Trauer in Sri Lanka Trauer in Sri Lanka  (ANSA)

Sri Lanka: Brutaler Übergriff auf offener Straße

Die katholische Kirche in Sri Lanka reagiert mit Entsetzen auf einen mutmaßlichen Gewaltakt durch Polizeibeamte. Ein Priester des Erzbistums Colombo wurde am vergangenen Wochenende auf offener Straße tätlich angegriffen. Die Kirche fordert nun eine lückenlose Untersuchung und die Bestrafung der Täter.

Der Vorfall ereignete sich am Abend des 24. Januar: Pater Milan Priyadarshana befand sich nach einer Messfeier auf dem Heimweg, als er von vier Polizeibeamten gestoppt wurde. Was als Routinekontrolle begann, eskalierte laut Kirchenangaben schnell in eine brutale Attacke. Der Priester wurde beschimpft, getreten und mit Schuhen sowie Helmen geschlagen.

Gezielte Demütigung des Klerus

Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass die Beamten ihr Opfer bewusst aufgrund seines Standes angriffen. „Sie erkannten ihn als Priester, da er seine Soutane trug“, urteilt Pater Jude Krishantha, nationaler Direktor für Massenkommunikation der Kirche in Sri Lanka. Laut Augenzeugen fielen dabei hasserfüllte Sätze: „Ihr seid diejenigen, die dieses Land mit ihren Soutanen und Gewändern zerstören“.

Pater Priyadarshana erlitt zahlreiche Prellungen und Hämatome und wurde in ein Krankenhaus in Negombo, etwa 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo, eingeliefert. Auf seiner Soutane seien noch immer die Abdrücke der Polizeistiefel zu sehen, hieß es bei einer Pressekonferenz.

Konstruierte Unfallvorwürfe?

Fragen wirft das Vorgehen der Polizei nach dem eigentlichen Angriff auf. Laut Pater Krishantha versuchten die Beamten, den Priester in einen Unfall zu verwickeln und ihn wegen „rücksichtslosen Fahrens“ zu bestrafen. Erst als Priyadarshana jede Tatbeteiligung bestritt und seine Fahrerlaubnis kontrolliert wurde, ließen die Polizisten von ihm ab.

Die Kirchenleitung lässt den Vorfall nicht auf sich beruhen. Bischof Maxwell Silva, Weihbischof in Colombo, besuchte den Verletzten gemeinsam mit Aktivisten und Abgeordneten im Krankenhaus. Auch der Minister für Wissenschaft und Technologie, Krishantha Abeysena, verurteilte die Tat als „schändlich und inakzeptabel“.

Kultur der Respektlosigkeit

Abeysena äußerte sein Bedauern über eine wachsende „Kultur der Respektlosigkeit“ gegenüber religiösen Führern in Sri Lanka. Sozialaktivisten wie Nalin Mallawarchchi sehen die Verantwortung auch bei der Politik: In den letzten Jahren hätten Politiker oft herabwürdigend über Geistliche gesprochen und damit ein gefährliches Klima geschaffen.

Der Vorfall weckt Erinnerungen an Episoden der Gewalt gegenüber der katholischen Minderheit in Sri Lanka. Die Kirche verwies in diesem Zusammenhang auf unaufgeklärte Morde an Geistlichen, wie etwa an Pater Srilal Amarathunga (1990) oder Pater Alfred Bernard Costa (2001), für die bis heute niemand zur Rechenschaft gezogen wurde. „Die Regierung hat die Verantwortung, dem Priester Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“, forderte der katholische Oppositionsabgeordnete Kavinda Jayawardena.

(ucan - mg)

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27. Januar 2026, 11:05