Pakistan/Afghanistan: „Offener Krieg“
Laut der Regierung in Islamabad ist der Bruch zwischen den früheren Verbündeten auf Kabuls Weigerung zurückzuführen, die Orte und Stützpunkte an der Grenze zu neutralisieren, in denen sich Terroristen versteckten, die Anschläge in Pakistan verüben. Dieser „offene Krieg“ bedeutet das Aus für das gegenseitige Sicherheitsabkommen, das im Oktober 2025 in Katar unterzeichnet wurde.
Im Zentrum des Konflikts steht die Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), die sogenannten „Pakistanischen Taliban“. Diese Gruppierung hat ihre Gewalt und Terroranschläge auf pakistanischem Boden verstärkt. Die Weigerung der afghanischen Taliban, die TTP zu stoppen, hat das Militärkommando in Islamabad nach eigenen Angaben veranlasst, den Dialog als gescheitert zu betrachten und stattdessen direkte Bombenangriffe auf „TTP-Rückzugsgebiete“ in Afghanistan zu verüben.
„Die Spannungen wurden durch Pakistans beschleunigte Vertreibung von über einer Million Afghanen angeheizt, die sich seit dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan Ende der 1970er-Jahre in Pakistan niedergelassen hatten.“ Das erklärte Oblaten-Pater Cecil Paul, pakistanischer Missionar, Historiker und Direktor eines katholischen Medienzentrums in Pakistan, gegenüber Fides.
„Millionen afghanischer Flüchtlinge haben in der Vergangenheit in Pakistan Zuflucht gefunden, sich hier niedergelassen, Arbeit gefunden und sich in die Gesellschaft integriert. Doch kriminelle Aktivitäten wie Drogenhandel, Menschenhandel und Terrorismus haben unter ihnen zugenommen. Deshalb hat die pakistanische Regierung nun den Weg der Abschiebung gewählt. Die Afghanen hegen nun Hass und Feindseligkeit und scheinen aus Vergeltung zu Gewalt zu greifen. Daher die Eskalation.“
„Die öffentliche Meinung in Pakistan scheint derzeit gespalten“, bemerkt Pater Cecil Paul. „Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die der Ansicht sind, dass es keinen Krieg gegen unsere muslimischen Brüder in Afghanistan geben sollte; auf der anderen Seite herrscht, insbesondere in Militärkreisen, Einigkeit über eine harte Reaktion, um die Terroristen zu stoppen, die in Pakistan Angehörige der Streitkräfte und auch Zivilisten getötet haben und weiterhin töten.“
„Als Christen in Pakistan setzen wir uns stets für den Frieden ein. Wir sind friedliebende Menschen. Wir lehnen jede Form von Gewalt, Terrorismus und Krieg ab. Wir rufen zum Frieden auf und bitten die Gläubigen um das Gebet: Wir beten auch für unsere Feinde, wie Jesus es uns lehrt, und wir versuchen, Zeugnis für den Frieden abzulegen“, so der Missionar abschließend.
(fides – sk)
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