Monaco und der Heilige Stuhl: Viele Gemeinsamkeiten
Jean-Charles Putzolu und Anne Preckel – Vatikanstadt
Philippe Orengo ist seit 2022 Monacos Botschafter beim Heiligen Stuhl. Nach der Einladung von Fürst Albert II. an Papst Leo XIV. am 17. Januar reiste er in den vergangenen Wochen mehrfach zwischen Rom und dem Fürstentum hin und her, um den Papstbesuch am Samstag (28. März) vorzubereiten. In einem Interview mit den Vatikanmedien betont er die Bedeutung dieses Besuchs für den - nach dem Vatikan - zweitkleinsten Staat der Welt, die Lebendigkeit der Kirche in Monaco und die vielen Gemeinsamkeiten zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Fürstentum.
Historischer Moment
Der Papstbesuch in Monaco, wo der Katholizismus Staatsreligion ist, sei ein „historischen Moment“, so der Botschafter: „Wir nehmen ihn umso sensibler wahr, da es die erste Europareise des Heiligen Vaters im ersten Jahr seines Pontifikats ist – eine beachtliche Tatsache. Und vor allem symbolisch fällt er auf den Vorabend des Palmsonntags, der den Beginn der Karwoche für alle Katholiken markiert. In einem Staat wie dem unseren, in dem die apostolische, römisch-katholische Religion Staatsreligion ist, kann dies nur eine besondere Bedeutung haben.“ Den letzten Papstbesuch erhielt Monaco 1538 durch Paul III., der auf dem Rückweg von den spanisch-französischen Friedensverhandlungen in Nizza Station im Fürstentum machte.
Pastorales Programm mit vier Papst-Ansprachen
Das Programm des eintägigen Papstbesuches in Monaco sei überwiegend pastoral, so der Botschafter weiter. Die erste Europareise des Heiligen Vaters stößt auf großes Interesse – so waren die 15.000 Plätze für die Messe im Stadion Louis II innerhalb kürzester Zeit vergeben. Diese Messe sei ein Höhepunkt der Papstreise und „hochsymbolisch“, so der Botschafter, der auch weitere Stationen des Papstbesuches kommentiert:
„Neben dem üblichen Höflichkeitsbesuch, der für apostolische Reisen typisch ist, wird der Heilige Vater zunächst die Kathedrale von Monaco besuchen, die der Unbefleckten Empfängnis geweiht ist. Dort wird er mit dem Klerus und der Kirche – den treibenden Kräften unserer Diözese – zu einem tief bewegenden Gottesdienst zusammentreffen. Selbstverständlich wird er dort auch die Gelegenheit haben, eine Predigt zu halten, der wir innig und mit Aufmerksamkeit, aber auch mit einem tiefen Verantwortungsgefühl folgen werden. Wir wissen, dass der Papst sich mit seinen Worten nicht nur an das monegassische Volk oder die lokale Bevölkerung wendet. Seine Botschaft ist stets universell.“
Wachsendes Bedürfnis nach Spiritualität
Auch werde der Papst in Monaco nach der Kathedrale in der Kirche Sainte-Devota einkehren. Diese sei für die Menschen in Monaco „von großer symbolischer Bedeutung, da sie an der Stelle einer Kapelle steht, die der Legende nach dort errichtet wurde, wo das Boot der Heiligen Devota nach ihrem Martyrium auf Korsika während der diokletianischen Verfolgungen strandete“. Papst Leo trifft an diesem Ort Neugetaufte, Katechumenen und Jugendliche. Es heißte immer, die Welt sei zunehmend säkularisiert und entsakralisiert, so der Botschafter. Das stimme aber nur „zum Teil“, wendet er ein:
„Wir dürfen nicht vergessen, dass es in Europa seit geraumer Zeit ein spürbares Bedürfnis nach Spiritualität gibt. Wir versuchen, dieser Bewegung einen offenen Raum zu bieten, einen Ort des Zuhörens. Das ist die große Herausforderung dieser spirituellen Erneuerung: nicht überwältigt zu werden und diese Menschen willkommen zu heißen, um ihrer Sehnsucht nach Transzendenz zu begegnen. Bedenkt man, dass von 40.000 Einwohnern nur 10.000 Monegassen sind, ist es außerordentlich bedeutsam, dem Heiligen Vater 70 bis 80 Katechumenen und Neophyten vorstellen zu können. Es ist praktisch beispiellos und sehr ermutigend.“
Eine Überraschung
Dass sich Papst Leo doch so schnell entschieden habe, das Fürstentum zu besuchen, sei „eine angenehme Überraschung für alle gewesen“, so der Botschafter. Fürst Albert II. habe sich lange gewünscht, einen Papst empfangen zu können.
