Die Hilfe in Gaza ist trotz leichter Steigerung völlig unzureichend. Die Hilfe in Gaza ist trotz leichter Steigerung völlig unzureichend. 

Gaza: Ein Schrei nach Hilfe inmitten von Trümmern und Zelten

Während die internationale Gemeinschaft über den von US-Präsident Trump in Davos initiierten „Board of Peace“ für den Wiederaufbau Gazas debattiert, bleibt die Lage für die Menschen im Gazastreifen katastrophal. Roberto Scaini, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen (MSF), richtete an diesem Freitag einen verzweifelten Appell an die Welt: „Lassen Sie das Licht über Gaza nicht ausgehen.“

Beatrice Guarrera und Mario Galgano - Vatikanstadt

In einem Telefonat mit den Vatikan-Medien findet Scaini deutliche Worte. Er fordert die Weltgemeinschaft auf, „die Heuchelei aufzugeben und endlich konkret und gerecht für die Bevölkerung zu handeln“. Seit zwei Monaten leitet er die medizinischen Aktivitäten im Norden des Gazastreifens – dem Gebiet, das in den vergangenen zwei Jahren am stärksten zerstört wurde. „Die Situation ist katastrophal. Das ist das einzige Wort, mit dem ich sie definieren kann“, so der Mediziner.

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Hilfe bleibt „völlig unzureichend“

Zwar ist die Menge der Hilfsgüter, die in den Küstenstreifen gelangen, rund 100 Tage nach Inkrafttreten des letzten Waffenstillstands leicht gestiegen, doch Scaini warnt: Diese Hilfe sei noch immer „völlig unzureichend“. Angesichts der massiven Zerstörung der Infrastruktur durch israelische Bombardierungen seien die Bedürfnisse der Menschen schlichtweg unüberwindbar.

Aktuell leistet MSF in sechs Krankenhäusern, zwei Feldlazaretten und mehreren Kliniken medizinische Hilfe. Doch neue bürokratische Hürden und Registrierungskriterien Israels für NGOs bedrohen nun die Arbeit der Organisation. „Wir unterstützen ein Drittel der Entbindungsbetten und ein Fünftel aller verfügbaren Krankenhausbetten im gesamten Gazastreifen“, erklärt Scaini. Sollte MSF die Arbeit einstellen müssen, wären die Folgen „unbeschreiblich“. Man töte Menschen nicht nur mit Waffen, sondern auch, indem man ihnen das Recht auf medizinische Versorgung entziehe.

MSF-Team in der Klinik von Al Mawasi
MSF-Team in der Klinik von Al Mawasi

Verlust der sozialen Struktur und Identität

Besonders dramatisch beschreibt Scaini den psychischen Zustand der Menschen. 98 Prozent der MSF-Mitarbeiter sind Einheimische, die selbst unter Bombenangriffen, Vertreibung und Hunger gelitten haben. „Diese Menschen haben alles verloren: Familie, Freunde und ihre gesamte soziale Struktur. Es ist, als ob in kürzester Zeit alles, was hier existierte, annulliert wurde“, beobachtet Scaini. Es gehe nicht nur um materielle Güter, sondern um Erinnerungen und emotionale Bindungen, die unwiederbringlich zerstört seien.

Katastrophe in der Katastrophe: Der Winter

Zu den Kriegsschäden kommt nun das Wetter. Tausende leben weiterhin in Zelten, die durch Regen und Wind beschädigt wurden. Bei den derzeitigen eisigen Temperaturen sei dies eine „Katastrophe in der Katastrophe“. Scaini schließt mit einer dringlichen Priorität: „Das primäre Bedürfnis ist es jetzt, der Bevölkerung ein festes Dach über dem Kopf zu geben.“

(vatican news)

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24. Januar 2026, 11:26