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Micheline Mwendike Kamate und Papst Leo XIV. Micheline Mwendike Kamate und Papst Leo XIV.  (@Vatican Media)

DR Kongo: Aktivistin Kamate fordert zivilen Widerstand

Micheline Kamate Mwendike, Mitbegründerin der kongolesischen Bürgerbewegung LUCHA, hatte vor Kurzem Papst Leo XIV. ihr Buch mit dem provokanten Titel „Der Krieg ist gescheitert“ überreicht. Im Interview mit den Vatikanmedien spricht sie nun über die Sackgasse militärischer Strategien im Osten der Demokratischen Republik Kongo und ihre Hoffnung auf einen „Sieg der Bürger“.

Jean-Paul Kamba, SJ und Mario Galgano - Vatikanstadt

Micheline Kamate, die ihre Kindheit im kriegsgebeutelten Goma verbrachte, schreibt aus einer tiefen persönlichen Überzeugung heraus. Ihr Werk ist mehr als ein Zeugnis; es ist eine Anklage gegen die Logik der Gewalt. „Es gab noch nie einen Befreiungskrieg. Es gab noch nie einen Krieg, der ein Land entwickelt hat“, stellt sie unmissverständlich klar. Jede Form von Krieg sei entmenschlichend und ein Teufelskreis, in dem am Ende jeder verliere.

Goma: Widerstand durch Menschlichkeit

Trotz der Bomben, die in ihrer Kindheit nahe dem Elternhaus einschlugen, erinnert sich Kamate vor allem an die Liebe ihrer Familie, die sie vor Traumata bewahrte. Für sie ist ihre Heimatstadt Goma das Symbol eines zutiefst menschlichen Widerstands. „Es ist eine gemarterte Stadt, durchzogen von Hassideologien. Und doch gibt es dort Liebe: Man teilt Wasser und Essen, man lacht, singt und tanzt.“ Der Krieg sei auch deshalb gescheitert, weil die Menschen sich weigerten, ihre Menschlichkeit aufzugeben.

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Das Versagen der militärischen Strategie

Die Sicherheitslage im Osten des Kongo beurteilt die Aktivistin kritisch. Der militärische Weg habe seine Grenzen erreicht. „Heute ist die militärische Strategie ein Misserfolg, weil das Gewaltmonopol nicht mehr bei der nationalen Armee liegt“, erklärt Kamate. Die Proliferation bewaffneter Gruppen, die ethnische oder politische Motive vorschieben, gehe allein zu Lasten der Zivilbevölkerung.

„Wenn man eine Waffe ausgibt, kann sie sich gegen jeden wenden.“

Besonders kritisch sieht sie die Bewaffnung von Zivilisten (die sogenannten Wazalendo): „Wenn man eine Waffe ausgibt, kann sie sich gegen jeden wenden.“ Wahre Sicherheit könne nur durch eine starke, disziplinierte Armee und den Schutz der Grenzen entstehen – beides sieht sie derzeit als nicht gegeben an.

Rohstoffe als Treibstoff des Konflikts

Ein zentraler Punkt der Instabilität bleibt der Reichtum an Bodenschätzen. Kamate beklagt, dass Minen wie in Rubaya (Territorium Masisi), die einen erheblichen Teil des weltweiten Coltans liefern, eher den Krieg als den Frieden finanzieren. „Ein Großteil der Mineralien gelangt über Ruanda auf den internationalen Markt. Die Gewalt wurde so normalisiert, dass sich der Krieg von selbst finanziert.“

Kampf gegen die „Balkanisierung“

Kamate warnt davor, dass eine faktische Teilung des Landes (Balkanisierung) bereits im Gange sei. Der Kongo sei heute gespalten zwischen verschiedenen Systemen, geschlossenen Bankwegen und getrennten Verwaltungsstrukturen. Doch sie betont den unerschütterlichen Willen der Bevölkerung zur Einheit: „Das Volk erkennt sich im Kampf Lumumbas für einen geeinten Kongo wieder. Diese Teilung ist kein Schicksal, sie wird uns aufgezwungen. Der Kongo wird eins und unteilbar bleiben.“

„Der Kongo wird eins und unteilbar bleiben.“

Appell an die Jugend

Die Arbeit von LUCHA konzentriert sich auf Bildung, soziale Gerechtigkeit und strikte Gewaltfreiheit. Es sei inakzeptabel, dass in einer Stadt einige Zugang zu Wasser haben und andere nicht. An die Jugend des Kontinents richtet sie den dringenden Appell, sich von jedem gewalttätigen Projekt und jeder Rebellion zu distanzieren: „Der Krieg führt nirgendwohin; er ist ein Rückschritt für Entwicklung, Demokratie und Institutionen.“

Hintergrund: Was ist LUCHA?

Die Bewegung LUCHA (Lutte pour le Changement – Kampf für den Wandel) ist eine gewaltfreie Bürgerbewegung in der DR Kongo. Sie setzt sich für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und eine bessere Regierungsführung ein. Die Aktivisten riskieren oft Verhaftungen und Repressionen durch staatliche Stellen.

(vatican news - mg)

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13. Februar 2026, 10:34