„Bereits unter Benedikt XVI. gab es entsprechende Bemühungen, die jedoch aufgrund unvorhergesehener Umstände scheiterten. Auch Papst Franziskus hatten wir Einladungen ausgesprochen, die kurz vor der endgültigen Bestätigung standen, als erneut tragische Ereignisse dazwischenkamen. Als Fürst und Fürstin Charlène im Mai 2025 zur Inthronisation von Papst Leo XIV. kamen, hatten sie, wie alle anderen Staatsoberhäupter, die Gelegenheit, ihn nach der Zeremonie zu begrüßen. Ich denke, von diesem Moment an knüpften sie eine Verbindung.“ Vor allem die „Ruhe, natürliche Autorität und Gelassenheit“ des Papstes habe das Fürstenpaar beeindruckt.
Vielfältige Kirche
Die Erzdiözese Monaco ist flächenmäßig eine der kleineren Diözesen der Welt mit etwa 29.000 Katholiken. Die katholische Kirche in Monaco sei „lebendig und vielfältig“, ihre Botschaft spreche alle Schichten der Gesellschaft mit ihren rund 150 Nationalitäten an, so der Botschafter. „Wir haben sehr Reiche, wir haben Arme, wir haben Menschen aus der Mittelschicht; wir sind eine ganz normale Gesellschaft, weit entfernt von den immer wiederkehrenden Klischees, die Monaco leider oft karikaturhaft darstellen“, ist dem Botschafter wichtig zu betonen.
„Darüber hinaus gibt es, glaube ich, ein neues Anliegen“, fährt er fort: „Der Heilige Vater scheint ein sehr intensives Interesse am Katholizismus in Europa zu haben. Er vernachlässigt die Randgebiete nicht, sondern ergänzt das, was Papst Franziskus so intensiv verfolgt hat: die Idee, dass Säkularisierung und Entsakralisierung in Europa nicht unvermeidlich sind, ganz im Gegenteil. Diese alten katholischen Gebiete dürfen nicht in der Vergangenheit verharren, wie Museen des Katholizismus oder Religionsmuseen. Sie sind Gebiete, die wieder fruchtbarer Boden für Religion werden und mancherorts sogar florieren.“
Viele Übereinstimmungen
Zwischen Monaco und dem Heiligen Stuhl bestünden viele Gemeinsamkeiten, „seien es soziale, moralische, ethische oder auch bioethische Fragen“, so der Botschafter weiter: „Dies liegt daran, dass wir gemeinsam mit dem Heiligen Stuhl den erheblichen Vorteil haben, an langfristigen Projekten arbeiten zu können. Wir sind nicht durch politische Unwägbarkeiten eingeschränkt. Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Heiligen Stuhl besteht darin, dass wir keine wirklichen nationalen Interessen zu verteidigen haben. Natürlich hat das Fürstentum, wie alle Staaten, unweigerlich nationale Interessen. Aber wir sind in der Lage, diese zu überwinden, um zeitlose und universelle Botschaften zu vermitteln. Wir setzen uns mit ganzer Kraft für die uneingeschränkte Würde des Menschen ein.“
Dabei strebe man danach, „den Prinzipien gerecht zu werden, die wir uns selbst gesetzt haben“. So habe der Fürst, als er ein Gesetz zur zur Straffreiheit von Abtreibung bis zur zwölften Woche im Fürstentum im November 2025 stoppte, die Bedeutung des Katholizismus in der Gesellschaft und den Stellenwert christlicher Werte bekräftigt. Auch stimme man in Monaco mit Ansichten des Heiligen Stuhls zur Künstlichen Intelligenz überein, ebenso gebe es Übereinstimmungen in „wichtigsten Fragen der Bewahrung der Schöpfung“ und der Friedensarbeit.
„Wir unterstützen denselben Frieden und dieselben Mittel wie der Heilige Stuhl: Vermittlung, Schlichtung, Dialog, Zuhören und ganz sicher keine militärischen Methoden, auch nicht beim Konzept des gerechten Krieges. Wir teilen auch die zunehmenden Vorbehalte gegenüber der Rechtfertigung dieser Art von Kriegführung. Wir haben keine wirklichen Meinungsverschiedenheiten. Wir mögen in einigen spezifischen Punkten unterschiedliche Herangehensweisen haben. Was ich aber vor allem betonen möchte, ist die sehr starke Übereinstimmung.“
Der Besuch am Samstag
Leo XIV. besucht am Samstag den zweitkleinsten Staat der Welt als erster Papst seit fast 500 Jahren. Das am längsten bestehende katholische Herrscherhaus Europas pflegt seither Beziehungen mit dem Papsttum.
Der Papst wird am Tag vor Palmsonntag nach zweistündigem Helikopterflug um 9 Uhr in Monaco erwartet. Nach der Begrüßung im Fürstenpalast will er dort ein Grußwort sprechen. Anschließend stehen Treffen mit der katholischen Gemeinschaft in der Kathedrale sowie mit Jugendlichen auf dem Programm, jeweils mit Predigt bzw. Rede des Papstes. Um 15.30 Uhr hält er eine Messe samt Predigt im Fußballstadion des AS Monaco. Nach der offiziellen Verabschiedung besteigt Leo XIV. wieder den Hubschrauber, um gegen 19.45 Uhr im Vatikan zu sein.
(vatican news – pr)
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