Symbolbild: In einem Labor Symbolbild: In einem Labor  (AFP or licensors)

Vatikan: Wie Gesundheitsdaten gerechter genutzt werden sollen

Der Weltärztebund und die Päpstliche Akademie für das Leben haben im Vatikan über den Umgang mit Gesundheitsdaten und Biobanken beraten. Im Mittelpunkt stand die Überarbeitung der sogenannten Deklaration von Taipeh, die ethische Leitlinien für Gesundheitsdatenbanken und Biobanken vorgibt.

Zu dem Expertentreffen am Montag und Dienstag, 1. und 2. Juni, kamen Fachleute aus Medizin, Bioethik, Recht, Gesundheitswesen und Gesundheitsverwaltung. Aus Deutschland nahm der Psychiater und Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben, Manfred Lütz, teil. Er würdigte im Gespräch mit uns an diesem Mittwoch den praktischen Charakter der Zusammenarbeit mit dem Weltärztebund. Besonders wichtig war Lütz zufolge bei der Tagung in Rom die Frage, wie auch Länder mit geringeren Forschungsressourcen von medizinischen Daten profitieren können.

„Es werden ja Daten in Afrika erhoben, von denen dann die Europäer auch etwas haben – aber die Afrikaner nicht“

Hier zum Nachhören

„Das klingt erst sehr theoretisch, aber ist sehr wichtig, auch praktisch wichtig. Diesmal war das Thema, wie kann man erreichen, dass Länder in Afrika, in Lateinamerika, die eben keine Biobanken und Ähnliches haben, beteiligt werden an dem, was da auch herauskommt, und beteiligt werden auch bei den Gesundheitsdaten. Es werden ja Daten in Afrika erhoben, von denen dann die Europäer auch etwas haben – aber die Afrikaner nicht.“

Nach Angaben des Weltärztebundes diskutierten die Teilnehmer außerdem über die Unterrepräsentation vulnerabler Gruppen in der Forschung und über ethische Entscheidungsprozesse. Lütz:

„Also, wie können zum Beispiel die Rechte von Behinderten wahrgenommen werden, die als Versuchspersonen wichtig sind, damit ihre Erkrankungen zum Beispiel richtig erforscht werden.“

Die Präsidentin des Weltärztebundes, Jacqueline Kitulu, verwies auf die Chancen medizinischer Forschung mit Gesundheitsdaten. Auch sie betonte, dass wissenschaftlicher Fortschritt ethische Verantwortung, echte Teilhabe und eine gerechte Verteilung der Ergebnisse brauche, damit alle Gemeinschaften gleichermaßen profitieren könnten.

Die laufende Überarbeitung der Deklaration von Taipeh reagiert auch auf Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz, Genomforschung und den internationalen Austausch von Gesundheitsdaten. Lütz sieht dabei vor allem die Verantwortung im Umgang mit den gewonnenen Informationen:

„... dass man nicht den Big Techs die Macht überlässt“

„Wir haben jetzt nicht speziell über künstliche Intelligenz gesprochen und die damit verbundenen Herausforderungen. Es ging mehr darum, dass man mit den Daten, die da gewonnen werden, auch über künstliche Intelligenz verantwortungsvoll umgeht und dass man nicht den Big Techs die Macht überlässt und das auch ethisch nachher nicht mehr eingefangen bekommt, was damit passiert.“

Sowohl der Weltärztebund wie auch die Päpstliche Akademie für das Leben habe von der Tagung profitiert, erläuterte Lütz. Gleich zu Beginn habe ein Vortragender des Weltärztebundes die neue KI-Enzyklika von Papst Leo, Magnifica humanitas, zitiert. „Da sieht man, dass so eine Enzyklika dann auch in die Praxis wirkt. Wir werden diese Kooperation fortsetzen und ich finde das außerordentlich inspirierend.“

(vatican news – gs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

03. Juni 2026, 14:46