Nigerianischer Erzbischof: „Ein Projekt der Demütigung“
Die Zahlen für das Jahr 2025 sind erschütternd: Fünf katholische Priester und Ordensleute wurden in Nigeria ermordet, unzählige weitere entführt. Erzbischof Fortunatus Nwachukwu, selbst gebürtiger Nigerianer, blickt mit einer Mischung aus Trauer und Scham auf seine Heimat. „Nigeria ist eines der religiösesten Länder der Welt. Wir alle sagen, wir seien Menschen des Friedens. Doch vor diesen Fakten möchte ich sehen, dass muslimische Freunde den Missbrauch ihrer Religion für Gewalt endlich klar zurückweisen“, so der Erzbischof.
Die „Rauchleinwand“ der Gewalt
In der Debatte darüber, ob man in Nigeria bereits von einer systematischen Christenverfolgung sprechen kann, nutzt Nwachukwu ein prägnantes Bild: Er spricht von einem „Smoke Screen“ – einer Rauchleinwand aus allgemeiner Unsicherheit und Kriminalität. Dieser Zustand des totalen Sicherheitszusammenbruchs verhindere oft den klaren Blick darauf, ob bestimmte Gruppen gezielt angegriffen werden.
Doch die Indizien für eine gezielte Verfolgung verdichten sich laut Nwachukwu: „Viele Signale deuten darauf hin, dass es Gruppen gibt, die systematisch christliche Gemeinschaften ins Visier nehmen.“ Besonders auffällig sei, dass Sicherheitskräfte bei Angriffen auf Christen oft gar nicht oder viel zu spät reagierten.
Versagen der Regierung und das Schicksal der Fulani
Harte Kritik übt der Erzbischof an der nigerianischen Regierung. Dass bewaffnete Gruppen 300 Schüler entführen können, ohne dass der Staat einschreitet, sei mehr als nur Inkompetenz. „Es fehlt der Wille zu reagieren“, klagt Nwachukwu. Selbst die Armee werde durch Hinrichtungen von Generälen, die von Milizen gefilmt werden, gedemütigt.
Gleichzeitig warnt er vor einer gefährlichen Pauschalisierung: Der Konflikt zwischen den (meist muslimischen) Fulani-Hirten und christlichen Bauern werde zunehmend als Deckmantel für dschihadistischen Terror missbraucht. „Die Fulani werden für alle zu Teufeln. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es viele gute Fulani gibt. Wenn wir die gesamte Volksgruppe demonisieren, reicht ein Funke, um neuen Hass zu entfachen.“
Kirche als Anker in der Not
Trotz der Gefahr bleiben die kirchlichen Strukturen oft der einzige Halt für die Bevölkerung. Während die Regierung versagt, bieten die Diözesen Schutzräume und Bildung an. Nwachukwu betont, dass das christliche Martyrium kein freiwilliger Heroismus sei: „Der Märtyrer ist niemand, der Selbstmord begeht. Er ist jemand, der in Nachfolge Christi die Liebe Gottes für alle bezeugt – und dabei bereit ist, sein Leben zu geben.“
Bezüglich der jüngsten US-Militärschläge gegen IS-Stellungen in Nigeria zeigt sich der Erzbischof pragmatisch: Wenn ein Land seine Krisen nicht mehr selbst bewältigen könne und die Regierung immobil bleibe, könne externe Hilfe zur Beseitigung der Gewaltursachen gerechtfertigt sein.
(fides - mg)
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