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Venezolanische Flüchtlinge Richtung Kolumbien Venezolanische Flüchtlinge Richtung Kolumbien 

Kolumbien: Sorge vor neuem Massenexodus

In Kolumbien wächst die Besorgnis über eine neue Fluchtwelle aus dem benachbarten Venezuela. Menschenrechtler und Experten machen zunehmend „einseitige Zwangsmaßnahmen“ für das Leid der Zivilbevölkerung verantwortlich und forderten am Welttag der Migranten in dieser Woche ein Umdenken der internationalen Gemeinschaft.

Die Lage an der kolumbianisch-venezolanischen Grenze spitzt sich erneut zu. Angesichts der prekären Situation im Nachbarland wächst in Kolumbien, wo bereits über zwei Millionen Venezolaner Zuflucht gefunden haben, die Angst vor einer weiteren massiven Migrationsbewegung.

Sanktionen als „politische Waffe“

Anlässlich des Welttags der Migranten am 18. Dezember wurde in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine deutliche Kritik an der internationalen Sanktionspolitik laut. Cristiano Morsolin, Experte für Menschenrechte, wies darauf hin, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Migrationsdruck und den sogenannten „einseitigen Zwangsmaßnahmen“ bestehe. Dabei handelt es sich um Sanktionen von Regierungen, die als politische Druckmittel eingesetzt werden, faktisch jedoch vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten treffen.

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen in diesem Jahr den 4. Dezember als neuen „Welttag gegen einseitige Zwangsmaßnahmen“ ins Leben gerufen. Zu diesem Anlass fand bereits ein diplomatisches Forum am Sitz der Welternährungsorganisation (FAO) in Rom statt.

Appell der Zivilgesellschaft

Mehrere Organisationen der italienischen Entwicklungszusammenarbeit in Kolumbien – darunter das Observatorio Selvas, Cipsi und das Friedensinstitut Ipazde der Universität Santo Tomás – richteten einen dringenden Appell an die Politik. Sie fordern die konsequente Umsetzung der Beschlüsse des Weltforums für Migration und Entwicklung, das kürzlich in Riohacha stattfand.

Wissenschaft im Dienst der Menschenrechte

Andrés Inampues, Direktor des Friedensinstituts Ipazde, betonte gegenüber dem Nachrichtendienst Sir die Rolle des Dominikanerordens bei den Vereinten Nationen. Durch die ständige Delegation des Ordens für Gerechtigkeit und Frieden in Genf werde die Theorie in die Praxis überführt.

Pater Aniedi Okure, ein gebürtiger Nigerianer und Vertreter des Ordens beim UN-Menschenrechtsrat, besuchte kürzlich Bogotá und unterstrich die Bedeutung einer geordneten Migration: „Wir wissen, dass Migration ein Recht ist, das respektiert werden muss. Es ist authentisch, wenn es geordnet und würdevoll ausgeübt wird, und nicht, wenn eine Person zur Flucht gezwungen wird – ungeplant, unsicher und unter Verletzung ihrer Menschenrechte vor, während und nach dem Transit.“

Okure zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der Universität Santo Tomás, die akademische Projekte direkt in den am stärksten betroffenen Regionen umsetzt. Ziel sei es, die schwächsten Gemeinschaften zu integrieren und durch Zusammenarbeit echte Veränderungen für die Betroffenen zu bewirken.

(sir - mg)

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22. Dezember 2025, 12:23