Arbeiten an der Unglücksstelle Arbeiten an der Unglücksstelle  (ANSA)

Zugunglück in Spanien: Kirche an der Seite der Betroffenen

Das Zugunglück in Andalusien am vergangenen Sonntag hat ganz Spanien und viele Menschen darüber hinaus erschüttert. Eine der ersten unmittelbaren Anlaufstellen der Betroffenen war die Kirche San Andrés de Adamuz. „Auf die eine oder andere Weise, über verschiedene Kanäle, möchte die Kirche denjenigen, die dieses Unglück erlitten haben, so weit wie möglich beistehen und Trost spenden“, sagte Pfarrer Rafael Prados im Gespräch mit Radio Vatikan.

Renato Martinez und Christine Seuss – Vatikanstadt

Drei Tage nach dem tragischen Zugunglück in Adamuz bei Córdoba setzen die Rettungskräfte ihre Arbeit zur Bergung und Identifizierung der Opfer fort. Bislang wurden 42 Todesopfer des schweren Unfalls gezählt, Dutzende sind nach wie vor als vermisst gemeldet, während 39 Passagiere in Krankenhäuser eingeliefert werden mussten, 13 von ihnen auf die Intensivstation. Mittlerweile ist auch schweres Gerät zum Einsatz gekommen, um die beiden am stärksten beschädigten Waggons zu bergen. Auch das spanische Königspaar hat am Dienstag den Unglücksort besucht und seiner Betroffenheit Ausdruck verliehen. Wie weiter bekannt wurde, will Spanien ein Staatsbegräbnis für die Opfer ausrichten. Besonders tragisch: Erst vor wenigen Stunden kam es an zwei weiteren Orten in Spanien zu neuerlichen Zugunglücken, die ebenfalls – wenn auch in geringerem Ausmaß - Opfer forderten.

Adamuz erste Anlaufstelle

Rafael Prados Godoy ist Pfarrer der Pfarrei San Andrés de Adamuz. Sein Ort war die erste Anlaufstelle für die Verletzten und Betroffenen des tragischen Unfalls in Andalusien. Nachdem das Ausmaß der Tragödie kurz nach dem Unglück am Sonntag abgeschätzt werden konnte, richtete der Pfarrer gemeinsam mit Mitarbeitern und spontan herbeigeeilten Gemeindemitgliedern die Räumlichkeiten der Pfarrei als Aufnahmezentrum für Betroffene ein.

„Unmittelbar nachdem wir von dem Unfall erfahren hatten, wussten wir, dass die Zugpassagiere, die überlebt hatten, hierher in unser Dorf kommen würden. Die Menschen verließen sofort ihre Häuser und brachten alles mit, was ihrer Meinung nach helfen könnte. Einige brachten Wasser, andere sogar Matratzen, falls jemand hier übernachten musste, und wieder andere öffneten einfach ihren Kühlschrank, leerten ihn und brachten den Inhalt mit, falls die Menschen etwas zu essen brauchten.“

Trost und Zuspruch für die Betroffenen

Passagieren, die keine unmittelbare medizinische Versorgung benötigten, wurden eigene Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, berichtet Pfarrer Rafael Prados Godoy weiter:

„Da die Pfarrei etwas abseits des Logistikzentrums liegt, bei dem die Passagiere ankamen, beschlossen wir, einen Raum des Chors der Virgen del Sol zu öffnen. Dort begannen wir, die Passagiere zu versorgen, die keine medizinische Versorgung benötigten. Diejenigen, die mit schweren Verletzungen ankamen, wurden sofort mit dem Krankenwagen abtransportiert oder in diesem improvisierten Lazarett versorgt, und wir nahmen diejenigen auf, die einfach darauf warteten, an ihr Ziel gebracht zu werden. Wir versorgten sie dort mit dem, was wir hatten, mit Essen, Wasser und heißem Kaffee. Sobald sie sich gesetzt hatten und sich, soweit unter den Umständen möglich, ein wenig beruhigt hatten, begleiteten wir sie, hörten ihnen zu und ließen sie sich irgendwie Luft machen, um ihnen in diesem Moment des Schmerzes Trost zu spenden.“

Die Nähe der Kirche 

Wie der Pfarrer weiter berichtet, kam am 19. Januar, also am Tag nach dem Unglück, auch der Bischof von Córdoba, Jesús Fernández González, um den vom Unfall betroffenen Familien in Adamuz seine Nähe und Solidarität zu bekunden.

„Sobald er von dem Unfall erfahren hatte, rief mich der Bischof an, um zu fragen, wann er vorbeikommen könne. Ich sagte ihm, dass das in der Nacht schwierig sein würde. Also kam er am Morgen hierher, um mit den Angehörigen zu sprechen, die auf Nachrichten warteten. Er blieb eine Weile bei ihnen, unterhielt sich mit ihnen, hörte ihnen zu und spendete ihnen Trost. Danach wurden die Angehörigen in die Gegend von Córdoba gebracht, wo die Verstorbenen hingebracht werden, wo sich die Gerichtsmedizin befindet und wo sie auch in gewisser Weise durch den Kaplan des Krankenhauses Reina Sofía betreut werden, in dem die Verletzten liegen. Auf die eine oder andere Weise, über verschiedene Kanäle, möchte die Kirche diejenigen, die dieses Unglück erlitten haben, so weit wie möglich begleiten und trösten.“

Eine Messe für die Verstorbenen

Inmitten des Schmerzes wollte der Pfarrer von Adamuz jedoch auch eine Botschaft der Hoffnung an die Familien der von diesem Unfall betroffenen Menschen senden. „Sie können auf unsere Gebete und unsere Zuneigung zählen, und auch auf die Hilfe, die wir den Familien in Spanien leisten können!“ Der Seelsorger kündigte an, dass auch eine heilige Messe für die ewige Ruhe der Verstorbenen gefeiert werden soll:

„Wir warten darauf, dass die Arbeiten endlich abgeschlossen werden, und sobald wir die Namen aller Menschen kennen, für die wir beten können und müssen, werden wir eine Messe zelebrieren, um dem Herrn ihre Seelen anzuvertrauen.“

(vatican news - cs)

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21. Januar 2026, 13:18