Der Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine Der Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine 

Großerzbischof Schewtschuk betont Bedeutung von Vergebung

In der ukrainischen Hauptstadt Kyiv ist Erzbischof Paul Richard Gallagher am zweiten Tag seiner Mission in der Ukraine mit dem Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Seiner Seligkeit Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, sowie dem Apostolischen Nuntius Visvaldas Kulbokas zusammengetroffen.

Roberto Paglialonga - Kyiv

Gallagher reiste als Sondergesandter von Papst Leo XIV. anlässlich des 35. Jahrestags der Wiedereröffnung der Strukturen der katholischen Kirche des lateinischen Ritus an. Gegenwärtig besteht nach Ansicht des Großerzbischofs ein Bedarf an gegenseitiger Vergebung, um das historische Gedächtnis der europäischen Völker zu heilen.

Großerzbischof Schewtschuk hob die Bedeutung des gemeinsamen Gebets und der Präsenz der päpstlichen Gesandten hervor. Das gemeinsame Gebet im Kreise der Weltkirche und mit Vertretern des Vatikans schaffe einen Raum, der zur Linderung von Leid beitrage. Die Anwesenheit von Kardinal Zuppi in den vergangenen Tagen und die Ankunft von Erzbischof Gallagher seien sichtbare Zeichen des Beistands der universellen Kirche.

Interreligiöse Zusammenarbeit

Hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Konfessionen im Land verwies Schewtschuk auf die gemeinsamen pastoralen und humanitären Aufgaben, vor denen Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, Juden und Muslime stünden. Diese Gruppen arbeiten im Allukrainischen Rat der Kirchen und Religionsorganisationen zusammen, der in diesen Tagen sein 30-jähriges Bestehen feiert. Die Kooperation über konfessionelle Grenzen hinweg diene der Lebensrettung und der praktizierten Nächstenliebe.

Die humanitären Bedürfnisse der Bevölkerung sind angesichts der Intensivierung der militärischen Auseinandersetzungen beträchtlich. Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich derzeit etwa fünf Millionen Menschen in einer humanitären Notlage, wovon rund zwei Millionen durch internationale Strukturen versorgt werden können. Schewtschuk betonte unter Berufung auf den Bürgermeister von Kyiv, dass die Bevölkerung neben materiellen Gütern wie Nahrung und Kleidung vor allem Zuspruch und Hoffnung benötige. Die Kirche sehe in dieser Phase der Not eine Aufgabe zur Seelsorge und zur Vermittlung religiöser Werte.

Historischer Besuch von Papst Johannes Paul II.

Im Gespräch mit Erzbischof Gallagher kam zudem das Thema der Versöhnung zur Sprache. Schewtschuk erinnerte an den historischen Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 25 Jahren, der sich in den Dienst der europäischen Verständigung gestellt hatte. Um die historischen Wunden der Vergangenheit, die bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreichen und durch den aktuellen Konflikt überlagert werden, zu schließen, bleibe das gegenseitige Vergeben das wesentliche Instrument. Da die Vergangenheit nicht rückgängig gemacht werden könne, biete der Verzicht auf Feindseligkeit die Möglichkeit, eine gemeinsame Zukunft aufzubauen.

(vatican news - mg)

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18. Juli 2026, 12:29