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Pater Rami Asakrieh mit Gläubigen in einem Pfarreisaal in Jerusalem Pater Rami Asakrieh mit Gläubigen in einem Pfarreisaal in Jerusalem 

Heiliges Land: Lateinisches Patriarchat setzt auf Bildung

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem hat vor wenigen Tagen den ersten Hilfskonvoi des Jahres in den Gazastreifen geschickt. Es fallen keine Bomben mehr, doch zwei Millionen Menschen leben ohne Wohnung und Grunddienste. Besonders wichtig ist in dieser Lage aber auch Bildung.

Wie der Kanzler des Patriarchats, Pater Davide Meli, erklärte, lebten die Menschen im Gazastreifen auf einem Gebiet, das durch die Waffenruhe vom 10. Oktober „fast um die Hälfte verkleinert“ sei. Meli koordiniert die Hilfen seit Beginn des Krieges. Die lateinische Kirche gehöre zu den wenigen Institutionen mit regelmäßigem Zugang zum Gazastreifen und bringe alle 15 Tage Unterstützung. Die Lage bei den Lebensmitteln habe sich entspannt: „Jetzt braucht es Zelte und Decken“, so der Franziskaner.

Drei Monate nach Inkrafttreten der Waffenruhe bleibe die Lage instabil. Es gebe keine funktionierende Kanalisation, keinen Strom, keine Arbeitsplätze. Auch die Schulen seien zerstört. „Vor dem Krieg gab es fünf christliche Schulen in Gaza“, so Meli. Heute sei nur noch eine geöffnet, jene der Pfarre zur Heiligen Familie. Dort besuchten täglich zwischen 160 und 180 Kinder den Unterricht. Sie gehörten zu rund 400 Menschen, die in der Pfarre Zuflucht gefunden hätten. „Die Investition in Bildung ist der Weg in die Zukunft. Man muss versuchen, eine Zukunft zu geben“, betonte Meli.

Jerusalem: Noch schwerer als zur Corona-Zeit

Auch in Jerusalem setze das Patriarchat auf Bildungs- und Sozialprogramme. Die christliche Gemeinschaft zähle dort mehr als 6.000 Mitglieder, erklärte der Pfarrer von St. Salvator, Pater Rami Asakrieh. „Die Familien erleben wegen des Krieges sehr schwierige Zeiten, noch härter als während der Covid-19-Pandemie“, sagte er. Das Leben in Jerusalem sei besonders teuer. „Die Miete kann dem Gegenwert von 1.800 Euro im Monat entsprechen und bis zu 70 Prozent des Einkommens ausmachen.“ Viele Familien könnten sich Fleisch oder höhere Schulgebühren kaum leisten.

Um ihre Identität zu bewahren, schickten viele Christen ihre Kinder auf christliche Schulen. Weil diese als private Einrichtungen aber Schulgeld verlangen müssen, stellten die Kustodie des Heiligen Landes und das Patriarchat vergünstigte Mietwohnungen zur Verfügung.

Angesichts sinkender Bevölkerungszahlen warnte der Sozialforscher Usama Salman vor langfristigen Folgen. „Die Schlüsselrolle hat die Bildung“, sagte er. „Man muss eine Generation vorbereiten, die die christliche Identität verteidigen kann, denn wenn junge Menschen ihre Geschichte nicht kennen, können sie sie anderen niemals bezeugen.“

(vatican news - gs)

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09. Januar 2026, 16:25