Iran: Generation Z führt Aufstand gegen das Regime an
Cecilia Seppia - Vatikanstadt
Die Zahlen sind erschütternd: Die Organisation „Iran Human Rights“ spricht von mindestens 648 getöteten Demonstranten seit Ausbruch der jüngsten Unruhen am 28. Dezember. Oppositionsmedien wie „Iran International“ gehen sogar von bis zu 12.000 Todesopfern aus und bezeichnen die Ereignisse der Nächte vom 8. und 9. Januar als das „größte Massaker in der Zeitgeschichte des Landes“. Mehr als 10.000 Menschen wurden verhaftet, das Internet bleibt weitgehend blockiert.
Der Zündstoff: Wirtschaftliche Not und verlorene Hoffnung
Für Farian Sabahi, Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Insubria, liegt die Ursache der Proteste in der wirtschaftlichen Verzweiflung. Im Gespräch mit den Vatikan-Medien erklärt sie, dass die „Lunte“ durch eine galoppierende Inflation und horrende Lebenshaltungskosten entzündet wurde. „Händler schließen ihre Läden, weil sie wissen, dass sie die Waren am nächsten Tag im Großhandel teurer einkaufen müssen, als sie sie heute verkaufen können“, so Sabahi.
Besonders die Generation Z treibe den Protest voran. Die jungen Iraner sehen in einem Land, das zwar reich an Erdöl und Gas ist, aber unter Missmanagement und Sanktionen leidet, keine Zukunft mehr. „Sie können keinen Job finden, nicht heiraten und leiden unter der massiven Unterdrückung ihrer Lebensentwürfe“, analysiert die Expertin. Zudem habe das Regime an Legitimität verloren, nachdem es im vergangenen Juni bewiesen hatte, dass es nicht einmal die eigenen Grenzen gegen externe Angriffe verteidigen konnte.
Trump verspricht Hilfe – EU verschärft Sanktionen
International nimmt der Druck auf Teheran massiv zu. US-Präsident Donald Trump kündigte an Bord der Air Force One an, dass Hilfe für die Demonstranten „unterwegs“ sei. Er ermutigte die Jugend offen, auf die Hauptstadt zu marschieren. Gleichzeitig drohte Washington mit massiven Sekundärzöllen: Jedes Land, das mit dem Iran Handel treibt, soll eine Strafsteuer von 25 Prozent auf alle Transaktionen mit den USA zahlen – eine Maßnahme, die insbesondere China scharf kritisierte.
Auch die Europäische Union reagiert. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die „exzessive Gewalt“ und kündigte in Zusammenarbeit mit der Hohen Vertreterin Kaja Kallas weitere Sanktionen gegen die Verantwortlichen der Repression an. Das EU-Parlament hat bereits allen iranischen Diplomaten den Zutritt zu seinen Gebäuden untersagt.
Diplomatie hinter verschlossenen Türen?
Trotz der kriegerischen Rhetorik gibt es im Hintergrund offenbar erste diplomatische Kontakte. Laut Trump habe die iranische Führung um Verhandlungen gebeten. Außenminister Abbas Araghchi erklärte seinerseits, Teheran sei „bereit für Krieg und Dialog“.
Professorin Sabahi warnt jedoch vor vorschnellem Optimismus hinsichtlich eines neuen Abkommens zwischen Trump und den Ayatollahs. „Trump war derjenige, der 2018 das Atomabkommen aufkündigte und die Sanktionen einführte, die die iranische Wirtschaft in die Knie zwangen“, erinnert sie. Ein jetziges Abkommen könnte zwar die Islamische Republik stabilisieren, würde aber laut Sabahi „zu Lasten jener tausenden Demonstranten gehen, die in den letzten Jahren ihr Leben für die Freiheit gelassen haben“.
(vatican news - mg)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.