Die Schüler der Schulen der Kustodie des Heiligen Landes mit Pater Ibrahim Faltas in Jerusalem Die Schüler der Schulen der Kustodie des Heiligen Landes mit Pater Ibrahim Faltas in Jerusalem  

Jerusalem: Palästinensische Lehrer vor dem Aus

Ein neues Gesetz des israelischen Parlaments sorgt für tiefe Bestürzung unter den christlichen Bildungsträgern im Heiligen Land. Die Regelung verbietet Absolventen palästinensischer Universitäten ohne israelische Zusatzzertifizierung das Unterrichten in Israel. Für die Schulen der Kustodie bedeutet dies eine existentielle Krise – und für Hunderte Familien den Verlust ihrer einzigen Einnahmequelle.

Giada Aquilino und Mario Galgano - Vatikanstadt

Pater Ibrahim Faltas, Verantwortlicher für die Schulen der Kustodie des Heiligen Landes, findet deutliche Worte für die Entscheidung der Knesset vom vergangenen Mittwoch: „Es ist wirklich sehr schwerwiegend.“ Das Gesetz, das von zwei Likud-Abgeordneten vorangetrieben und mit 31 zu 10 Stimmen verabschiedet wurde, entzieht Lehrern mit Abschlüssen von Universitäten wie Bethlehem oder Hebron die Arbeitsgrundlage in israelischen Gebieten – einschließlich Ost-Jerusalems.

Zum Nachhören - was P. Faltas sagte

Existenzangst in der Westbank

In den palästinensischen Gebieten seien Lehrer derzeit die Einzigen, die überhaupt noch über ein Einkommen verfügen könnten, so Faltas. Seit Beginn des Krieges liege die Wirtschaft brach: Der Tourismus ist zum Erliegen gekommen, und viele Palästinenser mit Arbeitsgenehmigungen für Israel dürfen die Gebiete nicht mehr verlassen. Dass nun auch noch die pädagogischen Fachkräfte blockiert werden, trifft das soziale Gefüge ins Mark.

„Alle Palästinenser aus der Westbank, die an palästinensischen Universitäten studiert haben, werden nicht mehr in Israel unterrichten können“, warnt der Franziskaner. Dies gelte auch für renommierte christliche Institutionen wie die Universität von Bethlehem.

Schulen in Jerusalem vor der Schließung?

Besonders prekär ist die Lage in der Heiligen Stadt. Die Kustodie unterhält allein in Jerusalem fünf Schulen, insgesamt sind es 18 im ganzen Heiligen Land. Rund 235 Lehrer dieser Einrichtungen stammen aus dem Westjordanland, vor allem aus der Region Bethlehem, aber auch aus Hebron und Ramallah.

„Ohne sie müssten wir alle diese Schulen schließen, weil es in Jerusalem keine Lehrer gibt; man findet dort einfach keine“, erklärt Faltas. Betroffen sind vor allem die 15 christlichen Schulen Jerusalems mit ihren etwa 12.000 Schülern – darunter viele Muslime. Auch das Musikinstitut „Magnificat“ in der Altstadt, das für seinen interreligiösen Ansatz bekannt ist und auch von jüdischen Kindern besucht wird, stünde vor gewaltigen personellen Problemen.

Erziehung als „Werkzeug des Friedens“

Während Befürworter des Gesetzes argumentieren, man wolle damit „Aufwiegelung zu Gewalt und Hass“ gegen Israel entgegenwirken, betonen arabischsprachige Knesset-Mitglieder den diskriminierenden Charakter der Norm. Pater Faltas hält dem die Realität in den christlichen Klassenzimmern entgegen: „Diese Lehrer arbeiten in christlichen Schulen. Wir beginnen unseren Unterricht mit dem kleinen Gebet des heiligen Franz von Assisi: ‚Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens‘.“

Zwar soll das Gesetz laut Berichten des Times of Israel nicht für bereits fest angestellte Lehrer des Bildungsministeriums gelten, doch die Unsicherheit bleibt groß. Pater Faltas hofft inständig, dass die 235 betroffenen Familien, von denen viele seit zwanzig oder dreißig Jahren in Jerusalem arbeiten, nicht unter die neue Regelung fallen.

Schon in den letzten Wochen kam es zu Schulstreiks, da Arbeitsgenehmigungen für Samstage – einen regulären Schultag in diesen Einrichtungen – verweigert worden waren. „Wir waren eine Woche ohne Schule“, berichtet Faltas. Das neue Gesetz droht nun, diese punktuellen Störungen in eine dauerhafte Lähmung des christlichen Bildungswesens zu verwandeln.

(vatican news)

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27. Januar 2026, 10:00