USA: Bischof Dolan fordert Allianz von Glaube und Wissenschaft
Paweł Rytel-Andrianik und Mario Galgano - Vatikanstadt
Wenn Menschen an Schizophrenie oder einer bipolaren Störung leiden, stoßen Angehörige und Seelsorger oft an ihre Grenzen. In solchen Momenten ist die Versuchung groß, nach „schnellen Lösungen“ zu suchen. Doch Bischof John P. Dolan aus Phoenix (USA) warnt eindringlich vor Vereinfachungen. „Wir können auf psychische Herausforderungen durch den Beitrag der Wissenschaft reagieren, zusammen mit dem Gebet und den Sakramenten“, betont der Bischof.
Weder „goldene Ratschläge“ noch reine Medizin
Bischof Dolan, der sich seit Jahren intensiv für die Seelsorge im Bereich der psychischen Gesundheit einsetzt, kennt das Leid der Familien aus nächster Nähe. Oft müssten Angehörige zusehen, wie ein geliebter Mensch „vor ihren Augen verschwindet“, oder sie blieben nach einem Suizid in tiefer Hilflosigkeit zurück.
„Jemandem einfach zu sagen, er solle wieder in die Kirche gehen, wird das Problem nicht unbedingt lösen“, erklärt Dolan. Aber auch der Gang zum Psychiater allein sei oft nicht genug. Es brauche einen ganzheitlichen Ansatz, der den Menschen in seiner Gesamtheit anspricht. Der Bischof lehnt dabei jede Konkurrenz zwischen Glaube und Wissenschaft strikt ab: „Gott hat uns das wunderbare Geschenk der Wissenschaft gegeben. Wir glauben, dass Psychiatrie und Psychologie Geschenke des Heiligen Geistes sind.“
Begleitung statt „Reparatur“
Das Motto des Bischofs, „Bleibt in meiner Liebe“, prägt auch seinen pastoralen Ansatz. Er versteht den Dienst an psychisch Kranken als einen Dienst an den „Peripherien“ des Leibes Christi. Dabei gehe es nicht darum, jemanden „zu reparieren“. „Wir diagnostizieren nicht, wir verschreiben nichts und wir behandeln nicht, aber wir begleiten“, stellt er klar. Diese Begleitung sei kein strategisches Programm, sondern ein Akt der Liebe, der aus dem Herzen Jesu komme.
Drei Säulen der Aktion in Phoenix
In seiner Diözese Phoenix setzt Dolan auf drei konkrete Schwerpunkte. Zunächst im Bereich Bildung: Geistliche werden in „Erster Hilfe für psychische Gesundheit“ geschult, um Krisenzeichen frühzeitig zu erkennen. Ein weiterer Bereich ist die Präsenz an Brennpunkten: Besonders in Gefängnissen wurden Programme zur Begleitung durch Gleichbetroffene (Peer-Support) entwickelt. Und schliesslich geht es um systemisches Handeln: In Maricopa County wurde die Zahl der Krisenbetten für psychische Notfälle fast verdoppelt – von 350 auf 600. Ein teures, aber notwendiges Unterfangen, so der Bischof.
Hoffnung für die Zukunft
Dieser neue Geist soll auch die Ausbildung künftiger Priester prägen. Im Priesterseminar der Diözese wird das Thema psychische Gesundheit offen thematisiert, statt es schamhaft zu verschweigen. Ziel ist es, dass die angehenden Seelsorger ein tieferes Selbstverständnis entwickeln, das in dem Wissen wurzelt, geliebte Kinder Gottes zu sein. Nur so könnten sie später eine Hilfe sein, die weder verurteilt noch oberflächliche Ratschläge erteilt.
(vatican news)
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