Venezuela: Kirche betet um Frieden
Olivier Bonnel - Vatikanstadt
Das Geschehen sorgt weltweit für Schlagzeilen: US-Präsident Donald Trump hat Nicolás Maduro bei einer Militäroperation festnehmen lassen; dem Politiker soll in den USA wegen „Narkoterrorismus“ der Prozess gemacht werden. In Venezuela herrscht seither ein Klima zwischen Hoffnung und Angst vor blutigen Unruhen.
Die Venezolanische Bischofskonferenz (CEV) reagierte mit einer Botschaft der Besonnenheit. „Angesichts der Ereignisse in unserem Land bitten wir Gott, allen Venezolanern Gelassenheit, Weisheit und Kraft zu schenken“, erklärten die Bischöfe in den sozialen Netzwerken. Sie drückten ihre Solidarität mit den Opfern der jüngsten Konfrontationen aus und riefen dazu auf, „jede Form von Gewalt abzulehnen“.
Papst Leo XIV. verfolgt die gegenwärtigen Entwicklungen in Venezuela „mit großer Sorge“, wie er beim Angelus am Sonntagmittag erklärte.
Warnung vor radikalen Milizen
Der französische Missionar Georges Engel, der seit 20 Jahren in Venezuela tätig ist und sich derzeit in Madrid aufhält, blickt mit großer Sorge auf die Lage in den Barrios, den Armenvierteln. „Die Menschen spürten, dass etwas passieren würde, aber die Zensur verhinderte eine klare Sicht“, so Engel gegenüber Vatican News. Er fürchtet besonders die Reaktion der sogenannten „Collectivos“. Diese radikalen, bewaffneten Banden gelten als das Rückgrat der bolivarischen Revolution in den Armenvierteln.
„Diese Gruppen haben bisher immense Privilegien genossen. Es ist wahrscheinlich, dass es zu gewaltsamen Zusammenstößen kommen wird, da sie diesen Machtverlust nicht kampflos hinnehmen werden“, warnt der Priester. Tatsächlich wurden schon kurz nach der Festnahme Maduros bewaffnete Gruppen im Zentrum von Caracas gesichtet, die in der Nähe des Präsidentenpalastes demonstrierten.
Die Rolle der Kirche im neuen Venezuela
Angesichts der internationalen Kritik an der US-Intervention – unter anderem durch UN-Generalsekretär Guterres, der einen „gefährlichen Präzedenzfall“ beklagte – sieht Pater Engel in der katholischen Kirche einen wichtigen Anker für die Zukunft. „Die Kirche stand immer auf der Seite der Armen. Ihre Rolle ist in einem Land, das so tief von Drogenhandel und Korruption gezeichnet ist, unersetzlich.“
Die Kirche sei nun gerufen, mit noch mehr Nachdruck „Vergebung und Barmherzigkeit“ zu verkünden, um die tiefe Spaltung der Gesellschaft zu überwinden. Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage müsse sie zudem ihre humanitären Bemühungen für Kranke und Kinder verdoppeln.
(vatican news - mg)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.