Demonstrant mit der Landesfahne, am Dienstag in Caracas Demonstrant mit der Landesfahne, am Dienstag in Caracas 

Venezuela: „Wechselbad der Gefühle“

„Wir erleben in diesen Stunden ein Wechselbad der Gefühle.“ Das sagt der Vorsitzende der venezolanischen Bischofskonferenz im Gespräch mit Vatikan News.

Erzbischof Jesús Andoni González de Zárate Salas von Valencia äußerte sich am Montag erstmals ausführlicher zur Lage im Land nach der Ergreifung von Präsident Nicolás Maduro durch US-Militärs. „Die Menschen bangen, welche Folgen die Geschehnisse haben werden; für viele gibt es derzeit noch mehr Fragen als Antworten.“ Die „politische Realität im Land“ nach dem US-Angriff vom Wochenende lasse sich „unterschiedlich bewerten“.

Zárate spricht von gespannter Ruhe im Land. „Wir Bischöfe haben diese Momente in einem Geist des Glaubens und einem Klima des Gebets erlebt. Die schwierige, komplexe und dynamische Realität, die Venezuela in den letzten Jahrzehnten durchgemacht hat, hat uns gelehrt, der pastoralen Sichtweise und der Begleitung unseres Volkes Vorrang vor anderen Ansätzen und Analyseperspektiven zu geben. Deshalb hielten wir es gerade in dieser Situation für angebracht, eine ständige Kommunikation untereinander und mit unseren Priestern aufrechtzuerhalten, um uns gegenseitig zu unterstützen und unserem Volk beizustehen.“

Hoffnung auf friedliche Entwicklung

Am Sonntagmorgen, unmittelbar nach der US-Militäraktion, sei die Teilnahme an den Gottesdiensten „fast normal“ gewesen, was die Zahl der Teilnehmer betreffe. Aus seiner Sicht zeigt das, dass es Hoffnung gebe. „Es ist dieselbe Hoffnung, die sich im Laufe der schwierigen Jahre, die wir durchleben mussten, immer wieder gezeigt hat: die Hoffnung, unsere Probleme friedlich, unter Beteiligung aller und im Einklang mit der Verfassung und den demokratischen Werten, für die wir uns als Gesellschaft entschieden haben, lösen zu können.“

Auf die Frage, wie sich jetzt in Venezuela eine nationale Befriedung erreichen ließe, sagt Zárate: „Respekt und Würde des Menschen, Toleranz und gegenseitiges Verständnis, das Streben nach dem Gemeinwohl, die Gültigkeit demokratischer Werte. Das sind keine einfachen Wege, wie wir in den letzten Jahren erfahren haben.“

„Die Verpflichtung, auf die komplexen und schwierigen Realitäten zu reagieren, mit denen unser Land konfrontiert ist, kommt in erster Linie uns Venezolanern zu“


Der Vorsitzende der Bischofskonferenz bekräftigt nachdrücklich, dass „die Verpflichtung, auf die komplexen und schwierigen Realitäten zu reagieren, mit denen unser Land konfrontiert ist, in erster Linie und vor allem uns Venezolanern zukommt – auch wenn wir die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft im Rahmen der humanitären Hilfe, der Verteidigung der Menschenrechte und der demokratischen Ordnung stets geschätzt haben. Wir werden diese Hilfe auch weiterhin benötigen“.

Der Erzbischof dankt Leo XIV. für die Verbundenheit, die er am Sonntag nach dem Angelus zum Ausdruck gebracht hat. „Seit Beginn seines Pontifikats hat der Papst große Liebe für die Venezolaner und Kenntnis unserer Realität gezeigt. Deshalb schätzen wir seine Worte sehr. Wir finden darin ein ganzes Programm, dem wir folgen können: die Gewalt überwinden, Wege der Gerechtigkeit und des Friedens einschlagen, die Souveränität des Landes gewährleisten, die in der Verfassung verankerte Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschen- und Bürgerrechte sicherstellen, gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten.“

(vatican news – sk)

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06. Januar 2026, 12:24