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Zu Besuch in bombardierten Vierteln in Kyiv Zu Besuch in bombardierten Vierteln in Kyiv 

Gallagher in Kyiv: „Im Gebet um den Frieden beharrlich bleiben“

An Orten von Tod und Leid gedachte Erzbischof Paul Richard Gallagher am dritten Tag seiner Mission in der Ukraine der Opfer des Krieges. Am Samstag besuchte er nach einem Gebet in der Nikolauskirche die Bratstwa-Tarasiwziw-Straße in Kyiv, wo im Mai eine russische Rakete mehr als 20 Menschen, darunter Kinder, tötete. Der Erzbischof überbrachte die Nähe von Papst Leo XIV.: „Es vergeht kein Tag, an dem er nicht für die Ukraine und für euch, Männer und Frauen des Glaubens, betet."



Von Roberto Paglialonga – Sonderkorrespondent in Kyiv

Es gibt Orte des Leids, die zwangsläufig zu Orten des kollektiven Gedächtnisses eines Volkes werden. Butscha, Irpin und Worzel werden den Ukrainern – und nicht nur ihnen – für immer vor Augen und im Herzen bleiben. Diese Namen sind inzwischen Sinnbilder der Schrecken des Krieges, der mit der russischen Invasion im Februar 2022 begann und bis heute weder ein Ende noch eine konkrete Hoffnungsperspektive erkennen lässt.

Auch die Hauptstadt Kyiv ist von Spuren gezeichnet, die an die Brutalität von Gewalt und Hass erinnern. Der dritte Tag der Ukraine-Mission von Erzbischof Paul Richard Gallagher, Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten und internationalen Organisationen des Heiligen Stuhls, der sich als Sondergesandter des Papstes zu den Feierlichkeiten des 35. Jahrestages der Wiedereröffnung der Einrichtungen der katholischen Kirche des lateinischen Ritus im Land befindet (die am Sonntag, dem 19., im Marienheiligtum auf dem Karmelberg in Berdytschiw stattfinden), ist den Orten gewidmet, die in den vergangenen Jahren und besonders in den letzten Monaten Ziel von Angriffen waren. Dennoch spürt man dort den Willen der Menschen, neu anzufangen: indem sie das Wesentliche wiederaufbauen – die Fundamente einer zerstörten Kirche oder eines Wohnhauses, die gebrochenen Herzen von Schutzbedürftigen und Kindern sowie den menschlichen und sozialen Zusammenhalt einer durch den Glauben verbundenen Gemeinschaft.

Erzbischof Gallagher in der Nikolauskirche
Erzbischof Gallagher in der Nikolauskirche

Gebet für den Frieden in der Nikolauskirche von Kyiv

Am Samstagmorgen besuchte der Erzbischof die Nikolauskirche, wo ihn der Pfarrer, P. Pavlo Wyshkowskyj OMI, sowie die versammelten Gläubigen empfingen. Das Gotteshaus war im Dezember 2024 von einer russischen Rakete getroffen worden. Damals wurden die Fensterscheiben herausgerissen und zersplitterten, auch das Innere der Kirche wurde erheblich beschädigt. Derzeit wird sie restauriert. Dank diplomatischer Bemühungen, an denen auch der Heilige Stuhl beteiligt war, wurde sie in den vergangenen Monaten von den ukrainischen Behörden der katholischen Gemeinde des lateinischen Ritus zur Nutzung überlassen.

Gallagher, der die Pfarrei bereits bei seinem ersten Besuch im Jahr 2022 besucht hatte, betrat sie unter den Klängen von Gesang und Orgelmusik. Gemeinsam mit dem Pfarrer, den anwesenden Priestern und der Gemeinde sprach er auf Ukrainisch ein Gebet um Frieden für die Ukraine und um ein Ende des Krieges.

„Um dieses Ziel zu erreichen“, sagte Gallagher zu den Anwesenden, „ist eine Tugend besonders wichtig, die ich bereits in euch sehe: die Tugend der Beharrlichkeit.“

„Ihr seid beharrlich in eurem Leben, für euer Land und im beständigen Gebet um den Frieden. Diese Beharrlichkeit zeichnet auch uns als katholische Gemeinschaft aus. Ihr seid als eucharistische und betende Gemeinschaft standhaft geblieben, und ich sehe bereits die Früchte. Ich sehe auch die Fortschritte und die laufenden Arbeiten unter der Leitung eures Pfarrers.“

Es bestehe kein Zweifel daran, so der Erzbischof weiter, „dass es weiterhin Probleme und Schwierigkeiten geben wird. Doch ich sehe euch stark im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. In diesem Geist grüße ich euch im Namen unseres Heiligen Vaters Leo XIV. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht für die Ukraine und für euch, Männer und Frauen des Glaubens, betet. Ich lade auch euch ein, für ihn zu beten, und ich hoffe, dass ihr eines Tages die Freude haben werdet, ihn hier in Kyjiw willkommen zu heißen.“

Anschließend spendete er den Segen.

Das Ehepaar überreicht dem Erzbischof zwei Blumensträuße
Das Ehepaar überreicht dem Erzbischof zwei Blumensträuße

Besonders bewegend war der Moment, als ein Ehepaar und eine Frau, alle in weißen Gewändern, Erzbischof Gallagher zwei Sonnenblumensträuße überreichten.

„Diese Blumen sind ein Symbol der Ukraine und ihrer vielen Toten“, erklärten sie. Außerdem überreichten sie ihm eine Ikone der Heiligen Familie.

