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Rom-Veduten in Rom, 500 Jahre später

Rom sehen: Das ist bis heute ein Anliegen zahlloser Besucher in der Ewigen Stadt. Den Niederländer Maarten van Heemskerck hat in der Renaissance diese Rom-Sehn-Sucht dazu gebracht, Jahre hier zu verbringen und alles zu zeichnen, was ihm festhaltenswert schien, darunter vieles im Vatikan. 500 Jahre nach ihrer Entstehung sind Heemskercks Zeichnungen nun erstmals für eine Ausstellung nach Rom zurückgekehrt.

Gudrun Sailer - Rom

Vier, fünf Jahre zum Zeichnen in Rom leben, alles in Skizzen festhalten, sich einen Grundschatz visueller Erinnerung zu erarbeiten, und damit zurück in Holland als Maler Furore machen: So ungefähr sah die Idee des Haarlemer Künstlers Maarten van Heemskerck aus, als er 1532 in die Ewige Stadt kam. Diese Idee und ihre Ausführung prägt bis heute, wie wir und unsere Zeitgenossen Rom sehen.

Heemskercks gilt als „Vater der römischen Vedute“. Und tatsächlich öffnet sich mit seinen Blättern ein Blick in eine Stadt, die gerade erst begann, sich nach den Verwüstungen des Sacco di Roma von 1527 neu zu erfinden.

Maarten van Heemskerck (1498–1574), Kompositkapitell und Kolosseum, 1532–1537
Maarten van Heemskerck (1498–1574), Kompositkapitell und Kolosseum, 1532–1537

Die Bilder seines römischen Skizzenbuchs sind derzeit im Palazzo Poli in Rom zu sehen, dem Sitz des Istituto Centrale per la Grafica, übrigens der Palast, aus dem der Trevibrunnen entspringt. Die Kunsthistorikerin Tatjana Bartsch von der Bibliotheca Hertziana, Heemskerck-Spezialistin, hat die Ausstellung mitkuratiert:

„Es ist schon ungewöhnlich: Wir haben es einem Niederländer zu verdanken, dass wir wissen, wie Rom im 16. Jahrhundert aussah. Van Heemskerck hat eine der wirklich allerersten Künstlerreisen nach Italien, speziell auch nach Rom, gemacht. Das war 1532, er war etwa fünf Jahre hier und hat alles gezeichnet, was ihn interessiert hat, was er gesehen hat.“

Hier zum Hören:

Das heißt: nicht nur Antike. Heemskerck hatte auch ein Auge für Rom als Stadt und als Ort der Christenheit.

„Das heißt, er zeichnet die Hügel, den Tiber, die Plätze, die Kirchen. Er war natürlich auch Pilger. Er zeichnet Paläste, Skulpturensammlungen und jede Menge antike Statuen, aber natürlich auch die Fresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle, von Raphael in der Villa Madama und so weiter.“

Tatjana Bartsch vor einem von Heemskerck skizzierten Flussgott, Skulptur in den Vatikanischen Museen
Tatjana Bartsch vor einem von Heemskerck skizzierten Flussgott, Skulptur in den Vatikanischen Museen

Auch die 1506 eröffnete Baustelle der neuen Petersbasilika landete in Heemskercks Skizzenbuch. Und einiges, was italienischen Renaissance-Künstlern gar nicht festhaltenswert erschien. Wo die Italiener einen Satz antiker Kapitelle zeichneten, da skizzierte Heemskerck den Garten mit, in dem sie lagen.

„Ihn hat alles interessiert. Er hat exotische Tiere und Pflanzen gezeichnet, auch die Natur, die Hügel, diese besondere Stadtanmutung, die Rom hat und die die kleinen, ordentlichen, viereckigen Städte in den Niederlanden natürlich nicht haben - das alles hat er aufgesogen und umgesetzt. Insofern ist er ein Fremder, aber er hat sich doch sehr stark auch hier in diese Herausforderung Rom reingeworfen und hat alles mitgenommen, was er bekommen konnte.“

Maarten van Heemskerck (1498–1574), Unterer Statuenhof der Casa Galli, 1532–1537
Maarten van Heemskerck (1498–1574), Unterer Statuenhof der Casa Galli, 1532–1537

Die meisten Blätter aus Heemskercks Skizzenbuch sind erhalten, sie lagern normalerweise im Berliner Kupferstichkabinett. Dessen Direktorin Dagmar Korbacher zeigte sich bei der Ausstellungseröffnung glücklich, diese Kostbarkeiten für einige Monate gerade nach Rom zu verleihen, wo sie entstanden sind.

„Diese Zeichnungen sind extrem wertvoll und sehr empfindlich, deswegen werden sie eigentlich nicht ausgeliehen. Aber es war immer unser geheimer Traum und Wunsch, wenn wir sie einmal ausleihen können, wenn sich einmal die Gelegenheit ergibt - dann würden wir sie gern nach Rom ausleihen.“

Kaum eine Rom-Darstellung der frühen Neuzeit kommt ohne Heemskercks Ansichten aus. Seine Perspektiven bestimmen bis heute, wie Historiker und Besucher die Stadt vergleichen: Was ist geblieben? Was verschwunden? Und wo lässt sich das Rom des 16. Jahrhunderts noch erkennen?

Die Ausstellung macht diesen Dialog sichtbar. Zeitgenössische Fotografien zeigen dieselben Standorte, von denen aus Heemskerck einst zeichnete. Überraschend oft stimmen Perspektiven noch immer überein.

So wird die Schau mehr als eine kunsthistorische Präsentation. Sie ist eine Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen einem reisenden Künstler und einer Stadt, die seit Jahrhunderten Menschen anzieht, die sie sehen, verstehen und festhalten wollen.

Die Ausstellung „Maarten van Heemskerck e il fascino di Roma. Percorsi visivi della Città Eterna" läuft von 3. März bis 7. Juni im Istituto Centrale per la Grafica im Palazzo Poli in Rom. 

(vatican news – gs)

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03. März 2026, 14:18