Auch Papst Leo XIV. war bei den Beratungen dabei Auch Papst Leo XIV. war bei den Beratungen dabei  (@Vatican Media)

Vatikan: Kardinäle beraten über gesellschaftliche Spaltungen und KI

Die dritte Sitzung des außerordentlichen Konsistoriums, die im Zeitraum vom 26. bis 27. Juni 2026 stattfindet, widmete sich zentralen Herausforderungen der Gegenwart.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Nach einer von Kardinal Giovanni Battista Re zelebrierten Heiligen Messe versammelten sich die Mitglieder des Kardinalskollegiums in der Audienzhalle. Die Moderation der Sitzung lag in den Händen von Kardinal Polycarp Pengo Rugambwa aus Tansania, während Papst Leo XIV. das einleitende Adsumus-Gebet leitete. Im Namen des Papstes rief der Moderator die Kardinäle dazu auf, die päpstlichen Friedensappelle in ihren jeweiligen Heimatdiözesen und Regionen verstärkt zu unterstützen, um einen weltweiten, gemeinsamen Einsatz für den Frieden zu erwirken. Das thematische Fundament für die anschließenden Beratungen bildete das Einführungsreferat des südafrikanischen Kardinals Stephen Brislin unter dem Titel „Im Guten bauen: Die Baustellen unserer Zeit“.

Die Beratungen in der Audienzhalle
Die Beratungen in der Audienzhalle   (@Vatican Media)

Nach einer Phase des stillen Gebets und der Arbeit in Kleingruppen stellten insgesamt elf Arbeitskreise ihre Berichte im Plenum vor. Ein Schwerpunkt der Diskussionen lag auf den tiefen Brüchen innerhalb der heutigen Gesellschaften, die sich zwischen Völkern, Nationen und bis in die Familienstrukturen hinein abzeichnen. Die Berichte verdeutlichten, dass unter diesen Spannungen besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten, Jugendliche sowie ältere Menschen leiden. Als Ursachen wurden ein Mangel an Sinnerfahrung, Identitätsverlust und ein ausgeprägter Individualismus genannt, der Mitmenschen primär als Werkzeuge für den eigenen Erfolg betrachte.

Entwicklung der KI

In diesem Kontext befassten sich die Kardinäle mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI), die als anthropologische Herausforderung eingestuft wurde. Die Arbeitsgruppen betonten die Notwendigkeit, gemeinsame menschliche Werte zu definieren. Dabei wurde gefordert, Lebewesen nicht auf bloße Daten oder Statistiken zu reduzieren. Zudem gelte es, die conditio humana mit ihren natürlichen Grenzen anzuerkennen – Aspekte, die durch KI-Technologien tendenziell in den Hintergrund gedrängt würden –, und die Würde der menschlichen Arbeit zu schützen.

Die Beratungen in der Audienzhalle
Die Beratungen in der Audienzhalle   (@Vatican Media)

Ein weiterer zentraler Beratungspunkt war die Realisierung des Gemeinwohls, dessen Vermittlung in der gegenwärtigen Politik oft vernachlässigt werde. Die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Eigentum erschwere den Zugang zu diesem Prinzip. Die Kardinäle hielten fest, dass das Bewusstsein für das Gemeinwohl im Glauben an Gott und in der Transzendenz des Menschen wurzle. Als Gegenmodell zum Individualismus wurde die Solidarität mit den Armen und der Aufbau unentgeltlicher Beziehungen auf allen Ebenen hervorgehoben. Hierbei komme der Politik eine wesentliche Funktion zu. Die kirchlichen Institutionen wurden aufgefordert, die Soziallehre der Kirche in der Ausbildung für den öffentlichen Dienst fest zu verankern, um gesellschaftlichen Spaltungen entgegenzuwirken.

„Die Christen sollten sich als aktive Gestalter einer solidarischen Gesellschaft einbringen.“

Polarisierungsfreie Kirche

Die Arbeitsgruppen stimmten darin überein, dass das Evangelium und eine erneuerte, polarisierungsfreie Kirche die Instrumente zur Überwindung dieser Krisen seien. Die Christen sollten sich als aktive Gestalter einer solidarischen Gesellschaft einbringen. In diesem Zusammenhang wurde die Synodalität als Weg des Zuhörens, des Dialogs und der kirchlichen Verantwortung hervorgehoben. Zum Abschluss der Sitzung äußerten die Kardinäle in Redebeiträgen ihre Anerkennung für die jüngsten Auslandsreisen des Papstes und dessen Einsatz für den Frieden. Die Versammlung endete mit dem von Papst Leo XIV. geleiteten Angelus-Gebet.

(vatican news)

Die Beratungen in der Audienzhalle
Die Beratungen in der Audienzhalle   (@Vatican Media)

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27. Juni 2026, 15:11