Italien: Solidarität mit Caritas Jerusalem
Stefano Leszczynski – Vatikanstadt
Nach Angaben des israelischen Ministeriums für Diaspora-Angelegenheiten verlieren jene Nichtregierungsorganisationen, die die geforderten Voraussetzungen nicht erfüllen, ihre Genehmigungen und müssen ihre Tätigkeit im Gazastreifen bis zum 1. März 2026 einstellen. Zahlreiche internationale Organisationen haben diese Entscheidung kritisiert und warnen vor einer weiteren Verschärfung der dramatischen humanitären Krise im palästinensischen Gebiet, wo der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen wie medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln und Wasser weiterhin unzureichend ist. Zu den von Israel ausgeschlossenen Organisationen gehören unter anderem Ärzte ohne Grenzen, der Norwegische Flüchtlingsrat, Care International, Oxfam und ActionAid, aber auch Caritas Jerusalem.
Die Reaktion des Lateinischen Patriarchats
Im Zusammenhang mit der Nichtverlängerung der Genehmigung für Caritas Jerusalem hatte das Lateinische Patriarchat von Jerusalem in den vergangenen Tagen eine Stellungnahme veröffentlicht, in der betont wird, dass es sich bei der Institution um eine humanitäre und entwicklungspolitische Organisation handele, die unter der Aufsicht und Leitung der Versammlung der katholischen Ordinarien des Heiligen Landes steht. In Israel sei Caritas Jerusalem eine „kirchliche juristische Person“, deren Status und Auftrag vom Staat Israel durch das Grundlagenabkommen von 1993 sowie das Abkommen über die Rechtspersönlichkeit von 1997 zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Israel anerkannt worden seien.
Weiter wird klargestellt, dass Caritas Jerusalem keinen neuen Registrierungsprozess bei den israelischen Behörden eingeleitet habe und ihre humanitären und entwicklungspolitischen Aktivitäten in Gaza, im Westjordanland und in Jerusalem im Einklang mit ihrem Auftrag fortsetzen werde.
Die Solidarität von Caritas Italien
Die neuen Regelungen der israelischen Regierung haben auch bei der Leitung von Caritas Italien Überraschung ausgelöst. Die Unterstützung für Caritas Jerusalem bleibe jedoch uneingeschränkt bestehen, versichert die stellvertretende Leiterin Silvia Sinibaldi im Gespräch mit Radio Vatikan. Caritas Jerusalem arbeite auf einer rechtlichen Grundlage, die aus den Abkommen zwischen dem Staat Israel und dem Heiligen Stuhl hervorgegangen sei, bekräftigt sie im Einklang mit der Haltung des Lateinischen Patriarchates. Caritas Internationalis, die ebenfalls auf der Liste der israelischen Behörden stehe, führe hingegen keine direkten Projekte im Land durch. Daher sei diese Entscheidung unerwartet und unverständlich gewesen.
Unverzichtbare Hilfsmaßnahmen
Caritas Jerusalem hatte in den vergangenen Tagen bereits ihre Entschlossenheit bekräftigt, ihre Mission sowohl im Gazastreifen als auch im Westjordanland fortzusetzen, auch wenn die tägliche Arbeit vor Ort von großer Unsicherheit und Instabilität geprägt ist. Die italienische Caritas-Organisation steht Caritas Jerusalem nicht nur durch Gebet und Begleitung zur Seite, sondern auch durch konkrete Unterstützung humanitärer Maßnahmen, insbesondere in den Bereichen Gesundheitsversorgung und psychosoziale Hilfe.
Konkrete Hilfe
Zu den zahlreichen Nothilfemaßnahmen, die dank der Spenden an das Caritas-Netzwerk umgesetzt werden, gehört auch ein Projekt im Westjordanland, das 250 Familien wirtschaftlich und gemeinschaftlich unterstützt, damit sie die Weihnachtszeit mit mehr Ruhe begehen konnten.
Im Gazastreifen unterstützt Caritas Jerusalem Projekte zur Mutter-Kind-Gesundheit sowie zur psychischen Gesundheit. So wurde beispielsweise das ehemalige Papamobil, welches Papst Franziskus Caritas Jerusalem überlassen hatte, in eine mobile Kinderklinik umgebaut. Diese Initiative, so Sinibaldi, sei „wie das Entzünden einer Fackel der Hoffnung an einem Ort, an dem fast nichts mehr existiert“.
(vatican news - cs)
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