Gebetskundgebung in der jemenitischen Hafenstadt Aden zur Unterstützung der südjemenitischen Separatisten Gebetskundgebung in der jemenitischen Hafenstadt Aden zur Unterstützung der südjemenitischen Separatisten  (AFP or licensors)

Jemen: Neuer Konflikt im Süden schwächt Regierung weiter

Seit zwölf Jahren ist im Jemen Bürgerkrieg. Im Norden kämpfen Huthi-Rebellen gegen die nationalen Streitkräfte, beide werden von außen gestützt: die Rebellen vom Iran, die jemenitischen Soldaten von Saudi-Arabien. Nun steht die international anerkannte Regierung zusätzlich unter Druck. Im Süden eröffneten Separatisten vor einigen Wochen eine neue Front.

Die Separatisten des sogenannten Südlichen Übergangsrats griffen mehrere Gouvernements im Südosten an, darunter frühere Verbündete der Regierung. Rückendeckung erhielten sie dabei von den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das machte die Lage im Jemen noch komplizierter: „Es gibt eine klare Bruchlinie zwischen den regionalen Interessen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate“, sagte der Jemen-Experte Franck Mermier im Interview mit uns.

Nach Angaben der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition reagierte Riad mit Luftangriffen auf Stellungen der Separatisten. Zuletzt meldete die Koalition, der Vorsitzende des Südlichen Übergangsrats sei in die Emirate geflohen. Für Mermier zeigen diese Entwicklungen eine Eskalation innerhalb eines bislang gemeinsamen Bündnisses. Die Separatisten seien „Anfang Dezember in die Eroberung von Gouvernements gestartet“, erklärte er.

Betroffen seien vor allem Hadramaut und al-Mahra im Osten des Landes. Beide Gouvernements grenzen an Saudi-Arabien, al-Mahra zusätzlich an Oman. Hadramaut verfügt zudem über Ölreserven, erklärte der Jemen-Fachmann. Durch die Offensive hätten die Separatisten versucht, „politische und militärische Kontrolle über ein extrem großes Gebiet“ zu erlangen. Das Territorium stehe bislang „theoretisch unter der Kontrolle Saudi-Arabiens“, so Mermier.

„Die wirtschaftliche Frage spielt eine wichtige Rolle“

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Die Ölreserven seien jedoch nicht der alleinige Antrieb der von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützten Separatisten. „Die wirtschaftliche Frage spielt eine wichtige Rolle“, sagte der Forscher. Ausschlaggebend war dabei das politische Ziel des Südlichen Übergangsrats. Dessen Projekt umfasste „das gesamte Territorium des Südens, das zwischen 1967 und 1990 die Volksdemokratische Republik Jemen bildete“. Zuletzt kontrollierten die Separatisten vier Gouvernements: Aden, Lahidsch, Abyan und ad-Dali. Doch unter dem Druck Saudi-Arabiens mussten sie nachgeben; mittlerweile soll sich der Südliche Übergangsrat selbst aufgelöst haben. Der Einfluss der Separatisten im Süden ist aber weiterhin groß, wie eine Demonstration in Aden belegt hat.

Dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Separatisten im Süd-Jemen unterstützten, fügte sich nach Mermiers Angaben in eine langfristige Strategie ein. Abu Dhabi verfolge „seit sehr langer Zeit eine Politik des Einflusses entlang der Küsten des Indischen Ozeans und des Roten Meeres“, so der Geopolitik-Experte. Die Emirate seien militärisch und politisch auf der jemenitischen Insel Sokotra präsent und kontrollierten bis vor kurzem auch den Hafen von Aden, das wichtigste Seehafenzentrum des Jemen.

Rebellen im Norden, Separatisten im Süden

Die jüngsten Turbulenzen haben die Regierung in Sanaa weiter angeschlagen. Sie steht nun gleichzeitig den Huthi-Rebellen im Norden und Separatisten im Süden gegenüber. Diese Entwicklung habe das Regierungslager „geschwächt“, sagte Mermier, und seine Fähigkeit beeinträchtigt, den Konflikt mit den Huthi wirksam zu führen.

Die Huthi-Rebellen kämpfen für politische Macht und Einfluss im Jemen und gegen das, was sie als ausländische Bevormundung empfinden. Auch ihr religiös-politisches Selbstverständnis spielt im Bürgerkrieg eine Rolle: Die Huthi stammen aus der schiitischen Tradition im Norden des Jemen. Sie präsentieren sich als Verteidiger dieser Gemeinschaft gegen den sunnitischen Islam, der in den meisten Staaten der Region die große Mehrheit der Bevölkerung stellt.

(vatican news – gs)

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13. Januar 2026, 11:52