Die Wohnung des Ehepaares war erst zwei Wochen zuvor bei einem der schweren russischen Luftangriffe der letzten Tage vollständig zerstört worden. Die dort aufbewahrte Ikone jedoch blieb unversehrt.

„Für uns ist das ein Zeichen der Hoffnung“, betonten sie und dankten dem Heiligen Stuhl sowie dem Apostolischen Nuntius für die Hilfe und Unterstützung in den vergangenen Jahren.

Pfarrer Pavlo erklärte gegenüber den vatikanischen Medien nach dem Besuch, es sei „eine große Freude, Erzbischof Gallagher vier Jahre nach seinem ersten Besuch in Kyiv wiederzusehen und seine Zuneigung zu unserer Gemeinde zu erfahren“.

Bei Gesprächen mit Betroffenen und Helfern
Bei Gesprächen mit Betroffenen und Helfern

Besuch in einem im Mai bombardierten Stadtviertel

Anschließend besuchte die Delegation die Bratstwa-Tarasiwziw-Straße, wo am 14. Mai ein russischer Angriff 24 Menschen, darunter drei Kinder, tötete und mindestens zehn weitere verletzte.

Dort traf Gallagher Vertreter der örtlichen Behörden, der Rettungsdienste sowie des UNHCR, die den Betroffenen materielle Hilfe leisten und psychosoziale sowie traumatherapeutische Projekte durchführen.

Der Erzbischof ließ sich den Ablauf des Angriffs schildern und erkundigte sich bei den zivilen Hilfseinheiten und der UN-Organisation nach ihrer Arbeit und den größten Herausforderungen.

„Allein seit Juni dieses Jahres wurden 300 Zivilisten getötet, Tausende weitere verletzt – die höchste Zahl seit 2022“, erklärte der örtliche UNHCR-Leiter während eines Aufenthalts an einer Gedenkstätte vor den zerstörten Wohnhäusern.

Rund um einen großen Baum hatten Angehörige und Freunde Stofftiere, Spielzeug und Fotografien niedergelegt, um die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten.

Der Baum der Erinnerung
Der Baum der Erinnerung

Der Vertreter des UNHCR erklärte weiter:

„Wir beobachten, dass sich die russische Frustration zunehmend gegen die Zivilbevölkerung richtet. Die Folgen sind sowohl unmittelbar als auch langfristig besonders bei Kindern und Jugendlichen sichtbar, die unter schwerem Stress und psychischen Belastungen infolge der Bombardierungen leiden.“

Ein zerstörter angrenzender Palast
Ein zerstörter angrenzender Palast

Schäden am Dominikanischen Theologischen Institut

Die letzte Station war das Dominikanische Theologische Institut des heiligen Thomas von Aquin, wo die Delegation vom Provinzial für die Ukraine, P. Jarosław Krawiec, empfangen wurde.

Im Mai dieses Jahres schlugen Raketen und Drohnen in der Nähe des Instituts ein. Mehrere Wohnhäuser, der Marktplatz sowie eine ukrainische Rüstungsfabrik wurden schwer beschädigt. Splitter trafen das Klostergebäude der Dominikaner, zerstörten Fenster und Türen und verursachten erhebliche Schäden im Inneren.

„Wenn die Druckwelle eintrifft, ist ihre Zerstörungskraft enorm und reicht bis in mehrere hundert Meter Entfernung vom Einschlagsort“, erklärte Pater Krawiec, wobei er auf die Überreste einer Drohne im Innenhof verwies.

„Wir sind sehr dankbar, dass Erzbischof Gallagher uns besuchen und die konkreten Folgen der Bombardierungen mit eigenen Augen sehen konnte. Unser Institut ist ein bedeutender Ort katholischer Bildung und für viele Gläubige des lateinischen Ritus in der Ukraine wichtig. Hier studieren mehr als hundert Menschen, nicht nur Angehörige unserer Konfession.“

Deshalb, so fügte er hinzu, „danken wir unseren Freunden, Wohltätern und allen, die uns in dieser Zeit geholfen haben, das Zerstörte wiederaufzubauen.“

Denn – so sein Schlusswort – „das Schlimmste in einem Krieg ist das Gefühl, allein zu sein und die Solidarität der Mitmenschen nicht mehr zu spüren.“

Besuch der Kyiver Petscherska Lawra

Am Samstagnachmittag besuchte Gallagher schließlich die Petscherska Lawra, das älteste orthodoxe Kloster der Ukraine, eines der wichtigsten Symbole ihrer christlichen Geschichte und geistlichen Identität sowie UNESCO-Weltkulturerbe.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 2026 wurde die Klosteranlage bei einem russischen Angriff getroffen. Besonders stark beschädigt wurde das Dach der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, das inzwischen wieder instand gesetzt worden ist.

Im Inneren sind vor der Ikonostase an einigen Stellen des Daches noch immer die Spuren des Raketenangriffs sichtbar.

Begleitet vom Generaldirektor der Lawra stieg der päpstliche Gesandte anschließend in die unterirdischen Höhlen hinab, die dem Kloster seinen Namen geben („petscherskyj“ bedeutet auf Ukrainisch „Höhlen“) und als einer der heiligsten Orte des Christentums in der Ukraine gelten.

In den engen Gängen werden die Reliquien zahlreicher heiliger Mönche aufbewahrt, darunter des heiligen Antonius und des heiligen Theodosius, sowie Teile der Reliquien des heiligen Papstes Clemens, die der Überlieferung zufolge nach seinem Tod auf der Krim nach Kyiv überführt wurden.

In der Petscherska Lawra
In der Petscherska Lawra

(vatican news - cs)

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19. Juli 2026, 11:42