Parolin: Die Mächtigen sollen auf jene hören, die eine neue Welt wollen
„Wenn wir uns umsehen, sind wir alle zutiefst besorgt über das, was geschieht“, so der Kardinal. „Aber die Zeichen der Hoffnung liegen gerade in den Menschen, die angesichts dieser Situation nicht aufgeben, sondern auf unterschiedliche Weise reagieren. Sie fügen sich dieser Realität nicht passiv und sagen, dass eine neue Welt, eine neue Gesellschaft, eine neue Lebensweise und ein neuer Umgang miteinander möglich sind.“
In diesem Sinn könne der Glaube an Christus ein großer Grund zur Hoffnung sein, weil er Orientierung biete, so der Kardinal. Parolin verwies auf das Beispiel des heiligen Franz von Assisi. Alle zu lieben, auch die Feinde: das sei die Botschaft des großen italienischen Heiligen. „Nur aus dieser Liebe können wir Hoffnung schöpfen: einer Liebe, die allen Menschen alles bedeutet und die eine Realität des Friedens, der Gelassenheit und der Zusammenarbeit aller Menschen aufbauen will.“
Allerdings sieht der Chefdiplomat des Vatikans noch Spielraum bei der politischen Wahrnehmung und Umsetzung der Sehnsucht nach Frieden. Menschen, die die Situation des Kriegs, der Spaltung und der Feindseligkeit im großen Maßstab „nicht passiv hinnehmen“, bezeichnete er als Zeichen der Hoffnung.
„Es wäre auch wichtig, wenn dieser Protestruf in gewissem Sinne in politisches Handeln umgesetzt werden könnte, was sich jedoch als schwierig erweist, da die führenden Politiker der Welt selbst den Stimmen der Basis wenig Gehör schenken. Doch gerade dies gibt uns Hoffnung: dass wir uns nicht an eine Lebensweise und ein Verständnis von zwischenmenschlichen Beziehungen gewöhnen, die von Gewalt und Unterdrückung geprägt sind. Das Evangelium schenkt uns diese Hoffnung.“
Der Kardinal äußerte sich auch zur Ausstellung der Gebeine des heiligen Franz von Assisi, zu der er selbst in die umbrische Stadt gekommen war. Erstmals überhaupt wurden die Reliquien des populären Heiligen für vier Wochen bis zum 22. März 2026 in der Basilika im mittelitalienischen Assisi gezeigt. Mehr als 370.000 Menschen aus aller Welt besuchten die ungewöhnliche Schau zum 800. Todestag des Ordensgründers. Parolin bejahte die Frage, ob dies ein wichtiger Moment im Leben der Kirche in dieser Zeit sein kann. „Ich glaube, dass der Erfolg – nennen wir es so, auch wenn es vielleicht ein etwas weltlicher Begriff ist – dieser Ausstellung genau darin liegt: Die Menschen spüren das Bedürfnis nach Vorbildern und Beispielen“. Franziskus sei „eine Botschaft der Hoffnung, die in Kontinuität mit der Botschaft steht, die wir im Heiligen Jahr zu leben versucht haben.“
Das Interview mit Kardinal Parolin erschien am Mittwoch, den 1. April, im Video-Podcast „Parole Povere” auf dem Youtube-Kanal San Francesco d’Assisi.
(vatican news – gs)
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