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Sierra Leone: Die Aktivitäten der Fraueninitiative Girls Energy Action Development Initiative (©Marco Palombi) Sierra Leone: Die Aktivitäten der Fraueninitiative Girls Energy Action Development Initiative (©Marco Palombi)  ((©Marco Palombi))

Sierra Leone: Wie effiziente Technik Leben rettet

In Sierra Leone bekämpfen Frauen mit handwerklichem Geschick und moderner Technik eine tödliche Gefahr in ihren eigenen vier Wänden. Ein internationales Projekt fördert die Produktion von hocheffizienten Kochöfen, die nicht nur den Holzkohleverbrauch drastisch senken, sondern auch den Weg für eine grünere Zukunft in Westafrika ebnen.

Vincenzo Giardina und Mario Galgano - Vatikanstadt

„Man muss sein Land lieben“, sagt Doreen Sambo mit einem Lächeln. Die junge Frau ist keine gewöhnliche Handwerkerin: Sie steht kurz vor ihrem Abschluss in Politikwissenschaften und schreibt ihre Dissertation über Militärputsche und Korruption in Westafrika. Doch heute trägt sie einen Blaumann und arbeitet in einer Werkstatt am Straßenrand in Bo, der zweitgrößten Stadt Sierra Leones. Hier fertigt sie hocheffiziente Kochöfen – drei pro Tag, zwanzig pro Woche.

Zum Nachhören - das Projekt in Sierra Leone

Das Projekt, das Doreen und viele andere Frauen unterstützt, wird durch das europäische Programm „Energising Development“ (EnDev) kofinanziert und von der deutschen GIZ in Zusammenarbeit mit der italienischen Stiftung AVSI umgesetzt. Es adressiert eines der drängendsten Probleme des Kontinents: die Luftverschmutzung in Innenräumen.

Kampf gegen den „stillen Killer“

Schätzungen zufolge sterben in Afrika jährlich rund 600.000 Menschen – meist Frauen und Kinder – an den Folgen von Rauchgasen, die beim Kochen über offenem Feuer entstehen. In Sierra Leone kochen mehr als 80 Prozent der Familien mit Holz oder Kohle. „Unsere Öfen verbrauchen 60 Prozent weniger Kohle als herkömmliche Methoden“, erklärt Doreen. „Das reduziert den tödlichen Rauch, besonders während der Regenzeit, wenn die Menschen in ihren Blechhütten bleiben müssen.“

Doch der Nutzen geht über die Gesundheit hinaus. Ein Ofen kostet zwischen 200 und 300 Leone (Lokalwährung, entspricht wenige Eurocents, Anm. d. Red.). Das ist zwar teurer als traditionelle Dreifuß-Halterungen, doch die Ersparnis beim Brennstoff und die Langlebigkeit überzeugen immer mehr Kunden. „Wir zielen auf eine Produktion von tausend Einheiten pro Jahr ab“, sagt die Studentin optimistisch.

Von „Freetown“ zu „Treetown“

In der Hauptstadt Freetown ist der Schutz der Wälder zur Überlebensfrage geworden. Nach verheerenden Schlammlawinen setzt die Stadtverwaltung auf massive Wiederaufforstung. Das Ziel: Freetown soll zu „Treetown“, der Stadt der Bäume, werden. Gianni Bagaglia von der Stiftung AVSI betont, dass die neuen Öfen ein zentraler Baustein dieser Strategie sind: „Das nationale Ziel ist es, bis 2030 eine Million Familien mit sauberen Kochmethoden auszustatten.“

Weniger Holzverbrauch bedeutet mehr stehende Bäume, was wiederum die CO2-Emissionen senkt und die Resilienz gegen die zunehmenden Überflutungen stärkt. Gleichzeitig schafft die Produktion Arbeitsplätze und stärkt das Unternehmertum von Frauen, die durch die kürzeren Kochzeiten mehr Raum für Bildung und Erwerbsarbeit gewinnen.

Inklusion durch Handwerk

Das Projekt erreicht auch die Schwächsten der Gesellschaft. Im nahegelegenen Kenema arbeitet Lamin Sesay Kamara in einer Berufsschule für Menschen mit Behinderungen. Der 40-Jährige, der durch Polio seine Beine verlor und während des Bürgerkriegs zum Waisen wurde, lernt hier die Metallverarbeitung. „Mein Traum ist es, ein eigenes Geschäft mit meiner Frau und meinen Kindern zu führen“, sagt er hinter seiner Schutzbrille.

Wie Doreen in Bo leistet auch Lamin einen handfesten Beitrag zum Wiederaufbau seines Landes. Es ist eine leise, aber kraftvolle Revolution, die in den Werkstätten Sierra Leones Form annimmt – ein Metallblech nach dem anderen.

(vatican news)

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29. Dezember 2025, 11:56