Guatemala: Soldaten bewachen Männergefängnis Guatemala: Soldaten bewachen Männergefängnis  (AFP or licensors)

Guatemala: Kirche ruft zum Widerstand auf

Nach einer Welle blutiger Gefängnisrevolten und der gezielten Ermordung von zehn Polizisten herrscht in Guatemala eine „surreale Stille“. Bischof Rodolfo Valenzuela Núñez, Vorsitzender der guatemaltekischen Bischofskonferenz, hat vor einer Eskalation gewarnt und machte deutlich: Die Schuldigen sitzen nicht nur in den Gefängniszellen, sondern auch in den Chefetagen von Wirtschaft und Politik.

Federico Piana und Mario Galgano - Vatikanstadt

„Unter den Bürgern regieren Vorsicht und Angst“, berichtet der Bischof von Vera Paz im Gespräch mit den vatikanischen Medien. Während Soldaten und schwer bewaffnete Polizisten in der Hauptstadt Patrouille laufen, trauen sich viele Menschen nicht auf die Straße. Der Ausnahmezustand wurde für 30 Tage verhängt, nachdem Bandenmitglieder in drei Gefängnissen Revolten angezettelt und Polizisten in terroristischen Hinterhalten hingerichtet hatten.

Gefängnisse in der Hand der Mafia

Über 200 Personen wurden bereits verhaftet, darunter Mitglieder der berüchtigten Gangs „Barrio 18“ und „Mara Salvatrucha“. Doch Bischof Valenzuela Núñez blickt tiefer: Die Revolten seien nur möglich, weil die Gefängnisse faktisch von der Kriminalität kontrolliert würden. „Es gibt korrupte Gefängniswärter und ein fehlerhaftes Justizsystem, das in diesen Haftzentren das Gesetz nicht durchsetzt“, prangert er an. Die Gangs versuchten so, Hafterleichterungen für ihre Bosse zu erzwingen.

Die „hintergründigen Interessen“

Der Bischof schließt sich der Analyse von Präsident César Bernardo Arévalo de León an: „Wir wissen, wer dahintersteckt: Gruppen, die von der Korruption profitieren und sich weigern, das Land in Transparenz und Gerechtigkeit leben zu lassen.“ Laut Valenzuela Núñez sind die Bandenmitglieder nur der ausführende Arm. Die wahren Verantwortlichen seien „wirtschaftliche und ideologische Interessen“, die im Verborgenen agieren.

Die Kirche sieht die Regierung Arévalo zwar als geschwächt an, betont aber, dass sie in diesem „ungleichen Kampf gegen die finsteren Mächte“ unterstützt werden müsse. Um die Sicherheit der Gläubigen zu gewährleisten, mussten in der Erzdiözese Santiago de Guatemala bereits Abendmessen und kirchliche Versammlungen abgesagt werden.

Ein entscheidendes Jahr für die Justiz

Der Zeitpunkt der Gewalt ist laut der Bischofskonferenz kein Zufall. In diesem Jahr stehen wichtige Wahlen für die Richter der obersten Gerichtshöfe an. „Wenn es nicht gelingt, die Korruption in diesen Gremien zu beenden, wird der Rest nicht funktionieren“, warnt der Bischof. Er kritisiert zudem das auffällige Fehlen von engagierten Christen in der aktiven Politik.

„Wir lehnen willkürliche Aktionen ohne ordentliches Verfahren ab“, mahnt Valenzuela Núñez mit Blick auf Forderungen nach Schnelljustiz. Es reiche nicht, die kriminellen Handlanger zu verhaften – man müsse die „raffinierten Köpfe“ dahinter identifizieren und mit der ganzen Härte des Gesetzes bestrafen. In diesem Kampf berufen sich die Bischöfe auf Märtyrer wie Juan Gerardi, die in der Vergangenheit ihr Leben im Widerstand gegen die Gewalt ließen.

(vatican news)

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23. Januar 2026, 13:11