Pakistan: Ahmadis wegen Gebet verhaftet
In der Stadt Sialkot in der pakistanischen Provinz Punjab versammelten sich Gläubige der Ahmadiyya-Gemeinde in einem Privathaus zum Gebet während des Ramadan. Doch ihre friedliche Zusammenkunft blieb nicht unbemerkt. Radikale Islamisten umringten das Gebäude, skandierten Hassparolen und forderten die Behörden auf, gegen die Ahmadis vorzugehen. Mehr als 15 Mal riefen Mitglieder der Gemeinde die Polizei, um Schutz vor möglichen Angriffen zu erhalten – doch anstatt die Gläubigen zu schützen, hätten die Beamten 22 Ahmadis festgenommen, so Asianews.
Unter den Inhaftierten befinden sich laut dem Bericht auch Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis 14 Jahren. Die Festgenommenen seien in das Zentralgefängnis von Sialkot überführt worden und warteten dort weiterhin auf ihre Freilassung.
Systematische Verfolgung setzt sich fort
Der Vorfall in Sialkot ist kein Einzelfall. Bereits am 7. März waren 23 Ahmadi-Gläubige in Sargodha festgenommen worden, weil sie sich in einem Haus zum Gebet versammelt hatten. Am nächsten Tag zerstörte die Polizei in Bahawalnagar nach Druck extremistischer Gruppen die Minarette eines Ahmadi-Gotteshauses.
Besonders alarmierend ist, dass die Behörden nicht nur untätig bleiben, sondern offenbar aktiv gegen Ahmadis vorgehen. Nach einem tödlichen Streit in Bahawalnagar, an dem kein Ahmadi beteiligt war, machten radikale Islamisten dennoch die Gemeinde für den Vorfall verantwortlich. Fundamentalistische Gruppen drängten die Polizei dazu, Ermittlungen gegen Ahmadis einzuleiten, während gleichzeitig ihre Häuser geplündert wurden.
Eine lange Geschichte der Unterdrückung
Die Ahmadiyya-Gemeinde in Pakistan, die etwa zwei Prozent der Bevölkerung ausmacht, ist eine der am stärksten verfolgten Gruppen im Land. Die Bewegung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Mirza Ghulam Ahmad gegründet, der sich als nachfolgender Prophet Mohammeds verstand – eine Ansicht, die von sunnitischen Muslimen als Ketzerei angesehen wird.
Ein Bericht aus dem Jahr 2018 dokumentiert das Ausmaß der Verfolgung: Zwischen 1984 und 2017 wurden 260 Ahmadis ermordet, 27 Gotteshäuser zerstört und 22 in Brand gesteckt. Zudem wurden Hunderte Gräber geschändet und Mitglieder der Gemeinde regelmäßig verhaftet. Allein in diesem Jahr wurden bereits 91 Gräber geschändet und 15 Minarette abgerissen.
Internationale Menschenrechte missachtet
„Wir werden seit langer Zeit verfolgt und diskriminiert, und jetzt ist es uns nicht einmal erlaubt, unsere Gebete zu sprechen oder religiöse Rituale durchzuführen, nicht einmal in unseren Häusern“, beklagt Mahmood. Er verweist auf den klaren Verstoß gegen Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie Artikel 20 der pakistanischen Verfassung, die beide die Religionsfreiheit garantieren.
Appell an die Regierung – Schutz für Ahmadis gefordert
Trotz der massiven Verfolgung bleibe der pakistanische Staat untätig. „Die Regierung hat es versäumt, ihre Bürger zu schützen“, kritisiert Mahmood. Er fordert die sofortige Freilassung aller unschuldig inhaftierten Ahmadis und ernsthafte Maßnahmen zum Schutz ihrer Gotteshäuser und Wohnungen.
(asianews - mg)
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