Kyiv ohne Strom und Heizung: „Es ist das schlimmste Jahr“
Der humanitäre Koordinator der Hilfsorganisation VIS (Volontariato Internazionale per lo Sviluppo), Alberto Livoni, schildert die Lage drastisch: „Es fehlt überall an Strom, Heizung und Wasser. Es ist das schlimmste Jahr.“ Die Organisation arbeitet seit März 2022 in der Ukraine, die russische Aggression gegen das Nachbarland begann am 24. Februar 2022.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba zeigte sich resigniert. „Warum sollte Moskau überhaupt an ein Waffenstillstandsabkommen denken?“, fragte er. Russland habe „alles beschädigt, was im Energiesektor und in der Wirtschaft möglich war, noch vor dem Winter“. Ein abruptes Einlenken entspreche nicht der russischen Strategie, so Kuleba. Vor dem Ende des Winters zeichne sich kein Raum für Friedensverhandlungen ab.
In der Hauptstadt Kyiv stehen derweil nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko mindestens tausend Gebäude ohne Heizung da. Viele Haushalte hätten weder Strom noch fließendes Wasser.
Livoni bestätigt die dramatische Situation in mehreren Regionen. „Es ist ein extrem kritischer Moment in vielen der Regionen, in denen wir unsere humanitären Projekte gestartet haben“, erklärte er. Die Stromversorgung sei vor allem in großen Städten wie Dnipro und Kyiv unregelmäßig, teilweise fehle sie tagelang. „In diesem sehr harten Winter wurde auch die Versorgung mit Leitungswasser häufig unterbrochen.“
Seit 2023 richten sich Angriffe gezielt gegen die ukrainische Energieinfrastruktur. Die Folgen träfen vor allem die Zivilbevölkerung. „Trotz der Schwierigkeiten führt VIS alle Hilfsprojekte für die Zivilbevölkerung weiter“, sagt Livoni. Die Organisation verteile Lebensmittel, liefere Material zur Reparatur von Wohnungen, vor allem im Osten des Landes, und biete psychosoziale Unterstützung an, insbesondere für Kinder.
Zusätzliche Probleme entstehen durch Kürzungen internationaler Mittel. Die Schließung von USAID und Einschnitte bei humanitären Finanzierungen hätten die Einsätze auch in der Ukraine beeinträchtigt. „Dank der Unterstützung aus der italienischen Entwicklungszusammenarbeit sowie von privaten und institutionellen Geldgebern ist es VIS gelungen, die finanziellen Bedürfnisse zu decken, um bestehende Projekte aufrechtzuerhalten und sie teilweise auszuweiten“, erklärt Livoni. Das gelte vor allem für die Regionen Dnipropetrowsk und Charkiw. Priorität bleibe jedoch, ausreichend Mittel für die Wintermonate zu sichern, die „mit Sicherheit tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen werden“.
(vatican news – gs)
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