Die Arbeit der Caritas Ukraine in der Hauptstadt Kyiv Die Arbeit der Caritas Ukraine in der Hauptstadt Kyiv 

Caritas: Kyiv kämpft gegen den Kältetod

Während die Temperaturen in der Ukraine massiv sinken, erlebt das Land die schwerste Energiekrise seit Beginn des großangelegten russischen Angriffs. In der Hauptstadt Kyiv und der umliegenden Region sind Hunderttausende ohne Heizung und Strom. Oleksandr Magdalits, Experte für Notfallhilfe bei der Caritas Ukraine, beschreibt im Gespräch mit den Vatikan-Medien ein erschütterndes Szenario.

Svitlana Dukhovych und Mario Galgano - Vatikanstadt

Die gezielten Raketen- und Drohnenangriffe auf die kritische Infrastruktur haben das nationale Energiesystem schwer beschädigt. Die Folgen sind laut Magdalits katastrophal. „Über 1.100 mehrstöckige Wohngebäude sind derzeit ohne Heizung“, berichtet der Programmanager. Man schätze, dass mindestens eine halbe Million Menschen allein in der Region Kyiv betroffen sind. Eine vollständige Wiederherstellung der Versorgung sei in den nächsten Monaten nicht absehbar.

Zum Nachhören - die Lage in der Ukraine

Wenn das Zuhause zur Todesfalle wird

Besonders dramatisch ist die Situation in Hochhäusern. Dort sind durch den Stromausfall nicht nur Licht und Heizung weggebrochen, sondern oft auch die Wasser- und Abwassersysteme eingefroren. „In einigen Gebäuden sind die Leitungen so festgefroren, dass eine Enteisung vor dem Sommer nicht möglich sein wird“, so Magdalits.

Bilder von Stalaktiten – Eiszapfen, die sich im Inneren von Treppenhäusern bilden – verdeutlichen den Ernst der Lage. „Hinter verschlossenen Türen leben Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Verfassung das Haus nicht verlassen können. In vielen Wohnungen beträgt die Temperatur nur noch sechs oder sieben Grad.“ Besonders gefährdet seien Menschen mit Behinderungen, alleinstehende Senioren und Familien mit kleinen Kindern.

Caritas Hilfe für die Ukraine
Caritas Hilfe für die Ukraine   (Credit Caritas Polonia)

Hilfe unter extremen Bedingungen

Die Caritas Ukraine arbeitet eng mit den staatlichen Behörden und der griechisch-katholischen Kirche zusammen, um die Not zu lindern. In Kyiv und Vororten wie Fastiv, Irpin und Vyshhorod wurden Wärmestuben und Essensausgaben eingerichtet. „Ein einziger Teller mit warmer Suppe kann den physischen Zustand eines Menschen entscheidend stützen“, betont Magdalits. Doch die Logistik ist schwierig: Durch die Energiekrise ist auch der Schienenverkehr beeinträchtigt, und viele Bedürftige sind über Notrufleitungen kaum erreichbar, da das Netz überlastet ist.

Ein von Caritas Ukraine errichtetes Zelt
Ein von Caritas Ukraine errichtetes Zelt

Krankenhäuser am Limit

Auch das Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Zwar verfügen die meisten Krankenhäuser über Generatoren für den Strom, doch die Wärmeversorgung bleibt das Hauptproblem. „Es gibt kaum noch Orte, an die man Patienten evakuieren könnte, da die Einrichtungen im Hinterland bereits durch Flüchtlinge aus den Frontgebieten überfüllt sind“, erklärt der Experte. Zu den Kriegswunden kommen nun massenhaft Fälle von Unterkühlung und Verletzungen durch Glatteis sowie verschlechterte chronische Leiden hinzu.

Gezielte Strategie des Leidens

Für Oleksandr Magdalits ist die Situation kein Zufall, sondern eine „bewusste Verletzung des Völkerrechts“. Es handle sich um einen gezielten Druck auf die Zivilbevölkerung - in dem Wissen, dass die schwächsten Glieder der Gesellschaft am meisten leiden.

Die Caritas bittet daher dringend nicht nur um finanzielle Mittel, sondern vor allem um Sachspenden. „Wir brauchen dringend Generatoren, Powerbanks, Thermodecken, Schlafsäcke, mobile Feldküchen und Zelte“, so der Appell. Nur durch internationale Solidarität könne verhindert werden, dass die Kälte in diesem Winter zu einer ebenso tödlichen Waffe wird wie die Raketen.

(vatican news)

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30. Januar 2026, 10:47