang der Palästinenser zu Grundversorgungsgütern drastisch ein.
Libanon und Jemen: Neue Brennpunkte der Not
Besonders prekär ist die Lage im Libanon. Nach UN-Angaben wurden durch israelische Angriffe bereits über 50 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt. Über 60.000 Menschen befinden sich auf der Flucht, nachdem das israelische Militär zur Räumung von über 100 Orten im Südlibanon und der Bekaa-Ebene aufgefordert hatte.
Gleichzeitig verschärft sich die Situation im Jemen. Durch die Konflikte im Roten Meer drohen die Preise für Treibstoff und Lebensmittel weiter zu steigen, was vor allem die Bevölkerung in den von der Huthi-Miliz kontrollierten Gebieten trifft. UN-Hilfsflüge im Jemen mussten laut OCHA bereits eingestellt werden.
Ein System am Limit
Fletcher warnte eindringlich davor, dass eine anhaltende Unterbrechung der Schiffsrouten im Persischen Golf die Gesundheitssysteme importabhängiger Länder kollabieren lassen könnte. Während das UN-System versucht, Vorräte aufzubauen und alternative Versorgungswege zu finden, fordern andere Dauerkrisen im Sudan, im Kongo und in der Ukraine weiterhin volle Aufmerksamkeit.
Die Politisierung von Hilfslieferungen sowie gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur machten die Arbeit der Helfer so schwer wie selten zuvor. Die internationale Gemeinschaft stehe vor der Herausforderung, ein System zu retten, das unter der Last multipler, sich gegenseitig verstärkender Krisen zu zerbrechen droht.
(uno.org/kna - mg)
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