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Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das die katholische Kirche begleiten wird Sexualisierte Gewalt ist ein Thema, das die katholische Kirche begleiten wird  (AFP or licensors)

Spanien: Kirche ist zufrieden mit Missbrauchs-Einigung

Der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz, Luis Argüello, sieht den Umgang der katholischen Kirche seines Landes mit Missbrauchsfällen mittlerweile auf einem guten Weg.

In einer Radiosendung an diesem Montag würdigte der Erzbischof von Valladolid die Arbeit, die eine von der spanischen Kirche eingerichtete Kommission mit dem Kürzel „Priva“ in den letzten anderthalb Jahren geleistet hat. Dabei ging es um eine umfassende Wiedergutmachung für Opfer von Missbrauch innerhalb der Kirche, sofern der Fall verjährt oder der Täter verstorben ist. Bislang wurden mehr als hundert Anträge auf Entschädigungszahlungen in Höhe von rund zwei Millionen Euro registriert.

„Es wird deutlich, was die Kirche in den letzten Jahren gesagt hat: dass sie eine moralische Verpflichtung übernommen hat. Die Bischöfe oder Oberen religiöser Gemeinschaften übernehmen Verantwortung für Angelegenheiten, die vor langer Zeit geschehen sind, als keiner von ihnen das Amt innehatte, das er heute ausübt. Aber wir sind uns der extremen Schwere der Taten bewusst. Es ist eine Sünde, und zudem ein Verbrechen. Das Verbrechen ist verjährt, aber angesichts der Sünde sehen wir eine moralische Verpflichtung. Das hat uns dazu veranlasst, diese Schritte zu unternehmen.“


„Was jetzt geschieht, ist, dass man durch eine neue Tür eintreten kann“

Bischöfe und Ordensobere haben sich letzte Woche mit der linksgerichteten Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez darauf geeinigt, über den unabhängigen Ombudsmann einen alternativen Weg zur Betreuung der Opfer zu eröffnen. Für Erzbischof Argüello soll dieser Weg eine Ergänzung zur Arbeit der unabhängigen Kommission „Priva“ darstellen. Einige Beobachter stellen die Unabhängigkeit der „Priva“ in Frage; der Erzbischof hält dem entgegen, dass die Regierung die Arbeit der „Priva“ anerkannt habe.

Der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz
Der Vorsitzende der spanischen Bischofskonferenz

„Was jetzt geschieht, ist, dass man durch eine neue Tür eintreten kann, nämlich die Opferstelle des Ombudsmanns, und diese Opfer werden dort die Anerkennung als Opfer oder Nicht-Opfer finden, eine erste Bewertung, die von der ‚Priva‘ bestätigt werden muss. Im Falle einer möglichen Uneinigkeit über den Bericht des Ombudsmanns akzeptiert die Regierung, dass das Votum einer gemeinsamen Kommission den Ausschlag gibt. Sie setzt sich aus Personen zusammen, die für die Durchführung dieses Vorschlags zur umfassenden Wiedergutmachung kompetent sind.“


Mehr Opfern so gut wie möglich helfen

Argüello zeigte sich auch zufrieden darüber, dass die spanische Regierung bereit ist, das Gesetz zum Schutz von Kindern und Jugendlichen von 2021 weiterzuentwickeln. Damit werden Entschädigungen für Fälle von Missbrauch in allen sozialen Bereichen (die 99 Prozent der Gesamtzahl ausmachen) möglich,und die finanziellen Entschädigungen werden von der Einkommensteuer befreit.

„Bei der ‚Priva‘ haben wir festgestellt, dass die Finanzämter einen erheblichen Prozentsatz der von den Diözesen und Kongregationen gezahlten Entschädigungen einbehalten haben. Darum begrüßen wir diese Entscheidung der Regierung zur Steuerbefreiung. Die Vereinbarung hat mit dem Wunsch zu tun, mehr Opfern so gut wie möglich zu helfen und ein Bewusstsein für dieses Thema in allen Bereichen unserer Gesellschaft zu schaffen.“


Unklarheit über Zahl der Opfer

Nach Angaben des Vorsitzenden der Bischofskonferenz hat der Vatikan die spanische Kirche ermutigt, in dieser Angelegenheit Vereinbarungen mit der Regierung zu treffen. Argüello bekräftigt, dass der Heilige Stuhl von Anfang an „den sogenannten spanischen Weg“ zur umfassenden Wiedergutmachung für Missbrauchsopfer unterstützt habe. Eine vom Parlament eigens in Auftrag gegebene Untersuchung kam 2023 zu dem Schluss, dass es Hunderttausende Opfer von kirchlichem Missbrauch in Spanien geben könnte. Die Kirche veröffentlichte 2024 eine eigene, interne Studie, die für die vergangenen Jahrzehnte lediglich 1.057 einschlägige Fälle verzeichnete.

(cope – sk)
 

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12. Januar 2026, 11:46