Ein kambodschanischer Soldat (rechts), der im Juli von thailändischen Soldaten gefangen genommen worden war , umarmt nach der Freilassung seine Tochter - 31. Dezember 2025 am ehemaligen internationalen Flughafen in Phnom Penh (Agenturfoto) Ein kambodschanischer Soldat (rechts), der im Juli von thailändischen Soldaten gefangen genommen worden war , umarmt nach der Freilassung seine Tochter - 31. Dezember 2025 am ehemaligen internationalen Flughafen in Phnom Penh (Agenturfoto) 

Kambodscha: Bischof fordert Gerechtigkeit und Wiedergutmachung

Der Apostolische Vikar von Phnom Penh, Bischof Olivier Schmitthaeusler, hat mangelnde Hilfe für die Menschen in Kambodscha angeprangert. „Thailändische Bulldozer zerstören kilometerweit die Häuser kambodschanischer Zivilisten, Stacheldraht und Container versperren den Zugang zu den Dörfern. Und alle internationalen Institutionen schweigen", heißt es in einem Appell des Vikars mit dem Titel „Schweigen“ von Mittwoch, 7. Januar 2026.

Weiter zitiert der vatikanische Nachrichtenagentur „Fides" aus dem Schreiben: „Die Tempel, heilige Stätten par excellence für die Verehrung der Götter und das Gedächtnis der Menschheit, wurden zu Staub zermahlen. Und die Welt schweigt."  Laut Bischof Schmitthaeusler ist Schweigen zwar nützlich, „um Gott zu bitten, uns zu erleuchten, uns Weisheit und Unterscheidungsvermögen zu schenken, uns allen, aber vor allem den Führern der Welt, damit wir die Wege der Wahrheit, des Rechts und der Gerechtigkeit beschreiten können“. „Aber natürlich“, bemerkt er, „dürfen wir nicht schweigen und zulassen, dass Unschuldige verachtet und gedemütigt werden, als gäbe es sogar für das menschliche Leben eine Wertehierarchie“.

„Nicht schweigen und zulassen, dass Unschuldige verachtet und gedemütigt werden“

Trotz eines Waffenstillstands lebten Hunderttausende Zivilisten und Kinder immer noch in „elenden Lagern". „Heute will auch Kambodscha seine Stimme erheben und fordert Gerechtigkeit und Wiedergutmachung auf der Weltbühne, wo die Macht der Gewalt zur neuen Regel geworden zu sein scheint", heißt es in dem Appell.

„Heute will auch Kambodscha seine Stimme erheben und fordert Gerechtigkeit und Wiedergutmachung auf der Weltbühne, wo die Macht der Gewalt zur neuen Regel geworden zu sein scheint“

 „Was wir heute erleben, ruft uns sicherlich zum Gebet auf, aber nicht zum Schweigen“. Bischof Schmitthaeusler bringt den Schmerz Besorgnis des gesamten kambodschanischen Volkes angesichts der lokalen Situation zum Ausdruck und erweitert den Blickwinkel auf den internationalen Kontext, indem er über die Lager vor Ort hinaus an die Kriegsszenarien in der Ukraine, im Gazastreifen und den jüngsten amerikanischen Luftangriff in Venezuela erinnert.

„Was wir heute erleben, ruft uns sicherlich zum Gebet auf, aber nicht zum Schweigen“

Der Kirchenmann fragt: „Gehört die Macht nur den Stärksten? Können 2.500 Jahre langes Bemühen griechischer Philosophen und christlicher Denker um die Werte der Demokratie, der Freiheit und der Souveränität der Völker innerhalb weniger Monate im Namen geopolitischer Interessen und unter Missachtung des Völkerrechts und vor allem unter Missachtung der einfachen Menschen, der neuen Märtyrer dieses 21. Jahrhunderts, zunichte gemacht werden?“.

„Gehört die Macht nur den Stärksten?“

Weihnachten macht Hoffnung

Doch der Glaube gebe Hoffnung: Bischof Schmitthaeusler erinnert an Weihnachten und betont: „,Der allmächtige Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, wird Mensch in einem Neugeborenen, zerbrechlich und schutzlos. Und dieser Jesus, unschuldiges Opfer menschlicher Eifersucht und Hass, religiöser und weltlicher Macht, Grausamkeit und Gier der Welt, wird am Kreuz sterben. Aus diesem Kreuz, Zeichen der Gewalt und Unmenschlichkeit des menschlichen Herzens, wird Leben entstehen, ewiges Leben und Erlösung für alle, die mit Taten und in Wahrheit lieben.“

Abschließend greift der Apostolische Vikar von Phnom Penh Appell die Worte von Papst Leo XIV. in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag vom 1. Januar 2026 auf: „ ,Friede auf Erden`, singen die Engel und verkünden die Gegenwart eines wehrlosen Gottes. Die Menschheit kann seiner Liebe nur dann gewahr werden, wenn sie sich seiner annimmt (vgl. Lk 2,13-14). (...) Weltweit ist es wünschenswert, dass jede Gemeinde […] ein ,Haus des Friedens` werden [soll], wo man lernt, Feindseligkeit durch den Dialog zu entschärfen; wo Gerechtigkeit praktiziert wird und Vergebung gelebt wird.“

Hintergrund

Im Dezember war ein im Juli vereinbarter und durch US-Präsident Donald Trump unterstützter fragiler Waffenstillstand zwischen den beiden Konfliktparteien gebrochen worden, seitdem kommt es zu Zusammenstößen in der Grenzregion, die auch Zivilisten in Mitleidenschaft ziehen. Der seit vielen Jahren schwelende Grenzkonflikt zwischen den Nachbarländern flammte neu auf. Bei den Kämpfen starben nach offiziellen Angaben mindestens 47 Menschen, rund eine Million Menschen wurden vertrieben. Am 27. Dezember einigten sich beide Seiten auf eine sofortige Waffenruhe - doch diese scheint brüchig. Die Vereinbarung gelte für alle Arten von Waffen und umfasse jedwede Angriffe auf zivile und militärische Ziele, hieß es in dem Abkommen. Beide Seiten wollten demnach ihre Truppenbewegungen einstellen und geflüchteten Zivilisten eine schnellstmögliche Rückkehr ermöglichen. 

(fides/agenturen - sst) 

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08. Januar 2026, 11:46