Die Pater-Noster-Kirche auf dem Ölberg in Jerusalem (Illustrationsfoto). Die Pater-Noster-Kirche auf dem Ölberg in Jerusalem (Illustrationsfoto). 

Jerusalem: Christliche Schulen beenden Streik

Nach einem mehrtägigen Stillstand kehrt wieder Leben in die christlichen Schulen der Heiligen Stadt zurück. Ab Samstag, dem 17. Januar, soll der Unterricht für rund 10.000 Schüler wieder aufgenommen werden. Vorausgegangen war ein massiver Protest gegen die Entscheidung der israelischen Behörden, die Arbeitsgenehmigungen für über 170 Lehrkräfte aus dem Westjordanland nicht zu verlängern.

Olivier Bonnel - Vatikanstadt

Seit dem vergangenen Samstag, dem 10. Januar, blieben die Tore von zwölf christlichen Schulen in Jerusalem geschlossen. Der Grund für diese drastische Maßnahme war die Annullierung bzw. Nicht-Verlängerung von 171 Arbeitsgenehmigungen für Lehrer, die im Westjordanland leben, aber in Jerusalem unterrichten. Das Generalsekretariat der christlichen Schulen verurteilte dieses Vorgehen als „willkürlich“ und sah sich außerstande, einen regulären Schulbetrieb zu gewährleisten.

Am Donnerstagnachmittag gab es schließlich die lang ersehnte Entwarnung: Die Schulen erhielten die Zusage, dass die Genehmigungen erneut erteilt werden. Doch die Krise sitzt tief.

Zum Nachhören - was Br. Daoud sagt

Ein „Sommer der Unsicherheit“

Die Ursprünge der aktuellen Krise reichen bis in den vergangenen Sommer zurück. Br. Daoud Kassabry, Direktor des traditionsreichen Collège des Frères (gegründet 1904), berichtet von einer zermürbenden Ungewissheit: „Einen Monat lang durften unsere Lehrer nicht nach Jerusalem kommen, obwohl wir sie für die Sommercamps und die Instandhaltung der Gebäude brauchten.“ Zwar wurden die Papiere im August bis zum Jahresende verlängert, doch seit dem 30. Dezember herrschte erneut Funkstille – bis zum jetzigen Streik.

Die nun erteilten Genehmigungen waren zudem mit „unverständlichen Einschränkungen“ versehen. So wurden Berichten zufolge Genehmigungen für unverheiratete Lehrkräfte verweigert. Zudem galten einige Erlaubnisse nur für fünf Tage pro Woche und schlossen den Samstag aus – einen regulären Schultag für christliche Einrichtungen, während in Israel der Sabbat begangen wird.

Kampf um die Identität

Hinter dem Streit um die Arbeitserlaubnisse verbirgt sich nach Ansicht vieler Beobachter ein tiefergehender Konflikt. Das palästinensische Bildungsministerium sprach von einem „gezielten Angriff auf das palästinensische Bildungssystem in Jerusalem“, um dessen Identität zu schwächen.

Auch Br. Daoud sieht einen wachsenden Druck: „Wir wissen, dass die israelischen Behörden darauf drängen, dass wir das 'Bagrut' – den israelischen Lehrplan – übernehmen. Aber dieses Programm widerspricht unserer Kultur und unserer Identität. Das sind nicht wir.“

Ein Modell des Friedens in Gefahr

Die christlichen Schulen in Jerusalem gelten seit Jahrzehnten als Orte der Begegnung, an denen christliche und muslimische Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Erziehung zum Frieden und zur Geschwisterlichkeit seien hier zentrale Werte, so der Schulleiter Br. Daoud.

Die Sorge vor weiteren Einschränkungen bleibt jedoch bestehen. In der Knesset wird derzeit über einen Gesetzesentwurf debattiert, der Lehrkräften, die in palästinensischen Gebieten studiert haben, die Anstellung untersagen könnte – eine Spätfolge der Ereignisse vom 7. Oktober 2023. Für die Schulen in Jerusalem steht fest: Ihr Modell der Koexistenz ist heute wichtiger, aber auch gefährdeter denn je.

(vatican news - mg)

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16. Januar 2026, 11:06