Nach einer Luftattacke in Bahrain Nach einer Luftattacke in Bahrain 

Irankrieg: Arabischer Bischof warnt vor Eskalation im Golfraum

Nach iranischen Raketenangriffen auf mehrere Staaten der Golfregion hat der Apostolische Vikar von Nordarabien zu Dialog und Gebet aufgerufen. Bischof Aldo Berardi warnte vor einer weiteren militärischen Zuspitzung im Nahen Osten.

Francesca Sabatinelli und Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Teheran hatte mit den Attacken auf die großangelegten Luftschläge der USA und Israels gegen Ziele im Iran reagiert. Dabei nahm das Regime in Teheran nicht nur Ziele in Israel ins Visier, sondern auch US-Militärstützpunkte und Städte in Bahrain, Katar, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Am Montagmorgen startete Israel Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut, weil sich auch die libanesische Terrororganisation Hisbollah in den Krieg eingeschaltet hatte.

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„Das wäre katastrophal, ein offener Krieg und ein schrecklicher Moment für alle“

Vor einer Entwicklung wie dieser warnte Bischof Berardi ausdrücklich. Sollten Staaten der Region militärisch reagieren, drohe eine weitere Ausweitung des Konflikts. „Das wäre katastrophal, ein offener Krieg und ein schrecklicher Moment für alle“, sagte Berardi. Viele Menschen fühlten sich „wie in einer Falle“, da Flughäfen geschlossen seien und Ausreisen kaum möglich blieben.

„Wenn wir in die Spirale der Gewalt eintreten, wird sie niemals enden“

Kurz vor dem Interview am Sonntagnachmittag überflog nach seinen Angaben eine iranische Rakete Bahrain und schlug nahe der Kathedrale Unserer Lieben Frau von Arabien ein. Menschen wurden nicht verletzt, doch geriet ein Wohnhaus in Brand. „Wenn wir in die Spirale der Gewalt eintreten, wird sie niemals enden“, warnte der Bischof. Der einzige Weg bleibe „Dialog, Diplomatie und gegenseitiger Respekt“.

Aldo Berardi
Aldo Berardi

Am Sonntag zeigte sich Papst Leo beim Angelus in tiefer Sorge über die Eskalation in Nahost. Auch er rief dazu auf, die Gewaltspirale nicht weiterzudrehen; Frieden und Stabilität entstünden nicht durch Waffen, sondern nur durch Dialog. Die Gläubigen in Nordarabien hätten ein solches Wort des Papstes ersehnt, sagte Berardi. Dieses komme von jemandem, „der unsere Situation kennt und versteht, dass diese Probleme nicht mit Gewalt, sondern mit Dialog und Diplomatie gelöst werden können“.

Das Apostolische Vikariat Nordarabien umfasst Bahrain, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien, insgesamt lebend dort rund drei Millionen katholische Gläubige, so gut wie alle aus dem Ausland. Berardi hatte bereits zuvor in einem Schreiben zur Ruhe und zur Einhaltung staatlicher Anweisungen aufgerufen. Zugleich bat er um Gebet, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Der Papst habe vor einer „irreparablen Kluft“ gewarnt, die „die ganze Region verschlingen könnte“.

„Aus Sicherheitsgründen können wir kein Risiko eingehen“

Nach den jüngsten Angriffen blieben Kirchen in Nordarabien zeitweise geschlossen. „Aus Sicherheitsgründen können wir kein Risiko eingehen, Trümmer von Raketen könnten auf die Kirchen fallen“, sagte der Bischof, der in Awali in Bahrain sitzt. Die Pfarreien öffneten erst wieder, „wenn wieder etwas Ruhe zurückkehrt“. Was die Gläubigen jetzt bräuchten, seien „Gebete und spirituelle Solidarität. Die Worte des Papstes geben uns das Gefühl, mit der Weltkirche vereint zu sein, und wir alle hoffen, dass sie Gehör finden und dass wir wirklich den Weg des Dialogs einschlagen können, denn ohne ihn wird es Gewalt und Tod geben.“

(vatican news – gs)

 

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02. März 2026, 10:53