Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem und die Begegnung mit der christlichen Gemeinde in der Geburtskirche Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem und die Begegnung mit der christlichen Gemeinde in der Geburtskirche  

Bethlehem: Die Rückkehr der Pilger bringt neue Hoffnung

Nach den Jahren der Pandemie und den verheerenden Auswirkungen des Krieges in Gaza versucht Bethlehem, den religiösen Tourismus wiederzubeleben. Doch während die ersten Pilgergruppen zurückkehren, kämpft die christliche Gemeinschaft in der Westbank weiterhin mit Massenarbeitslosigkeit, Reisebeschränkungen und einer medizinischen Krise.

Michele Raviart - Bethlehem

„Bethlehem, das sind nicht nur wir. Auch ihr seid ein Teil davon.“ Mit diesen Worten empfing ein lokaler Souvenirhändler eine Pilgergruppe der Opera Romana Pellegrinaggi (ORP) im Kloster neben der Geburtskirche. Es ist eine Botschaft, die die tiefe Verbundenheit der lokalen Christen mit den Gläubigen aus aller Welt unterstreicht. In seiner Werkstatt beschäftigt der Händler 25 Familien, die traditionelles Kunsthandwerk herstellen. Doch diese Existenzgrundlage steht auf dem Spiel: Der religiöse Tourismus, die Haupteinnahmequelle der Stadt, war durch die Pandemie und den Krieg in Gaza faktisch zum Erliegen gekommen. Für die christliche Gemeinschaft, die etwa ein Viertel der 30.000 Einwohner Bethlehems ausmacht, geht es um das reine Überleben.

An diesem Freitag zeichnen sich jedoch erste Zeichen der Besserung ab. „Dieser Besuch der ORP ermutigt uns sehr“, berichtet Pater Raffaele Tayem, der Pfarrer von Bethlehem. Bisher habe man sich mit Hilfsgeldern aus dem Ausland, vom Lateinischen Patriarchat und der Kustodie des Heiligen Landes über Wasser gehalten, doch die Reserven seien endlich. Das Weihnachtsfest, das nach zweijähriger Pause wieder in größerem Rahmen gefeiert werden konnte, markierte einen Wendepunkt. Nun hofft die Stadt, dass die Pilgerströme in den nächsten Monaten wieder das Vorkriegsniveau erreichen. Dabei betonen die Bürger: „Es reicht nicht, nur die Basilika zu sehen. Man muss auch die Menschen und die Stadt kennenlernen.“

Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem
Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem

Die Westbank als „Gefängnis“

Trotz der Hoffnung bleibt die politische Realität bedrückend. Bethlehem droht, wie andere Städte in den palästinensischen Gebieten der Westbank, immer mehr isoliert zu werden. Seit dem 7. Oktober 2023 haben sich die israelischen Checkpoints vervielfacht. Eine Fahrt von Bethlehem nach Ramallah, die früher 40 Minuten dauerte, nimmt heute oft mehr als zwei Stunden in Anspruch. Diese Einschränkungen haben verheerende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Viele Bewohner, die früher in Jerusalem arbeiteten, erhalten keine Genehmigungen mehr oder scheitern an den extrem engen Zeitfenstern für den Grenzübertritt. „Wir sind von allen Seiten umzingelt. Wir sind hier eingeschlossen“, bezeugt die 25-jährige Nicole, eine Mitarbeiterin des Tourismusministeriums, die derzeit nur einen Bruchteil ihres Gehalts erhält.

Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem
Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem

Medizinische Krise im Schatten des Krieges

Besonders drastisch zeigt sich die Lage im Gesundheitswesen. Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem ist das einzige reine Kinderkrankenhaus in der Westbank. Shireen Khamis, die Kommunikationsverantwortliche der Klinik, berichtet von einem dramatischen Rückgang der Patientenzahlen: Allein im ersten Jahr nach Kriegsbeginn verlor das Krankenhaus 10.000 Patienten – Kinder, die aufgrund der Straßensperren schlicht nicht mehr zu den Behandlungen gelangen konnten.

Khamis vergleicht die Situation in der Westbank mit den Ereignissen in Gaza, nur dass sie hier „langsamer und leiser“ ablaufe. Die psychische Belastung sei enorm, besonders für die Kleinsten. „Vor einigen Tagen flog eine Drohne zwei Stunden lang über Bethlehem. Wir mussten Jugendlichen helfen, die einen Schock erlitten hatten“, schildert sie die angespannte Atmosphäre. Die Angst vor der Zukunft sitzt tief in einer Stadt, die so sehr darauf angewiesen ist, dass die Welt sie nicht vergisst.

(vatican news - mg)

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10. Januar 2026, 11:21