Päpste und Kriege in der Moderne
Andrea Tornielli - Algier/Algerien
In Zeiten, in denen wieder von einem „gerechten Krieg“ die Rede ist, mag es sich lohnen, daran zu erinnern, was das Lehramt der Päpste in den letzten einhundert Jahren zum Thema des Friedens gesagt hat. Ein Lehramt, das nach und nach bereichert und vertieft wurde und zur Erkenntnis gelangt ist, dass die Möglichkeit eines „gerechten Krieges“ immer unwahrscheinlicher wird. Die Überlegungen hinsichtlich der Theologie der vergangenen Jahrhunderte und der möglichen Rechtfertigungen für einen Krieg sehen ab von der Tatsache, dass Kriege mit Keulen und Schwertern geführt wurden und nicht mit tödlichen Waffen und computergesteuerten Drohnen, als die Theologen der Vergangenheit über diese Themen schrieben. Denn diese Tatsache wirft moralische Fragen von dramatischer Tragweite auf, und tatsächlich ist das Bewusstsein gewachsen, dass Krieg kein gangbarer Weg ist.
Vom Brief Benedikts XV. an die Kriegsparteien aus dem Jahr 1917, in dem er den Ersten Weltkrieg als „unnützes Blutvergießen“ bezeichnet, bis hin zu den Bemühungen Pius XII., den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu verhindern; von den Worten Johannes XXIII., der bereits 1963 in Pacem in terris schrieb, dass es „im Atomzeitalter der Vernunft [widerstrebt], den Krieg noch als das geeignete Mittel zur Wiederherstellung verletzter Rechte zu betrachten“, über den Aufruf Pauls VI. vor der UNO „Nie wieder Krieg“ bis hin zu den erfolglosen Versuchen Johannes Pauls II., die verhängnisvollen Konflikte im Nahen Osten zu verhindern, haben die Nachfolger Petri es nicht versäumt, ihre von Prophetie und Realismus geprägte Stimme zu erheben, leider meist ohne Gehör zu finden.
Referenztext ist in erster Linie der Katechismus der Katholischen Kirche, der das Recht auf Notwehr anerkennt, aber auch für den Verteidigungskrieg „strenge Bedingungen“ festlegt, „die gleichzeitig gegeben sein müssen“: „Der Schaden, der der Nation oder der Völkergemeinschaft durch den Angreifer zugefügt wird, muss sicher feststehen, schwerwiegend und von Dauer sein. Alle anderen Mittel, dem Schaden ein Ende zu machen, müssen sich als undurchführbar oder wirkungslos erwiesen haben. Es muss ernsthafte Aussicht auf Erfolg bestehen. Der Gebrauch von Waffen darf nicht Schäden und Wirren mit sich bringen, die schlimmer sind als das zu beseitigende Übel. Beim Urteil darüber, ob diese Bedingung erfüllt ist, ist sorgfältig auf die gewaltige Zerstörungskraft der modernen Waffen zu achten.“ Wer kann leugnen, dass sich die Menschheit heute gerade wegen der Eskalation des Konflikts und der Macht der „modernen Waffen“ am Rande des Abgrunds befindet?
Immer nachdrücklicher wurde das „Nein“ zum Krieg auch während des Pontifikats von Papst Franziskus bekräftigt, der in der Enzyklika Fratelli tutti schrieb: „So entscheidet man sich dann leicht zum Krieg unter allen möglichen angeblich humanitären, defensiven oder präventiven Vorwänden, einschließlich der Manipulation von Informationen. In der Tat gaben in den letzten Jahrzehnten alle Kriege vor, ›gerechtfertigt‹ zu sein. […] Der springende Punkt ist, dass durch die Entwicklung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und durch die enormen und wachsenden Möglichkeiten der neuen Technologien, der Krieg eine außer Kontrolle geratene Zerstörungskraft erreicht hat, die viele unschuldige Zivilisten trifft. Es stimmt: ›Nie hatte die Menschheit so viel Macht über sich selbst, und nichts kann garantieren, dass sie diese gut gebrauchen wird.‹ Deshalb können wir den Krieg nicht mehr als Lösung betrachten, denn die Risiken werden wahrscheinlich immer den hypothetischen Nutzen, der ihm zugeschrieben wurde, überwiegen. Angesichts dieser Tatsache ist es heute sehr schwierig, sich auf die in vergangenen Jahrhunderten gereiften rationalen Kriterien zu stützen, um von einem eventuell ›gerechten Krieg‹ zu sprechen. Nie wieder Krieg!“
Sein Nachfolger Leo XIV. hat den Frieden zu einem der zentralen Themen seines Pontifikats gemacht: Angesichts des Wahnsinns der Eskalation des Krieges und der maßlosen Ausgaben für die Aufrüstung setzt er mit ebenso viel Realismus wie prophetischer Weitsicht den von seinen Vorgängern bereits eingeschlagenen Weg fort und fordert Frieden, Dialog und Verhandlungen. Die in den vergangenen Jahren verübten Massaker an der Zivilbevölkerung erschüttern das Gewissen von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, die auf den Bischof von Rom blicken. Papst Leo fordert, wie Jesus in Getsemani, eindringlich dazu auf, das Schwert in die Scheide zu stecken. „Überall sind Drohungen zu vernehmen, statt Aufrufe zum Zuhören und zur Begegnung“, sagte er bei der Gebetsvigil am Samstag, 11. April. Und er erklärte: „Wer betet, ist sich seiner Grenzen bewusst, er tötet nicht und droht nicht mit dem Tod. Dem Tod unterworfen ist hingegen, wer dem lebendigen Gott den Rücken gekehrt hat, um sich selbst und seine eigene Macht zum stummen, blinden und tauben Götzen zu machen, dem alle Werte geopfert werden und der verlangt, dass die ganze Welt vor ihm die Knie beugt. Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg! Wahre Stärke zeigt sich im Dienst am Leben.“
(vatican news - jw)
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