„Es geht gar nicht um Latein“
In einer Zeit, in der die Welt in tiefe Dunkelheit gestürzt sei, sei es kaum zu fassen, dass die katholische Kirche so selbstbezogen sei, „dass sie glaubt, sich den Luxus leisten zu können, über ihre Liturgie zu streiten“. Das schreibt Mickens in seiner Kolumne „Letter from Rome“ für die katholische Nachrichtenagentur ucanews.
Selbsternannte katholische Influencer, die in den sozialen Medien von einer Rückkehr zu „Latein, Weihrauch, Gesang und heiligem Schweigen“ träumten, wüssten offenbar nicht, dass das Genannte kein Charakteristikum der früheren Liturgie, sondern auch im nachkonziliaren Ritus beheimatet sei. Auch Papst Leo XIV. habe in seinem ersten Interview darauf hingewiesen, dass man „auch heute die Messe auf Latein zelebrieren kann“, erinnert der Journalist. Was die zwei Riten voneinander unterscheide, sei gar nicht das Lateinische, sondern 400 Jahre Geschichte.
Die Debatte rührt an die Ekklesiologie
In Wirklichkeit, so Mickens, rühre die Debatte über die sogenannte „Alte Messe“ an die Ekklesiologie, also die Lehre von der Kirche. Die erneuerte Liturgie baue auf den Neuansätzen und Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils auf. Der vorkonziliare Ritus, der vor über 400 Jahren auf dem Konzil von Trient bestätigt wurde, spiegle demgegenüber nicht länger das Selbstverständnis der Kirche wider. Viele Befürworter der sogenannten „Alten Messe“ hätten eine vorkonziliare Ekklesiologie vor Augen und setzten sich „für eine muskulöse, patriotische, weiß-suprematistische Form des Christentums“ ein, wie sie auch US-Präsident Donald Trump vertrete.
Mickens wörtlich: „Das ist der Grund, warum es in einer Kirche, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil fußt, keinen Platz für eine vorkonziliare Liturgie gibt“. Er ruft Papst Leo XIV. dazu auf, sich gegen Versuche einer Rehabilitierung des vorkonziliaren Ritus zu stemmen.
Der Amerikaner Mickens berichtet seit vier Jahrzehnten aus Rom über den Vatikan. Elf Jahre lang arbeitete er in der englischsprachigen Abteilung von Radio Vatikan. Seinen „Letter from Rome“ schreibt er seit 2005, zunächst für die britische kirchliche Zeitschrift „The Tablet“.
(ucanews – sk)
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