Suche

Zivilisten flüchten aus den betroffenen Gebieten in Aleppo Zivilisten flüchten aus den betroffenen Gebieten in Aleppo  (ANSA)

Bischof in Aleppo: „Ein Hirte bleibt bei seiner Herde!“

Seit Dienstag kommt es zu schwerem Beschuss von zwei kurdisch bevölkerten Vierteln der nordsyrischen Metropole Aleppo. Am Mittwoch war den Zivilisten eine Zeitspanne zum Verlassen der Viertel eingeräumt worden, doch auch am Donnerstag gehen die Kampfhandlungen weiter, es gibt Tote und Verletzte, mindestens 30.000 Menschen sind geflohen. Hilfe finden sie auch in kirchlichen Einrichtungen, berichtet der lateinische Bischof Hanna Jallouf von Aleppo während der Feuerpause.

Berichten zufolge gab es mindestens 15 Tote und 60 Verletzte auf Seiten der Regierungs-Soldaten und der kurdischen Milizen. Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten fürchtet angesichts der zehntausenden Vertriebenen in der Winterkälte eine humanitäre Katastrophe. Auch der lateinische Bischof von Aleppo, Hanna Jallouf, ist besorgt.

Negative Entwicklung

Leider entwickeln sich die Dinge in den letzten zwei Tagen nicht sehr gut, denn man sieht, dass die Regierung beschlossen hat, die kurdischen Viertel einzunehmen. Aber die Dinge entwickeln sich wirklich von schlecht zu schlechter, immer mehr“, sagt uns der Bischof, den wir telefonisch während einer kurzen Waffenruhe in Aleppo erreichen. Am Mittwoch wurden zwei humanitäre Korridore geöffnet, um den Menschen den Durchgang bis 15.30 Uhr zu ermöglichen, berichtet er.

Die Bewohner flüchten aus den kurdischen Viertel Sheikh Maqsoud und Ashrafieh
Die Bewohner flüchten aus den kurdischen Viertel Sheikh Maqsoud und Ashrafieh   (AFP or licensors)

„Und wir Christen haben hier drei Orte geöffnet, um die Menschen aufzunehmen: im lateinischen Bischofssitz, einer im Terra-Santa-Kolleg und ein anderer in unserer Kirche der Verkündigung. Außerdem haben auch die Orthodoxen in ihrem Bischofssitz ein Aufnahmezentrum eröffnet. Zudem wurden vier Moscheen zur Verfügung gestellt. Bis jetzt haben wir – wir und die Muslime – fast 3.500 Menschen aufgenommen. Andere haben auch Zuflucht auf dem Land und in verschiedenen Vierteln und an verschiedenen Orten gefunden.“

Einschläge in Aleppo
Einschläge in Aleppo

Doch die Situation ist mehr als besorgniserregend, es kommt zu Beschuss von beiden Seiten, doch keiner könne in die umkämpften Viertel hineinkommen, um sich ein konkretes Bild von der Lage zu machen.

Hier der Beitrag zum Nachhören

Kraft und Mut

„Wir hoffen, dass der Herr uns Kraft und Mut schenkt. Und von unserer Seite aus: Was tun wir, um den Menschen in dieser Situation zu helfen – zumindest jenen, die zu uns gekommen sind und die wir versorgen? Wir haben mit einigen Decken geholfen, mit grundlegenden Gütern des täglichen Bedarfs und auch mit einem sicheren Unterkunftsort.“

„Der Hirte muss bei seiner Herde sein, er läuft nicht davon“

Wie lange sich die Kämpfe hinziehen werden, die diesmal besonders intensiv und auch langwierig sind, könne man nicht sagen, räumt der Bischof ein:

Möge der Herr wirklich ein wenig Frieden in die Herzen derjenigen legen, die kämpfen. Wir hoffen, dass diese Geschichte so bald wie möglich beendet wird, denn so ist es nicht leicht, wirklich nicht leicht. Wir haben bereits 14 Jahre Krieg hinter uns, und nun kehren wir wieder dorthin zurück.“

Gebet und internationale Gemeinschaft

An erster Stelle wolle er die Weltkirche um Gebet bitten, appelliert der Bischof: „An zweiter Stelle hoffe ich auf den Willen der internationalen Gemeinschaft, den beiden Parteien aufzuerlegen, diese Geschichte zu beenden, denn es ist genug Blut vergossen worden. Es reicht uns. Es reicht mit der Angst, es reicht mit den vielen Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben werden. Wir haben bereits mehr als 11 Millionen Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten. Wir haben sehr viel gelitten, und wir hoffen, dass die ganze Welt uns hilft, diesen Ort und unser Leben wieder aufzubauen. Und wir hoffen, dass der Herr uns beisteht. Das ist nichts Vorübergehendes, sondern etwas, das andauert.“

Doch er denke nicht daran, Aleppo zu verlassen, zeigt sich der Bischof abschließend kämpferisch:

„Der Hirte muss bei seiner Herde sein, er läuft nicht davon. Danke auch an Radio Vatikan, das mir die Möglichkeit gegeben hat, diese Botschaft zu übermitteln.“

(vatican news - cs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

08. Januar 2026, 12:34